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Archäologie: Auf der Suche nach Hammaburg

Unter einem Toilettenhäuschen vermuten Archäologen die Keimzelle Hamburgs: die Hammaburg. Seit einigen Tagen graben die Wissenschaftler auf dem Domplatz nach dem historischen Ursprung der Hansestadt.

Seit Montag gräbt das Museum für Archäologie (Helms- Museum) im Zentrum der Hansestadt. Eineinhalb Jahre hat das Team Zeit, um Reste der Burg, die Hamburg den Namen gab, zu finden. Das Museum nutzt die von 2007 an geplante Neubebauung des Platzes, um das historisch bedeutende Gelände, das als Keimzelle Hamburgs gilt, zu erforschen. Die Ausgrabungen werden sich auf eine Fläche von 1350 Quadratmeter erstrecken. Mehr als 700.000 Euro wird die Suche kosten, finanziert von einer Investorengruppe.

Die Hammaburg war der "Apostel des Nordens"

"Das ist unsere letzte Chance, dieses Areal zu untersuchen", sagt Grabungsleiter Karsten Kablitz. Gesichert ist wenig über die Hammaburg. Die Forschung ist sich nicht einig, ob der Platz überhaupt der Standort der Hammaburg aus dem neunten Jahrhundert war. Grundlage des Wissens über die Hammaburg sind literarische Quellen: Sie überliefern den Bau im Jahr 817 und die Zerstörung durch die Wikinger 845, bei der die Burg abbrannte. Die Archäologen hoffen deshalb vor allem auf zwei Funde: "Verkohlte Hölzer und Asche wären ein Beleg dafür, dass wir an der richtigen Stelle sind", meint der Direktor des Helms-Museums Rainer-Maria Weiss.

Der Landesarchäologe geht davon aus, dass die Hammaburg nicht aus Stein, sondern aus Holz war und einen Durchmesser von etwa 100 Metern hatte. "Spannend ist die Frage, ob die Hammaburg schon Vorgängerbauten hatte", sagt Weiss. Die Hammaburg sei für den Norden von großer Bedeutung, da der "Apostel des Nordens" Ansgar von dort aus die Christianisierung vorangetrieben habe. "Es geht nicht nur um die Rekonstruktion der Vergangenheit, sondern auch darum, die kulturelle Identität der Hansestadt zu bewahren."

Nur eineinhalb Jahre Zeit für die Grabungen

Stück für Stück tasten sich die Archäologen voran und stoßen auf viele Schichten Hamburger Stadtgeschichte, die es zu untersuchen gilt. Ob Scherben, Knochen oder Mauerreste - alles wird digital vermessen. Anschließend werden die Grabungspläne am Computer erstellt. Große Hoffnungen setzen die Archäologen auf das Toilettenhäuschen aus den 20er Jahren. An dieser Stelle wurde noch nie zuvor gegraben. Das Team vermutet dort verfüllte Befestigungsgräben der Hammaburg.

Es ist bereits die dritte Grabung auf dem Domplatz. Archäologen suchten dort schon in den Jahren 1949 bis 1956 und 1980 bis 1987. Damals wurden unter anderem Teile des gotischen Domfundaments freigelegt. Die Zeit für das Archäologen-Team drängt, eineinhalb Jahre bleiben noch bis zum Baubeginn eines Gebäudekomplexes auf dem Domplatz. Neben Wohn- und Geschäftsräumen sollen darin die Zentral- Bibliothek Hamburg und ein Ausstellungsraum für Archäologie Platz finden. "Dort wollen wir unsere Funde präsentieren", sagt Weiss. Doch auch vorher können sich Besucher schon ein Bild von den Ausgrabungen machen: Von September an soll es regelmäßige öffentliche Führungen geben. Zudem ist eine Dokumentation in den Räumen der benachbarten Bischofsburg geplant.

Stephanie Lettgen, DPA