VG-Wort Pixel

Die Sache mit dem "Kikeriki!" Welcher Hahn bestimmt eigentlich, wann aufgestanden wird?

Zeit um aufzustehen: Der ranghöchste Hahn darf als Erster das morgendliche "Kikeriki!" in die Luft schmettern.
Zeit um aufzustehen: Der ranghöchste Hahn darf als Erster das morgendliche "Kikeriki!" in die Luft schmettern.
© www.colourbox.de
Ihr Schrei kündigt den Beginn des neuen Tages an - und ist ein ausgesprochen effizienter Weckruf. Doch wer legt fest, wann es mit dem Krähen losgeht? Die aufgehende Sonne ist es jedenfalls nicht.

Früh am Morgen, meist schon vor Beginn der Dämmerung geht es los: Wenn Hähne ihr morgendliches Kräh-Konzert anstimmen, ist es für Menschen in ländlichen Regionen an der Zeit aufzustehen - an Schlaf ist dann ohnehin nicht mehr zu denken. Japanische Forscher widmeten sich nun der Frage, welche Faktoren festlegen, wann es mit dem Krähen losgeht.

Das Ergebnis: Ein einziger Hahn bestimmt über den Zeitpunkt des ersten "Kikerikis!" - nämlich der Chef-Gockel. In der Morgendämmerung krähe stets der Hahn zuerst, der in der Hackordnung am höchsten steht, schreiben die Wissenschaftler um Tsuyoshi Shimmura im Fachmagazin "Scientific Reports". Erst nach einigen Sekunden stimmen dann auch die Artgenossen in den Chor mit ein - allerdings krähen sie weniger häufig als der Anführer.

Die Zoologen bildeten drei Gruppen mit je vier Hähnen aus einer Zuchtlinie. Sie beobachteten die aggressiven Begegnungen der Hähne untereinander und erstellten daraus eine soziale Rangordnung. Außerdem maßen sie über implantierte Sensoren die Körpertemperatur der Tiere. Anhand der Daten bestimmten sie die biologische Uhr jedes einzelnen Tieres. Zwei Wochen lang verbrachten die Hähne je zwölf Stunden bei hellem und stark gedämpftem Licht, anschließend zwei Wochen lang rund um die Uhr nur bei Minimalbeleuchtung.

Strikt festgelegte Reihenfolge

In allen drei Gruppen krähte der ranghöchste Hahn morgens als erster und am häufigsten. Die anderen Hähne krähten mit abnehmendem sozialem Rang weniger oft. Wurde der Chef aus der Gruppe entfernt, stieg der zweithöchste Hahn auf und krähte fortan als erster und so häufig wie sein Vorgänger. Dabei hing der Kräh-Start nicht direkt davon ab, wann das Licht eingeschaltet wurde. Bei ununterbrochen stark gedämpftem Licht verschob sich das erste Kikeriki entsprechend der inneren Uhr des ranghöchsten Hahns. Sie hat selten exakt 24 Stunden und schwankte in dem Experiment der Japaner zwischen 23,2 und 24,5 Stunden.

Vor zwei Jahren wiesen Shimmura und seine Kollegen bereits nach, dass die innere Uhr der Tiere den Zeitpunkt des Krähens bestimmt. Licht oder andere äußere Reize seien für das Auslösen des morgendlichen Rufes nicht nötig. Dass Menschen dennoch mit dem Schrei der Tiere aufstehen, hat bereits eine lange Tradition: "Schon in der Indus-Kultur (2600 bis 1800 vor Christus) hat das Krähen eines Hahns die Menschen über die Ankunft des Morgens unterrichtet. Dieser Laut symbolisiert den Anbruch der Morgendämmerung in vielen Kulturen", schreiben die Forscher.

ikr/DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker