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Trauer um Robert Edwards: "Vater" der Retortenbabys ist tot

Er entwickelte maßgeblich das Verfahren zur künstlichen Befruchtung mit und erhielt dafür 2010 den Medizin-Nobelpreis. Jetzt ist der britische Forscher Robert Edwards im Alter von 87 Jahren gestorben.

Er ebnete den Weg für die künstliche Befruchtung und erhielt dafür den Nobelpreis. Jetzt ist der britische Forscher Robert Edwards gestorben. Wie sein langjähriger Arbeitgeber, die Universität von Cambridge, bekanntgab, erlag Edwards am Mittwoch im Alter von 87 Jahren den Folgen einer langen Krankheit.

Der Physiologe hatte gemeinsam mit dem britischen Gynäkologen Patrick Steptoe die In-vitro-Fertilisation entwickelt. Dabei werden einer Frau nach einer Hormonbehandlung reife Eizellen entnommen, im Labor mit Spermien befruchtet und der Frau wieder eingesetzt. Seine Forschung hatte dazu geführt, dass am 25. Juli 1978 mit Louise Joy Brown das erste "Retortenbaby" der Welt geboren wurde.

Seine ersten Ideen für die Befruchtung im Reagenzglas stammten aus den frühen 1950er Jahren, schrieb Edwards im Journal "Nature Medicine". Titel seiner Erinnerungen: "Der holperige Weg zur menschlichen In-Vitro-Befruchtung (IVF)". Zunächst forschte er an der Universität Edinburgh mit Mäuse-Embryonen. Die Muttertiere ließen sich mit Hormonen dazu bringen, viele Eizellen zu produzieren.

Hoffnung für Millionen Paare

1969 gelang Steptoe und ihm die erste Befruchtung einer Eizelle außerhalb des Körpers. "Ich werde niemals den Tag vergessen, als ich in das Mikroskop sah und etwas Komisches in der Kultur entdeckte", erinnerte sich Edwards im Jahr 2008. Seine Forschungen weckte allerdings auch Ängste vor fehlgebildeten Babys und Horrorvorstellungen von frankensteinartigen Experimenten.

Der britische Rat für Medizinforschung (MRC) lehnte denn auch 1971 einen Antrag der beiden Forscher auf langfristige Unterstützung ab - die Arbeit wurde mit privat eingeworbenem Geld fortgesetzt. Die Embryo-Transfers begannen 1972, es klappte nicht auf Anhieb. Einmal mehr hieß es, die richtigen Hormongaben zu finden.

Dann, im Juli 1978, der Durchbruch: Mit Louise Joy Brown kam das erste "Retortenbaby" zu Welt. "Es ist schwer in Worte zu fassen, was diese Geburt für mich und unser wundervolles Unterstützerteam bedeutete", so Edwards. Seitdem dürfen kinderlose Paaren weltweit darauf hoffen, doch noch Nachwuchs bekommen zu können.

Mehr als 30 Jahre später wurde Edwards 2010 der Nobelpreis für Medizin zugesprochen. Steptoe war bereits 1988 gestorben. Edwards Forschungen hätten die Behandlung der Unfruchtbarkeit möglich gemacht - ein Zustand, "der einen großen Teil der Menschheit trifft, mehr als zehn Prozent aller Paare weltweit", teilte das Nobel-Komitee zur Begründung mit.

Edwards' Arbeit habe "die Leben von Millionen Menschen weltweit" verbessert, erklärte der Chef der von Edwards und Steptoe gegründeten Fruchtbarkeitsklinik Bourn Hall in Cambridge, Mike Macnamee. Alle, die mit ihm gearbeitet hätten oder von ihm behandelt wurden, würden den Forscher in guter Erinnerung behalten.

lea/jwi/AFP/DPA / DPA