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Schnabelwale: Die verwirrten Tieftaucher

Tintenfisch ist ihr Leibgericht; um ihn zu schnappen, tauchen Schnabelwale fast zwei Kilometer in die Tiefsee hinab. Stört in dieser Tiefe ein Sonar ihr Tauchverhalten, können sie an der Taucherkrankheit sterben.

Schnabelwale sind die Extremtaucher unter den Meeressäugetieren: Sie tauchen bis zu 1900 Meter in die Tiefe ab, um nach ihrem Leibgericht Tintenfisch zu schnappen. Das hat ein internationales Forscherteam um Peter Tyack vom Woods-Hole-Ozeaninstitut herausgefunden. Die Meereswissenschaftler verfolgten die Tauchgänge von zehn Schnabelwalen vor der italienischen Küste und den Kanarischen Inseln, um herauszufinden, wieso diese Tiere durch Echoortung von Marineschiffen gestört und tot an Land gespült werden. Vermutlich beeinflusse diese Sonartechnik das Tauchverhalten der Wale, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Journal of Experimental Biology".

Abtauchen in Rekordtiefen

Über die Lebensweise der Schnabelwale war lange Zeit wenig bekannt, da die Meeressäuger nur sehr selten in Küstennähe auftauchen. Auch kommen sie zwischen den Tauchgängen nur für wenige Sekunden an die Wasseroberfläche. Die Forscher um Tyack hefteten daher auf die Haut der Wale Peilsender, um die Tauchtiefe und -geschwindigkeit, die Orientierung sowie die akustischen Signale der Wale aufzuzeichnen. Die Sender waren so programmiert, dass sie sich nach rund einem Tag automatisch vom Wal ablösen, an die Oberfläche kommen und dort geortet werden können.

Die Auswertung der Tauchdaten von sieben Cuvier-Schnabelwalen im Ligurischen Meer und drei Blainville-Schnabelwalen bei den Kanarischen Inseln überraschte die Forscher: Die Cuvier-Wale brachten es auf die Rekordtiefe von 1900 Metern, und auch bei den Blainville-Schnabelwalen gab es einen Tauchgang mit bis zu 1200 Metern. Ein Tauchgang dauert dabei im Schnitt rund eine Stunde. Auffällig fanden die Forscher auch das zeitliche Muster des Abtauchens: Zwischen zwei Tauchgängen auf durchschnittlich 1000 Meter Tiefe kamen immer mehrere Abstiege auf wenige 100 Meter. Vermutlich würden sich die Tiere in dieser Phase von den Strapazen des Tieftauchens erholen, schreiben die Forscher.

Lockerungsübungen wie ein Leistungssportler

Immerhin bringt der Wasserdruck ab einer Tiefe von 100 Metern die Lungen zum Kollabieren, so dass sie keinen Luftsauerstoff mehr enthalten. In Ermangelung des Sauerstoffs schaltet sich dann der Stoffwechsel der rund zehn Meter langen Wale um. Die Forscher vermuten nun, dass die kleinen Tauchgänge zwischen den Extremabstiegen eine Art Lockerungsübung sind - ähnlich einem Leistungssportler, der zwischen den Wettbewerben durch kurze Übungen die Muskulatur lockert. Diese Lockerungsübungen könnten ein wesentlicher Faktor sein, dass Wale nicht an der Taucherkrankheit leiden.

Kommen menschliche Taucher zu schnell an die Wasseroberfläche, so bilden sich durch die schnelle Druckentlastung Gasblasen im Blut. Bei Walen kommt die Taucherkrankheit nicht vor - nur bei tot an den Strand gespülten Walen konnten Tiermediziner Anzeichen davon feststellen. In diesen Fällen könnte die Sonarortung der Marine das natürliche Tauchverhalten gestört und damit zu Taucherkrankheit und Tod der Tiere geführt haben, glauben die Forscher.

DDP / DDP