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Französische Forscher beweisen: Affen können lesen - ein bisschen

Können Affen lesen? Zumindest ein wenig, wie französische Forscher in einem spektakulären Experiment mit Pavianen bewiesen haben. Der schlaueste Affe lernte mehr als 300 Wörter.

Was ist richtig geschrieben: Bank oder Jank? Für Menschen ist diese Aufgabe kein Problem. Doch wie kommen Affen mit unserer Sprache zurecht? Forscher der Universität Aix-en-Provence in Südfrankreich und des staatlichen französischen Forschungsinstituts CNRS haben untersucht, ob Paviane einzelne Wörter unterscheiden können. Das Fazit: Sie können mit genügend Übung richtige von falsch geschriebenen Wörtern unterscheiden, auch wenn sie die Sprache nicht beherrschen.

Für das Experiment präsentierten die Forscher einer Gruppe von sechs Pavianen aus dem westafrikanischen Staat Guinea eineinhalb Monate lang 8000 englische Wörter mit vier Buchstaben. Als Klassenbester erwies sich der dreijährige "Dan", der am Ende des Experiments 308 richtig geschriebene Worte erkennen konnte.

Belohnung für richtige Wörter

Der Unterricht fand in einem rund 700 Quadratmeter großen Gehege in der Nähe von Aix-en-Provence statt. Wie die linkextern adr="http://www.sciencemag.org/">US-Wissenschaftszeitung "Science" berichtet, hatten die zur Familie der Meerkatzen gehörenden Paviane ständigen Zugang zu kleinen Hütten, in denen sich ein Bildschirm zum Berühren befand.

Auf dem Display erschienen in schneller Reihenfolge die englischen Wörter. Wenn das Wort richtig geschrieben war, mussten die Affen auf eine ovale Form drücken, war es falsch buchstabiert, auf ein Kreuz. Für jede richtige Antwort erhielten sie zur Belohnung ein Getreidekorn, das automatisch aus einem Automaten fiel.

Die sechs Affen absolvierten zwischen 43.000 und 56.000 Tests. In einer ersten Phase tauchten mehr richtig geschriebene Wörter auf, als solche mit Rechtschreibfehlern. "Innerhalb weniger Tage hatten die Affen gelernt, die Worte zu unterscheiden - obwohl deren Rechtschreibung sehr ähnlich war", berichteten Jonathan Grainger und Joël Fagot, zwei der Forscher aus dem Team. Dies bedeute, dass sich die Tiere nicht die globale Form der Worte gemerkt hätten, sondern die richtige Aufeinanderfolge der Buchstaben. Sie seien also fähig, die exakte Buchstabenfolge von Anomalien zu unterscheiden.

Menschen lernen vermutlich ähnlich Lesen

Die Forscher maßen für das Experiment auch die "orthographische Distanz" zwischen richtig und falsch geschriebenen Worten - also die Anzahl der Buchstaben, die ausgetauscht werden müssen, um etwa von BANK zu JANK oder von BANK zu ZNAK zu gelangen. Dabei stellten sie fest, dass die Affen Worte dann besonders leicht als falsch identifizierten, wenn mehrere Buchstaben ersetzt wurden.

Die Wissenschaftler ziehen aus dem Experiment den Schluss, dass die Paviane die Struktur eines Wortes erkannt haben. Und dass beim Lesen die visuelle Aufgliederung eines Wortes mindestens ebenso wichtig ist, wie das Erkennen der einzelnen Silben, das die Fähigkeit zum Sprechen voraussetzt. Das Experiment mit den Pavianen lässt nach Überzeugung der Forscher den Rückschluss zu, dass auch der Mensch beim Lesen zumindest teilweise die Fähigkeit verwendet, sich die richtige Aufeinanderfolge von Buchstaben visuell einzuprägen.

cf/AFP / AFP
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