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Sexualität: Pfizer will kein Viagra für Frauen auf den Markt bringen

Frauen ticken anders: Weil nach langjähriger Forschung feststeht, dass sexuelle 'Funktionsstörungen' bei Frauen meist nicht körperliche Gründe haben und das Thema 'zu komplex ist', lohnt sich auch das Medikament nicht.

Nach langjähriger Forschung will der Pharmakonzern Pfizer den Viagra-Wirkstoff Sildenafil nicht für Frauen auf den Markt bringen. Pfizer werde die Zulassung von Sildenafil für Frauen nicht beantragen, erklärte das Unternehmen. Die Versuche an etwa 3.000 Frauen zur Wirksamkeit des Mittels bei der so genannten weiblichen sexuellen Funktionsstörung (FSD) hätten keine schlüssigen Resultate ergeben. Die Erforschung von FSD sei sehr viel komplexer als die von Erektionsstörungen bei Männern, sagte Pfizer-Entwicklungschef Joe Feczko.

Krankheitsbild gezielt geschaffen?

Die Definition von FSD als Krankheit war bei vielen Medizinern auf massive Kritik gestoßen. Das "British Medical Journal" hatte im vergangenen Jahr einen Bericht veröffentlicht, dem zufolge die Pharmaindustrie zusammen mit Medizinern dieses Krankheitsbild gezielt über mehrere Jahre geschaffen haben soll. Nach dem milliardenschweren Erfolg von Viagra bei Männern sollte dem Bericht zufolge dadurch auch für Frauen systematisch ein Markt für solche Mittel aufgebaut werden.

Weibliche Erregung hängt von vielen Faktoren ab

Der Leiter des Kinsey-Institutes der Universität Indiana, John Bancroft, kommentierte die Pfizer-Entscheidung im "British Medical Journal" (Vol. 328, S. 542): "Die negativen Ergebnisse von Viagra bei Frauen überraschen mich nicht." Das Krankheitsbild FSD sei basierend auf männlichen Erfahrungen ohne jeglichen Beleg auf Frauen übertragen worden. "Die Forschung des Kinsey-Institutes unterstreicht die Tatsache, dass für viele Frauen sexuelles Verlangen und Erregung davon abhängen, dass die Umstände stimmen, und es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, unter denen sie nicht stimmen", sagte Bancroft.

DPA
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