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Ig-Nobelpreise: Das Geheimnis des Spaghetti-Bruchs

Warum bekommen Spechte keine Kopfschmerzen? Mögen Malaria-Mücken Limburger Käse? Fragen, für deren Beantwortung man zwar nicht den noblen, aber sehr wohl den "ignoblen" Nobelpreis bekommen kann.

Mathematik muss sich nicht immer mit abstrakten Formeln beschäftigen, sie kann auch den Alltag erleichtern: So haben australische Wissenschaftler berechnet, wie viele Fotos man von einer Menschengruppe machen muss, damit auf mindestens einem Bild niemand blinzelt. Ergebnis: Die Zahl der Abgebildeten geteilt durch drei. Für diese Leistung, die vielleicht einmal eine Anwendung in neuen Programmen von Digitalkameras finden könnte, haben Nic Svenson und Piers Barnes vom CSIRO-Forschungszentrum in Canberra im US-amerikanischen Cambridge den diesjährigen Ig-Nobelpreis für Mathematik erhalten.

Bereits seit 16 Jahren werden die Ig-Nobelpreise verliehen. Mit den "Nobelpreisen der anderen Art" prämieren die Juroren der Zeitschrift "Annals of Improbable Research" Forschungen und Entwicklungen, die "erst zum Lachen, dann zum Denken anregen". Das englische Wort "ignoble", an das sich der Name der Auszeichnungen anlehnt, bedeutet zwar in etwa "unwürdig" oder "schmachvoll", dennoch ist diese Auszeichnung keineswegs eine Schande.

Rektale Hilfe gegen Schluckauf

Wie immer wurden die Preise auch diesmal wieder von einer Reihe "offizieller" Nobelpreisträger im historischen Sanders-Theater der Harvard-Universität überreicht. Die Veranstaltung ist längst zu einem nicht ganz ernst zu nehmenden Highlight im Kalender der internationalen Forschergemeinde geworden.

Der Medizinpreis ging in diesem Jahr an Francis Fesmire vom Tennessee College of Medicine in Memphis (USA) für seine Methode, hartnäckigen Schluckauf durch eine Rektal-Massage mit dem Finger zu kurieren. Diese Arbeit erschien bereits im Jahre 1988 in einer Zeitschrift für Notfallmedizin.

Erst seit kurzem bekannt ist dagegen die Antwort auf eine Frage, die vor allem Hausfrauen und -männer quälte: Warum brechen rohe Spaghetti nicht einfach in der Mitte, sondern oft in mehrere Stücke? Die Antwort liegt in der Ausbreitung der internen Risse in den Teigwaren, fanden die Physiker Basile Audoly und Sebastien Neukirch von der Universität Paris heraus, die dafür den Ig-Nobelpreis für Physik bekamen.

Mistkäfer und Spechte, untersucht für die Wissenschaft

Die Preis-Kategorien der Ig-Nobelpreise folgen nicht immer dem skandinavischen Vorbild. So erhielt in diesem Jahr Wsmia Al-Houty und seine Mitarbeiter von der Universität Kuwait den Preis für Ernährungsforschung für die Erkenntnis, dass Mistkäfer pingelige Esser sind. Ein Ornithologie-Preis ging an Ivan Schwab und Philip May von der Universität von Kalifornien in Davis und Los Angeles für die Erklärung, warum Spechte keine Kopfschmerzen bekommen. Die Lösung liegt in einer ausgefeilten Schockdämpfung, verbunden mit einem Reflex, der die Augen vor herumfliegenden Splittern schützt.

Der Preis für allgemeine Biologie zeigt dagegen wieder den lobenswerten Bezug vieler Forscher zu Praxis und Alltag. Eine internationale Forschergruppe unter der Leitung von Bart Knols von der Universität Wageningen (Niederlande) fand heraus, dass die weibliche Malariamücke sich ebenso sehr vom Geruch eines gut gereiften Limburger Käses anlocken lässt wie von dem stinkender Füße.

Friedenspreis für Teenagerschreck

Eine ganze Reihe von Preisen ging in diesem Jahr an Forscher, die sich mit akustischen Phänomenen beschäftigten - etwa an eine amerikanische Forschergruppe unter der Leitung von Lynn Halpern für ihre Experimente dazu, warum viele Menschen das Kratzen von Fingernägeln auf einer Tafel als so unangenehm empfinden. In der Sparte Chemie bedachte die Jury spanische Forscher für die Erkenntnis, dass die Geschwindigkeit von Ultraschall in Cheddar-Käse von der Temperatur abhängt.

Und auch der Friedenspreis, den die Ig-Nobel-Juroren jedes Jahr vergeben, fällt dieses Jahr in das Gebiet der Akustik: Der Waliser Erfinder Howard Stapleton wurde für die Entwicklung eines Geräts geehrt, dass mit lautem Ultraschall lästige Teenager abwehren soll. Es sendet nervtötende hohe Töne aus, die - dank ihres noch besseren Gehörs - nur Teenager hören können sollen, nicht aber Erwachsene. Stapletons Versuche hatten gezeigt, dass Teenager Geschäfte meiden, vor denen ein solcher "Moskito"-Lautsprecher hängt.

Harald Michaelis/DPA / DPA