Klimaforschung Das große Sterben


Vor mehr als 55 Millionen Jahren hat ein Hitzeschock in der Arktis ein Massensterben von Meeresbewohnern ausgelöst.

Nur wenige robuste Lebewesen überstanden den raschen Klimawechsel in der Arktis vor 55 Millionen Jahren. Danach schwammen subtropische Meeresalgen im rund 20 Grad Celsius warmen Nordmeer. Diese ersten Ergebnisse der internationalen Nordpolexpedition ACEX (Arctic Coring Expedition/Arktische Bohrexpedition) präsentierte das "Forschungszentrum Ozeanränder an der Universität Bremen" am Montag.

Wechselhafteres Klima, als bislang vermutet

Bis in eine Tiefe von 410 Metern unter dem Meeresgrund hatten Forscher aus acht Ländern Ablagerungen untersucht. Dabei bohrte das Team in das rund 80 Millionen Jahre alte Gestein des so genannten Lomonossow-Rückens. In diesem unterseeischen Gebirgsrücken fanden die Wissenschaftler Überreste winziger Meeresalgen - unter ihnen subtropische Arten - und weitere Lebewesen.

"Vor 55 Millionen Jahren, an der erdgeschichtlichen Grenze von Paläozän und Eozän, herrschten auf der Erde extreme Treibhausbedingungen - auch in der Arktis, wie wir jetzt wissen", sagte Expeditionsleiter Jan Backmann von der Universität Stockholm. "Auf der Basis unserer vorläufigen Befunde müssen wir die frühe Geschichte des Arktischen Beckens ganz neu bewerten. Offensichtlich war das Klima damals wechselhafter als wir bislang angenommen haben."

Reiches Ökosystem verschwand

Michael Kaminski vom University College in London ergänzte: "Die mehr als 55 Millionen Jahre alten Ablagerungen aus der Epoche des Paläozäns deuten auf ein reiches Ökosystem am Meeresboden hin. Kurz darauf, im Eozän, sind viele Arten verschwunden." Zur vollständigen Entschlüsselung des arktischen Klimapuzzles sind weitere Untersuchungen der Bohrkerne nötig.

Die knapp 10 Millionen Euro teure arktische Expedition mit drei Eisbrechern ist Teil des Ozeanbohr-Programms IODP an dem die USA, Japan und 14 europäische Staaten beteiligt sind.

DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker