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"Unmoralische" Arbeit Vatikan kritisiert Nobelpreis-Vergabe an Edwards


Die Welt ehrt die Verdienste des neuen Medizin-Nobelpreisträgers Robert Edwards um die künstliche Befruchtung - nur einer nicht. Der Vatikan hat die Ehrung des Mediziniers scharf kritisiert. Der Papst hatte die Arbeit Edwards' schon 1987 als "unmoralisch" erklärt. Die Zerstörung von Embryonen sei Zerstörung von Leben.

Der Vatikan hat die Ehrung des Pioniers der künstlichen Befruchtung, Robert Edwards, mit dem Nobelpreis für Medizin kritisiert. Die am Montag angekündigte Verleihung des Preises an den Briten sei "überhaupt nicht in Ordnung", sagte der Leiter der päpstlichen Akademie für das Leben, Ignacio Carrasco de Paula, der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. "Ich halte die Wahl von Edwards für vollkommen deplatziert und die Gründe dafür sind zahlreich", betonte Carrasco de Paula.

Ohne den britischen Wissenschaftler gäbe es "keinen Markt, auf dem Millionen von Eizellen verkauft werden". Auch würde "nicht eine Vielzahl von Kühlschränken gefüllt mit Embryonen" existieren, kritisierte der Geistliche, der sich im Namen des Vatikan zu ethischen Angelegenheiten äußert.

Problem der Unfruchtbarkeit "übergangen"

Eizellen und Embryonen würden in den meisten Fällen aufgegeben und dann sterben, kritisierte Carrasco de Paula. Für dieses Problem sei Edwards verantwortlich. Außerdem sei die künstliche Befruchtung sehr teuer und keine wirkliche Lösung des Problems der Unfruchtbarkeit. Edwards habe das Problem "nicht gelöst, sondern übergangen." Das Nobel-Komitee in Stockholm hatte dagegen zuvor seine Entscheidung für den 85-jährigen Forscher mit den Worten begründet: "Seine Erfolge haben die Behandlung der Unfruchtbarkeit möglich gemacht."

Edwards war bereits in den 1950er-Jahren auf die Idee gekommen, Embryos im Reagenzglas zu entwickeln. Gemeinsam mit dem 1988 verstorbenen Gynäkologen Patrick Steptoe entwickelte er die In-Vitro-Fertilisation, die Befruchtung im Reagenzglas. Dabei werden einer Frau nach einer Hormonbehandlung reife Eizellen entnommen und auf einer Labor-Schale mit Spermien befruchtet. Anschließend werden die befruchteten Eizellen der Frau wieder eingepflanzt. 1969 gelang ihnen die erste Befruchtung einer Eizelle im Reagenzglas; am 25. Juli 1978 wurde das erste "Retortenbaby", Louise Joy Brown, geboren.

Schon 1987 für "unmoralisch" erklärt

Der Vatikan hatte die von Edwards entwickelte sogenannte In-Vitro-Fertilisation (IVF) bereits 1987 eindeutig verworfen. In einem Dokument von der damals von Kardinal Joseph Ratzinger - dem heutigen Papst Benedikt XVI. - geleiteten Glaubenskongregation wurde IVF für unmoralisch erklärt, weil sie die natürliche sexuelle Vereinigung von Mann und Frau ersetze. Zudem führe sie zu der Zerstörung von Embryonen. Das sei als Zerstörung des Lebens für die katholische Kirche nicht zulässig.

dho/DPA/AFP DPA

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