HOME

Meeresforschung: Auf dem Hai-way unterwegs

Wenn Haie nach Beute suchen, streunen sie keineswegs planlos durchs Meer. Forscher haben herausgefunden, dass sie auf "Schnellstraßen" schwimmen und feste Treffpunkte haben. Diese Erkenntnis kann dabei helfen, Haie künftig besser zu schützen. Denn die als Killer verrufenen Tiere sind selbst in Gefahr.

Sie lieferten den Stoff für zahlreiche Horrorfilme, schon der Anblick ihrer Schwanzflosse über der Wasseroberfläche ist furchteinflößend. Dabei sind die als blutrünstige Killer verrufenen Räuber selbst in Gefahr. Die weltweiten Haipopulationen verschwinden, manche Arten sind vom Aussterben bedroht. Hauptgründe dafür sind Überfischung und Beifang sowie die große Nachfrage nach Haiflossen. Diese Erkenntnisse haben Wissenschaftler auf der diesjährigen Konferenz der American Association of the Advancement of Sciene (AAAS) in Boston präsentiert.

Manche Populationen haben sich mehr als halbiert

"Infolge des hohen und oft unkontrollierten Fischfangs gelten viele Haie nun als vom Aussterben bedroht", sagte Julia Baum, Meeresökologin und Haiexpertin bei der Weltnaturschutzunion (IUCN). Sie stellte einen Bericht vor, nach dem die Populationsgrößen vieler Haiarten in den vergangenen Jahren um mehr als die Hälfte geschrumpft sind. Besonders bedroht sei der Bogenstirn-Hammerhai, der in der Nähe von Küsten lebt und mittlerweile auf der Roten Liste als "gefährdet" geführt wird. Gerade die hohe Nachfrage nach Haiflossen wird ihm zum Verhängnis.

Langsame Regeneration in der Tiefe

Doch auch Haie, die fernab der Küste in der dunklen Tiefsee leben, sind in Gefahr. Selbst in der Tiefe sind sie nicht vor Fischern mit moderner Fangausrüstung sicher. Tiefsee-Trawler können den Haibeständen großen Schaden zufügen. Das ist bedenklich, denn Haiforscher Colin Simpfendorfer von der australischen Cook Universität hat herausgefunden, dass Populationen, die in großer Tiefe leben, länger brauchen, um ihren Bestand zu regenerieren. Bei manchen Populationen könne dies Jahrezehnte, womöglich sogar Jahrhunderte, dauern.

"Haie haben in einem Ozean, der weiträumig befischt wird, keinerlei Raum mehr, um sich zu verstecken", sagte Lance Morgan, Meeresforscher des Marine Conservation Biology Institute. Er fordert daher Fanggrenzen, ein Verbot des Finnings (das Abschneiden von Haiflossen) und größere Schutzzonen.

Haie auf der Autobahn

Wo solche Schutzzonen am besten angelegt werden könnten, zeigt eine Untersuchung von Peter Klimley. Der Wissenschaftler der University of California hat die Migrationswege des Bogenstirn-Hammerhais im tropischen Ostpazifik untersucht und dabei herausgefunden: Haie sind keineswegs einsame Nomaden, die auf der Suche nach Beute ziellos das Meer durchkämmen. Ihre Routen sind alles andere zufällig gewählt. Haie schwimmen mit hohen Geschwindigkeiten auf festen "Autobahnen" und treffen sich häufig an denselben Orten. Klimley fand mehrere dieser Treffpunkte in der Nähe von Inselgruppen an der Küste zwischen Mexiko und Ecuador. Der Wissenschaftler fordert die Einrichtung von Schutzzonen in diesen Gebieten, um die Spezies zu schützen.

Auf Wiedersehen im white shark café

Der Hammerhai ist mit seinem Verhalten nicht allein. Auch der Weiße Hai scheint ein Gewöhnungstier zu sein und immer wieder zu bestimmten Treffpunkten zurückzukehren. Das hat Salvador Jorgensen von der Stanford University herausgefunden. Mithilfe elektronischer Sender verfolgte er fast 150 Weiße Haie an der Küste Kaliforniens und fand eine Stelle zwischen Hawaii und Mexiko, die besonders oft angesteuert wird: das sogenannte "white shark café". "Wir haben angefangen es Café zu nennen, weil das der Ort ist, wo man hingeht, um einen Snack zu essen oder vielleicht auch nur, um zu sehen und gesehen zu werden", so Jorgensen. "Wenn die Tiere das Café verlassen, kommen sie im nächsten Jahr exakt dahin zurück, genauso wie Menschen zu ihrem Lieblings-Angelplatz."

Klimley, Jorgensen und ihre Kollegen wollen in Zukunft noch weitere Reiserouten und Treffpunkte von Haien dokumentieren, damit diese Gebiete besonders geschützt werden können.

wüs/DPA / DPA