Zukunftsforschung "Die Roboter kommen"


Der Mensch im Jahre 2020 ist schlank, groß und gutaussehend. Und er bekommt Hilfe von Robotern. Das glauben zumindest zahlreiche Zukunftsforscher.

Seit jeher wollen die Menschen wissen, was die Zukunft bringt. In Zeiten von Reformen und allgemeiner Verunsicherung wird dieser Wunsch drängender. Geht es nach Zukunftsforschern, dann werden sich die Menschen nicht nur äußerlich verändern. Ihre Prognosen für das Jahr 2020: Die Deutschen werden flexibler, auch Ältere drücken noch einmal die Schul- oder Hochschulbank; um den gut ausgebildeten Nachwuchs entflammt ein internationaler Wettbewerb, in manchen Bereichen herrscht Arbeitskräftemangel. Wissen und Bildung sollen einen höheren Stellenwert haben. Angeblich gibt es viele künstliche Helfer. "Die Roboter kommen", lautet das Credo von Technikbegeisterten.

Gutes Aussehen immer wichtiger

"Die Menschen werden etwas schlanker sein, denn bis dahin haben wir gelernt, Übergewicht mental und chemisch zu kontrollieren", sagt Matthias Horx vom Zukunftsinstitut in Kelkheim (Hessen). "Die Menschen sind ein bisschen größer, denn in den meisten Schwellenländern findet heute der Prozess der "Verlängerung" statt." Und die Menschen wirkten schöner, weniger wegen Schönheitsoperationen, wie der Experte meint, sondern weil sie noch mehr Wert auf ihr Äußeres legten. Horx: "Männer und Frauen sind weitaus länger und häufiger auf dem Partnerschaftsmarkt, und schon deshalb müssen sie mehr für ihre Attraktivität tun."

Eines gilt als sicher: Die Menschen werden älter. Schon 2020 wird es deutlich weniger Jüngere und mehr Ältere geben, bald ist jeder dritte 60 oder darüber. Frank Schirrmacher sieht in seinem Bestseller "Das Methusalem-Komplott" einen Krieg der Generationen heraufziehen. Der Trendforscher Klaus Burmeister spricht vom Ende der Solidarität: "Wir glauben aber, dass es nicht nur Individualisierung gibt und jeder für sich allein steht. Es zeigt sich schon jetzt, dass es eine Sehnsucht gibt nach neuen Formen des Austauschs und der Gemeinschaft."

Oliver Perzborn vom Hamburger Trendbüro formuliert es so: "Je älter wir werden, desto jünger möchten wir uns fühlen. Nicht das reale Alter zählt, sondern das gefühlte. Statt Altenpflege werden wir es mit einer ganz neuen Dienstleistung zu tun haben: Der Pflege und Beschäftigung von Dauerjugendlichen."

Roboter als Freund und Helfer

Manche Fachleute glauben, dass Humanoide, menschenähnliche Roboter, einmal Alte pflegen und Einbrecher verjagen können. Dass dem Menschen überhaupt eine Vielzahl von Helfern zur Verfügung stehen werden - in Form einer dreidimensional in den Raum projizierten Lichtgestalt etwa. Oder eine Truppe von Cyberwesen geht dem Computernutzer zur Hand. Viele hoffen auf den "Robo sapiens" für Aufgaben im Haushalt.

Erstmals seit Jahrzehnten wächst eine junge Generation nach, die sich zunehmend durch Leistung definiert, heißt es in der repräsentativen Zukunftsstudie "Deutschland 2020" des B.A.T. Freizeit-Forschungsinstitutes. "Anpacken wird Kult", sagen die Experten von Z-punkt GmbH - Büro für Zukunftsgestaltung (Essen) vorher. Für die neue Generation bedeute Spaßgesellschaft, etwas konkret zu bewirken, in der Gruppe, in der Stadt, im Unternehmen, für das ganze Land - "Cool ist, wer im Land etwas bewegt, für sich und für andere."

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden fließender, meinen etliche Zukunftsforscher. "Wir werden sowohl einen Heimarbeitsplatz haben als auch einen "Campus", auf dem wir mit Kollegen zusammentreffen. Wir werden viel auch von unterwegs arbeiten", sagt Horx. Permanente Mobilität - schon geht das Schlagwort vom Job- Nomaden um.

Hans-Peter Klös, Leiter der Hauptabteilung Bildung und Arbeitsmarkt des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, vertraut allerdings auf bewährte Strukturen. "Ich sehe eine hohe Bindungskraft an den Arbeitsplatz, an das Unternehmen, an den Betrieb, auch eine hohe Identifikation. Deswegen gibt es aus meiner Sicht keinen sicheren Beleg, dass wir alle Job-Nomaden werden."

Im Urlaub Reise zum Mars?

Nicht alle Vorhersagen treffen ein. So ist etwa eine vor Jahrzehnten angekündigte Pille gegen Dummheit bis heute nicht entwickelt. Auch einstige Visionen von gläsernen Städte auf dem Mond oder einem Fahrstuhl zum All haben sich nicht bewahrheitet. Doch die Forschung schreitet voran. Schon steigen private US-Raumflugzeuge 100 Kilometer bis zum Rand des Orbits auf. Und vielleicht geht es in nicht allzu ferner Zukunft statt nach Westerland zum Urlaub ins Weltall.

Vorerst spielt sich das Leben jedoch auf der Erde ab. Dort sollen sich die Ballungsgebiete wieder entballen und dadurch grüner werden. Gleichzeitig werde das Land mehr und mehr von Städtern besiedelt. Architekten entwickeln bereits das Haus für eine mobile Zukunft. Ein Modell besteht aus Modulen, die nach individuellen Bedürfnissen - Single, Paar, Kinder, Patchwork - zusammengestellt werden und notfalls auch auf Reisen gehen können.

Jutta Lauterbach/DPA DPA

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