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Archäologie: Schon Ur-Venedig hatte einen Canal Grande

Mit Luftaufnahmen haben Wissenschaftler ein detailliertes Bild von Altinum, der Vorfahrenstadt Venedigs, gezeichnet. Deren Überreste liegen nördlich der Lagunen-Stadt im Boden verborgen. Die Bilder zeigen, dass es schon in dem Ur-Venedig eine der Hauptattraktionen gab: den Canal Grande.

Italienische Forscher haben die Struktur von Venedigs Vorfahrenstadt Altinum enthüllt. Mit Luftaufnahmen konnten sie ein detailliertes Bild der Stadt zeichnen - mit ihrem Straßennetz, Kanälen, Theatern und Stadtmauern, deren Überbleibsel heute allesamt im Boden nördlich der Lagune verborgen liegen. Altinum war bis zum fünften Jahrhundert eine wichtige Handelsstadt an der Adria. Für die Geschichte von Venedig spielt Altinum eine große Rolle, weil dessen Einwohner die Laguneninseln erst besiedelten, nachdem sie vor dem Hunnenkönig Attila geflüchtet waren. Im Fachmagazin "Science" berichten die Forscher um Andrea Ninfo von der Universität in Padua über ihre Ergebnisse.

Auf der heutigen Landkarte befindet sich die Stadt Altinum sieben Kilometer nördlich von Venedig, in der Nähe des Marco-Polo-Flughafens. Es ist die einzige große römische Stadt Norditaliens und eine der wenigen in ganz Europa, die nicht unter mittelalterlichen oder modernen Städten begraben wurden. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels versanken die Mauern der Stadt in der Lagune und sind heute von Feldern bedeckt. Daher waren Struktur und Aufbau von Altinum bislang unbekannt.

Topografie der Stadt rekonstruiert

Das Team um Ninfo hat nun die Topografie der Stadt mit Luftaufnahmen detailliert rekonstruiert. Die Forscher machten dazu Bilder sowohl im sichtbaren Spektralbereich des Lichts als auch im unsichtbaren, sogenannten nahen Infrarotbereich. Das nahe Infrarot dient in der Fernerkundung unter anderem der Untersuchung der Vegetation, da grüne Pflanzen bei diesen Wellenlängen deutlich stärker zurückstrahlen als im sichtbaren Lichtbereich. Feste Objekte wie Steine oder Gebäude hingegen strahlen sowohl im sichtbaren als auch im nahen Infrarotbereich gleich stark. Durch Übereinanderlegen der Bilder können die Forscher Gebäude und Vegetation voneinander unterscheiden.

Die Wissenschaftler machten die Aufnahmen im Sommer des Jahres 2007 während einer starken Trockenperiode. Nur dadurch konnten sie Objekte wie Steine unter dem Boden sichtbar machen. Der Vorgänger von Venedig war umgeben von Flüssen und Kanälen, darunter ein großer Kanal, der mitten durch die Stadt führte und sie mit der Lagune verband, berichten die Forscher. Ein urzeitlicher Canal Grande also. Eine digitale Rekonstruktion des Geländes zeigte, dass die Stadt zwei bis drei Meter über dem damaligen Meeresspiegel lag. Die Städtestruktur von Altinum war komplex und den besonderen Verhältnissen der sumpfigen Umgebung perfekt angepasst. Die Römer scheinen die harsche und sumpfige Lagunenlandschaft also schon zu nutzen gewusst haben, lange bevor sie in der Mitte der Lagune Venedig aufbauten.

DDP / DDP
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