Astronomie Neue NASA-Augen im All


Die US-Weltraumbehörde NASA hat ein neues Infrarot-Teleskop ins Weltall geschickt. Es soll Objekte aufspüren, die durch Staubwolken verborgen oder zu kalt für andere Teleskope sind.

Die US-Weltraumbehörde Nasa hat am Montag ein neues Infrarot-Teleskop ins Weltall geschickt. Es soll Objekte aufspüren, die durch Staubwolken verborgen oder zu kalt sind, und deshalb nicht von anderen Teleskopen ausgemacht werden können.

700 Millionen Dollar teuer

Der rund 700 Millionen Dollar teure Satellit mit dem vorerst "Space Infra Red Telescope Facility" (SIRTF) genannten Teleskop wurde von Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus von einer Boeing Delta II-Rakete ins Weltall befördert. "Die Erwartung ist, unsere Kenntnis des Universums zu revolutionieren, indem wir uns ein ganz neues niedriges Längen-Spektrum ansehen", sagte Projektleiter Dave Gallagher.

Chandra, Hubble und SIRTF ergänzen sich

Das Teleskop soll in die kalten und von Staub verdeckten Tiefen des Universums sehen. Kombiniert mit dem Hubble-Teleskop, das die sichtbaren Lichtspektren beobachtet, und dem Chandra Röntgen-Observatorium erhalten die Astronomen mit SIRTF einen umfassenden Blick auf Materie und Energie bis fast an den Rand des bekannten Universums. Nach Angaben der Wissenschaftlerin Anne Kinney sieht Chandra Objekte, die Millionen Grad Celsius haben, Hubble jene, die Tausende Grad messen und SIRTF die mit Hunderten Grad. "Auf diese Weise bekommen wir die ganze Bandbreite der Informationen, die da draußen sind", sagte Kinney.

Instrumente sind Helium-gekühlt

Mit SIRTF betrachtet wird das Universum kein genau bestimmbares Feld einzelner Lichter sein. Vielmehr wird es sich als wirbelnder Strudel von Energie-Quellen darstellen. Die Instrumente des Teleskops, das bei voller Funktionstüchtigkeit in etwa 60 Tagen einen neuen Namen erhalten soll, werden von flüssigem Helium gekühlt, damit es auch schwache Wärmequellen aufspüren kann. Der Helium-Tank reicht nach Angaben der Nasa für fünf Jahre.

Infrarot-Astronomie

Braune Zwerge, extrem ferne Galaxien und staubverschleierte Regionen der Milchstraße sind die Domäne der Infrarot-Astronomie. Infrarot-Teleskope sammeln für die Augen unsichtbare Strahlung jenseits des roten Lichts, ähnlich wie Nachtsichtgeräte Wärmebilder erzeugen. Im infraroten Bereich des Spektrums, zwischen sichtbarem Licht und den Radiowellen, werden viele kosmische Details erst sichtbar.

Infrarot-Strahlung dringt durch kosmische Staubwolken

So dringt infrarote Strahlung durch kosmische Staubwolken, die im sichtbaren Licht den Blick etwa auf Planeten-Entstehungszonen um andere Sternen trüben. Auch verhinderte Sterne, so genannte Braune Zwerge, deren Temperatur nicht ausreichend zur Zündung des Sonnenfeuers ist, verraten sich durch ihre Wärmestrahlung. Sie könnten einen wesentlichen Teil der gesuchten Dunklen Materie im All ausmachen. Zudem wird das Licht ferner Galaxien durch die allgegenwärtige Ausdehnung des Universums ins Infrarote verschoben.

Erdatmosphäre verhinderz Infrarot-Atsronomie

Von der Erde ist Infrarot-Astronomie nur sehr eingeschränkt möglich. Die Erdatmosphäre, vor allem das darin enthaltene Wasser, schluckt die Wärmestrahlung fast komplett. Nur in schmalen Bereichen der Wellenlänge, so genannten komischen Fenstern, ist unsere Lufthülle infrarot-durchsichtig. Daher findet die Infrarot-Astronomie auf hohen Bergen oder an Bord von Flugzeugen und hoch fliegenden Ballonen statt. Der ungetrübte Blick ergibt sich aber erst vom Weltraum aus. Verschiedene Satelliten haben bereits seit den 80er Jahren Teile des Infrarot-Kosmos erkundet


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