Great-Barrier-Riff Korallen wachsen deutlich langsamer


Viele Korallen des Great-Barrier-Riffs vor Australien wachsen derzeit so langsam wie nie zuvor in den vergangenen 400 Jahren. Wissenschaftler sehen die mit dem Klimawandel einhergehende Versauerung der Ozeane als Ursache für diese "ernste" und "plötzliche" Veränderung.

Australische Forscher untersuchten 328 Kolonien von Steinkorallen an 69 Stellen des mehr als 2000 Kilometer langen Great-Barrier-Riffs entlang der Ostküste Australiens. Es ist das größte der Welt. Die Organismen gedeihen über Jahrhunderte. Sie lagern dabei Kalk an und bilden Jahresringe, an denen sich ihr Wachstum ablesen lässt. Korallen sind damit ein natürliches Archiv der Umweltbedingungen - ähnlich wie Bäume.

Von 1990 bis 2005 haben die untersuchten Korallen 14,2 Prozent weniger Kalk angelagert als zuvor. Ein derart langsames Wachstum habe es seit 400 Jahren nicht gegeben, schreiben Glenn De'ath vom australischen Institut für Meereswissenschaften in Queensland und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Science". Sie führen die Resultate auf das vom Menschen freigesetzte Treibhausgas Kohlendioxid zurück. Dieses wird zum großen Teil von den Meeren aus der Atmosphäre aufgenommen. Die damit einhergehenden chemischen Reaktionen lassen die Ozeane saurer werden.

Daraufhin haben die Kalkbildner unter den Meerestieren - etwa Muscheln oder Korallen - Schwierigkeiten, sich genügend Baumaterial aus dem Wasser zu holen. Diesen Zusammenhang hatten sowohl Vorhersagen als auch Untersuchungen in der Vergangenheit bereits mehrfach gezeigt. Wenn die beobachteten Effekte auch für andere Organismen des Great-Barrier-Riffes und weitere Korallenriffe weltweit gelten, laufen diese Lebensräume Gefahr, förmlich ihr Fundament zu verlieren.

Dies hätte dramatische Folgen: Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Lebensräumen. Sie sind unter anderem Kinderstube und Rückzugsgebiet vieler Organismen und damit von zentraler Bedeutung für das Leben im Meer. Bereits jetzt sind fast alle Riffe durch zahlreiche Eingriffe des Menschen geschädigt.

DPA DPA

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