Klimawandel Pole beeinflussen Tropen


Die Klimaveränderung an den Polen wirkt sich Kieler Forschern zufolge rasch und direkt auf die Witterung in den afrikanischen Tropen aus. Wird's im Norden wärmer, wird's in den Tropen feuchter. Und das kann auch sehr schnell gehen.

Ihre Ergebnisse präsentierten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science" (Bd. 316, S. 1303). Umgekehrt trockne beispielsweise Afrika rapide aus, wenn die Temperatur am Nordpol stark abfalle. Das habe die Rekonstruktion des Wasserkreislaufs beim westafrikanischen Monsun der vergangenen 155 000 Jahre ergeben.

Bohrkerne aus Afrika mit Eisbohrkernen aus Grönland verglichen

"Bisher nahm man an, dass die Niederschläge in Westafrika hauptsächlich von der Sonneneinstrahlung über dem Kontinent bestimmt werden", sagte Syee Weldeab, Geologe am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) an der Universität Kiel. "Das ist zwar korrekt, wir aber liefern jetzt erstmals und eindeutig den Nachweis, dass die Monsun-Niederschläge ganz sensibel auch auf die kurzfristigen Entwicklungen der Eisschilde in den Polargebieten reagieren." Das sei insbesondere in den Warmzeiten - vergleichbar der heutigen klimatischen Situation - der Fall.

Die Geologen stützten ihre Forschung auf die Untersuchung von Sedimenten aus dem Meeresboden. Sie analysierten die Fossilien eines 37 Meter langen Bohrkerns aus dem Golf von Guinea, um daraus die jeweilige Wassertemperatur und den Wasserzufluss in den vergangenen 155 000 Jahren abzuleiten. Dieser Zeitraum umfasste zwei Eiszeiten, jeweils gefolgt von einer warmen Periode. Aus Kalkschalen konnten die Forscher anhand der enthaltenen Minerale beispielsweise ablesen, wie viel Süßwasser jeweils aus den Flüssen in den Golf gelangte - und damit auf die Regenmenge rückschließen. Die Ergebnisse verglichen sie anschließend mit denen aus Eisbohrkernen aus Nordgrönland gewonnenen.

Niederschlagsumschwünge innerhalb von 50 Jahren

Auf diese Weise wiesen die Wissenschaftler nach, dass innerhalb von 40 bis 50 Jahren extreme Niederschlagsumschwünge in Westafrika stattfanden, die jeweils den Klimaänderungen im polaren Eis folgten. Während einer Eiszeit in höheren Breiten fallen die Monsun-Regen demnach deutlich schwächer aus. Bei Wärmeperioden im hohen Norden sind sie dagegen stärker, schreiben die Forscher. Der westafrikanische Monsun ist eines der energiereichsten dieser Systeme und beeinflusst ein riesiges Gebiet des Kontinents.

Eine höhere zeitliche Auflösung könne eventuell noch schnellere Klimaumschwünge nachweisen, sagte Weldeab, der seine Arbeit bei einem Forschungsaufenthalt an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara (USA) erstellte. Nach Ansicht des stellvertretenden Sprechers des Kieler Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft", Ralph Schneider, können solche schnellen Wechsel massive Auswirkungen auf die Umwelt haben: "Wenn sich das Klima so abrupt von sehr feucht zu sehr trocken oder umgekehrt wandelt, gibt es für die Ökosysteme kaum Zeit, sich anzupassen."

Als Monsun wird eine großräumige Luftzirkulation den Tropen und Subtropen bezeichnet. Hauptmerkmal eines solchen Systems sind die Monsunwinde, die zwei Mal jährlich ihre Richtung wechseln. Ein Monsun sorgt im Sommer für ein feuchtes Klima in der jeweiligen Region. Typisch sind ausgeprägte Monsunregen, die dichte Wälder gedeihen lassen. (Fachartikel-Identifikationsnummer: Doi 10.1126/science.1140461)


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