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Körpereigene Chemiewaffe: Wespen wehren sich mit "Pfefferspray"

Wenn Wespenweibchen kämpfen, geht es alles andere als zimperlich zu. Im Kampf unterlegene Tiere schrecken auch vor schmutzigen Tricks nicht zurück: Mit einer Art Pfefferspray versuchen sie, die Gegnerin außer Gefecht zu setzen.

Plattwespenweibchen sind keine guten Verlierer: Kommen sie in einem Kampf mit einem anderen Weibchen in arge Bedrängnis, machen sie die Gegnerin mit einer Art Pfefferspray kampfunfähig. Das haben britische Forscher gezeigt, indem sie mehr als 40 Wespenpaare aufeinander hetzten und dabei beobachteten, welche Chemikalien die Insekten während des Kampfes freisetzten. Demnach wird das Wespenpfefferspray ausschließlich von der Verliererin und nur am Ende eines sehr aggressiven Kampfes eingesetzt, berichtet das Team um Ian Hardy von der Universität von Nottingham in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B".

Streit um die gelähmte Larve

Auf dem Prüfstand standen die chemischen Waffen von Wespen der Art Goniozus legneri. Diese Insekten gehören zu den Plattwespen und haben eine ganz besondere Strategie, um ihren Nachwuchs optimal zu versorgen: Sie suchen sich Larven anderer Insekten, lähmen diese mit einer Giftinjektion und legen anschließend ihre Eier darauf ab. Schlüpft dann der Wespennachwuchs, kann er sich gleich von der Larve ernähren.

In ihrem Test untersuchten die Biologen um Hardy nun, was passiert, wenn ein Streit zwischen zwei Wespenweibchen um eine Larve entbrennt, die von der einen Kontrahentin gelähmt wurde. Dazu setzten sie 47 Wespen jeweils zusammen mit einer Larve in durchsichtige Behälter und gaben 24 Stunden später die Konkurrentin hinzu.

Beißen, Stechen, Bedrängen - mit vollem Körpereinsatz

Beim Kämpfen waren die Insekten alles andere als zimperlich, zeigten Videoaufnahmen der Behälter: Sie bissen sich, stachen mit ihren Stacheln zu, jagten sich herum und bedrängten sich unter vollem Körpereinsatz. Bei besonders aggressiven Kämpfen setzte die unterliegende Wespe zusätzlich ein bestimmtes Gas, ein so genanntes Spiroacetal frei, entdeckten die Wissenschaftler bei einer genauen, zeitaufgelösten Analyse der Luft in den Behältern. Dieser Sprühstoß reduzierte die Aggressivität der Gegnerin sofort deutlich, berichten die Forscher.

Möglicherweise vermittelt er der Kontrahentin ein Unterwerfungssignal, wahrscheinlicher sei jedoch, dass er wie eine Ladung Pfefferspray wirkt und die Gegnerin zumindest teilweise kampfunfähig macht. Eine Wunderwaffe ist er jedoch nicht: In den meisten Fällen unterlag am Ende doch die Wespe, die den Sprühstoß abgegeben hatte.

Wespen als biologische Schädlingsbekämpfer?

Die Entdeckung sei interessant, weil sie ein neues Licht auf das Verhalten der Tiere werfe, so die Forscher. Gleichzeitig hegen sie auch die Hoffnung, die Wespen in Zukunft einmal für die biologische Schädlingsbekämpfung nutzen zu können. "Plattwespen töten die Larven von vielen Insekten, die Kulturpflanzen schädigen und dadurch großen wirtschaftlichen Schaden anrichten", erklärt Hardy. Um die Tiere jedoch erfolgreich einzusetzen, müsse ihr Verhalten und auch ihre Abwehrstrategien anderen Insekten gegenüber genau bekannt sein, sagen die Forscher.

DDP / DDP
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