Südafrika Elefanten wieder zum Abschuss frei


In Südafrika stehen seit dem 1. Mai Elefanten nicht mehr unter besonderem Schutz. Ungeachtet der Proteste von Tierschützern hat das Land nach 13 Jahren ein Moratorium aufgehoben und lässt den Abschuss der Dickhäuter wieder zu. Die Maßnahme soll dem Naturschutz dienen.

Elefanten vermehren sich rasant und bedrohen wegen ihres großen Nahrungsbedarfs die biologische Vielfalt. Elefantenhorden trampeln Zäune nieder, zerstören Felder, infizieren Nutzvieh. Das sind einige Argumente der südafrikanischen Regierung, die zum 1. Mai den Abschuss der grauen Riesen wieder erlaubt. Für die Tötung gelten allerdings Auflagen. Nur wenn Verhütungsmaßnahmen und die Verlegung von Populationen keinen Erfolg bringen, dürfen die Elefanten gezielt abgeschossen werden - dann allerdings ganze Familien auf einmal.

Südafrikas Umweltminister Marthinius van Schalkwyk weiß um die Kritik an der Maßnahme. Der Abschuss sei ein Mittel zur Steuerung der Elefantenpopulation, verteidigt er die Aufhebung des Verbots: "Es ist dafür gesorgt worden, dass die Tötung der letzte Ausweg ist". Die Verwaltung der südafrikanischen Nationalparks, SANParks, hat sich noch nicht entschieden, wie schnell sie diese Möglichkeit nutzen wird - obwohl SANParks selbst die Aufhebung des Moratoriums gefordert hatte. In jedem Fall werde eine sorgfältige Auswahl der Tiere erfolgen, sagt SANParks-Sprecherin Wanda Mkutshulwa.

Kaum natürliche Feinde

Während des 13-jährigen Moratoriums ist die Zahl der Elefanten in Südafrika von 8000 auf 18.000 gestiegen. Die Tiere werden bis zu 60 Jahre alt und haben kaum natürliche Feinde. Dennoch stößt die Aufhebung des Verbots auf scharfen Protest. Tierschützer wollen die Lizenz zum Töten nicht einfach hinnehmen. "Die Regierungsdirektive definiert nicht genau, was es bedeutet, die Tötung "als letztes Mittel" anzuwenden", sagt Michelle Pickover von der Organisation Animal Rights Africa.

Die Organistaion will nicht nur gegen die Regelung klagen. Sie ruft auch zu einem Boykott der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika auf. Auch die für ihren Einsatz als Tierschützerin bekannte ehemalige französische Filmdiva Brigitte Bardot setzt sich für die südafrikanischen Elefanten ein. Sie schrieb einen Brief an Staatschef Thabo Mbeki, in dem sie sich "schockiert über die Wiederaufnahme dieser Tötungen" zeigte.

Hormone machen Elefanten aggressiv

Experten, die sich vergangene Woche in Südafrika mit Möglichkeiten befassten, die von den Elefanten angerichteten Schäden in der Natur zu begrenzen, kamen dagegen zu einem eindeutigen Schluss: Die Umsiedlung und die Schlachtung von Elefanten seien die besten Methoden, um Schäden zu verhindern. Die Verhütung mit Hormonen gilt nicht als optimale Lösung, da die Hormone die Tiere aggressiv machen.

Für den Abschuss sollen Profis eingesetzt werden. Sie sollen den Elefanten von einem Hubschrauber aus einen einzigen tödlichen Schuss ins Gehirn verpassen. Um Traumata bei den für ihr gutes Gedächtnis bekannten Tieren zu vermeiden, sollen gleich ganze Familien auf einmal getötet werden. Aus demselben Grund soll die Schlachtung fernab von anderen Herden erfolgen - für Tierschützer unfassbar. Die Methode komme einem "Massen- oder Völkermord" gleich", sagt Pickover. "Das ist etwas Schreckliches."

Fran Blandy/APF

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