HOME

Kältestarre: Jeden Tag ein Winterschläfchen

Die australische Beutelmaus ist ein extremer Tiefschläfer, zumindest bei winterlichen Temperaturen. Doch die tägliche, kleine Dosis Winterschlaf, die sich die Tiere genehmigen, hat einen guten Grund: Nachts wird Energie gespart und tagsüber kann gefuttert werden.

Über zwei Monate des australischen Winters beobachteten deutsche Forscher die Lebensweise australischer Beutelmäuse. Überrascht stellten sie fest, dass die kleinen Säugetiere fast täglich in den unter Forschern Topor genannten Zustand der Kältestarre fielen. Ihre Körpertemperatur sackte dann im Schlaf unter 30 Grad Celsius ab. Im aktiven Zustand liegt sie bei 37 Grad. Für durchschnittlich elf Stunden pro Tag fallen die kleinen Beuteltiere in diesen Mini-Winterschlaf, in dem sie nicht nur ihre Körpertemperatur, sondern auch ihren Stoffwechsel herunterregeln. Die Tiere senken dadurch ihren Energieverbrauch um bis zu 90 Prozent. Dies berichteten deutsche Zoologen um Fritz Geiser und Gerhard Körtner von der Universität von New England im australischen Armidale jetzt im Onlinedienst des Fachmagazins "Nature".

Mit ihrem Verhalten kommen die Tiere an die Energieeffizienz eines Winterschlafes heran, obgleich sie jeden Tag aufwachen und nach Nahrung suchen. Bislang gingen Wissenschaftler auf Basis von Laboruntersuchungen davon aus, dass die Beutelmäuse nur gelegentlich in Kältestarre verfallen.

Für ihre Untersuchungen fingen die Forscher zunächst im Astrebla-Downs-Nationalpark im australischen Bundesstaat Queensland sechs männliche und zwei weibliche Schmalfuß-Beutelmäuse. Die mausähnlichen Tiere sind rund zehn Zentimeter lang, haben einen noch einmal zehn Zentimeter langen Schwanz und einen charakteristischen schwarzen Strich, der zwischen den Ohren zur Nase reicht. Den rund 20 Gramm schweren Tieren implantierten die Forscher knapp zwei Gramm schwere Temperatursensoren unter die Bauchdecke.

Sie machten bei ihren Untersuchungen die unerwartete Entdeckung, dass bei winterlichen Außentemperaturen um den Gefrierpunkt bis plus 15 Grad Celsius die Mäuse in der Nacht in den Standby-Modus schalten. Denn die Nager müssen unter den harschen Bedingungen des australischen Outbacks überleben. Tagsüber lagen die Temperaturen dann bei bis zu 36 Grad. Nur eine Beutelmaus fiel in einer einzigen Nacht nicht in den Topor. Nach dem Schlaf baden die Tiere lange in der Sonne, um sich wieder aufzuwärmen. Laborversuche ergaben bisher ganz andere, offenbar falsche Erkenntnisse zur Lebensweise der Beutelmäuse.

Die Forscher vermuten in diesem Energiesparmodus eine spezielle Anpassungsleistung an die Umgebungsbedingungen des steinigen und trockenen Astrebla-Downs-Nationalparks. Die Forscher betonen daher, wie wichtig es sei, Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu untersuchen.

DDP / DDP