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Neue Wettervorhersage: Sechs Monate in die Zukunft schauen

Ein halbes Jahr kann der Deutsche Wetterdienst dank eines neuen Verfahrens in die Zukunft schauen und Wettertrends vorhersagen. Möglich machen das spezielle Beobachtungen der Atmosphäre und des Ozeans. Für die private Urlaubsplanung eignen sich die neuen Prognosen aber leider nicht.

Die Sommermonate Juni und Juli werden dieses Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit zu warm werden. Das ist eines der Ergebnisse eines neuen Verfahrens für langfristige Klimaprognosen, das der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Dienstag in Essen vorstellte. Die sogenannte Jahreszeitenvorhersage erlaube es, Monatsprognosen für Lufttemperatur und Niederschlag ein halbes Jahr im Voraus anzustellen, sagt Projektleiterin Christina Koppe. Die komplizierten Berechnungen stützten sich auf Beobachtungen der Atmosphäre und des Ozeans.

Nie wieder Sprudel-Engpässe

Interessant seien die Prognosen zum Beispiel für Energieversorger, die Landwirtschaft oder die Textilindustrie. "Energieversorger können ihre Kraftwerksplanung darauf einstellen, wenn sie wissen, dass der Winter besonders kalt wird", sagt DWD-Pressesprecher Uwe Kirsche. In einem Pilotprojekt mit Unternehmen aus der Energiebranche hat der DWD seine Jahreszeitenvorhersagen schon erfolgreich getestet. Auch für die Getränkeindustrie könnte das neue Verfahren nützlich sein, sagt Kirsche. Bräche im Sommer die Hitzewelle aus, seien dann keine Sprudel-Engpässe zu befürchten.

Wer aber wissen möchte, ob er seine zwei Wochen Sommerferien an der deutschen Ostsee oder lieber auf Mallorca verbringen sollte, dem ist mit den neuen Vorhersagen kaum geholfen. Für die private Urlaubsplanung eignen sich die neuen DWD-Prognosen nicht. Dafür sind sie nicht genau genug. "Die Güte der Jahreszeitenvorhersagen ist viel, viel schlechter als im kurz- und mittelfristigen Bereich", sagt Paul Becker, Abteilungsleiter Klima- und Umweltberatung vom DWD. Nach jetzigem Stand liefere das Verfahren monatliche Mittelwerte für die Regionen Süd-, West-, Ost- und Norddeutschland. Eine beispielhafte Klimaprognose könne besagen, dass der Juni 2008 im Westen mit rund 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit wärmer werde als im langjährigen Mittel.

Mehr als nur Kaffeesatzleserei

Das Verfahren, das diese Aussage ermöglicht, ist hochkomplex: An einer einzigen Jahreszeitenvorhersage arbeitet ein Computer laut DWD 15 Tage. Angestellt würden die Berechnungen am Europäischen Zentrum für Mittelfristige Vorhersagen (EZMW) im englischen Reading, sagt Becker. Der DWD bereite die Daten dann für die deutschen Kunden auf. Bereits heute nutzten bundesweit rund 70 Bezieher das monatliche Bulletin gegen eine Schutzgebühr von 150 Euro, und das Interesse der Unternehmen sei groß. "Bisher waren langfristige Prognosen reine Kaffeesatzleserei ohne wissenschaftliche Grundlage - das ist jetzt anders geworden", sagt DWD-Sprecher Gerhard Lux. Als nächstes wolle der DWD Windprognosen in Angriff nehmen, wie sie für den Bereich der regenerativen Energien wichtig seien.

DPA/wüs / DPA