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Terrorvogel: Urzeit-Raubtier kämpfte wie ein Boxer

Die bis zu drei Meter großen Terrorvögel konnten nicht fliegen, dafür aber schnell sprinten. Ihre Beute erlegten sie mit gezielten Hieben. Forscher haben das Verhalten der Urzeitvögel jetzt genauer ergründet.

Es waren imposante gefiederte Räuber, die sich vor 60 Millionen Jahren in Südamerika entwickelten und erst vor drei bis zwei Millionen Jahren ausstarben. Die Vögel konnten zwar nicht fliegen dafür aber mit einem Tempo von bis 50 Kilometer pro Stunde laufen. Wie das Federvieh zur Bezeichnung Terrorvogel kommt, ist offensichtlich. Die größte der 18 bekannten Arten von der Familie der Phorusrhacidae wurde drei Meter groß. Außerdem hatten die Vögel einen imposanten Schädel mit einem kräftigen Schnabel, der in einem hakenartigen Übersatz endete.

Über die Lebensweise der Terrorvögel war bisher kaum etwas bekannt. Ein internationales Forscherteam hat jetzt vor allem einen Vogel der Gattung und seine Bedeutung für die damalige Flora und Fauna Südamerikas untersucht. Die Ergebnisse, die sie im Fachmagazin "Plos One" veröffentlichten, zeichnen ein interessantes Bild von einem menschengroßen Raubvogel, dessen Angriffe denen eines Boxers ähnelten. Andalgalornis lebte vor rund sechs Millionen Jahren im Nordwesten des heutigen Argentiniens. Er war nur ein mittelgroßer Terrorvogel. Mit 1,40 Metern erreichte er die Größe einer kleinen Frau und wog mit 40 Kilogramm auch so viel. Sein Schädel maß 37 Zentimeter.

Beim Erlegen seiner Beute erinnerte er wohl an einen Boxer. Auf einen Vorstoß folgte sogleich der Rückzug, der nahtlos in einen erneuten Angriff überging. Dabei benutzte das Raubtier seinen hakenartig gebogenen Schnabel wie eine Axt. Mit gezielten, kraftvollen Hieben tötete er sein Opfer, um es dann in kleinere Happen zu zerreißen. Der Kopf bewegte sich allerdings ausschließlich vor und zurück.

Ein eher steifer Riesenvogel

Dass die Forscher sein Fressverhalten so genau rekonstruieren konnten, verdanken sie neuesten Technologien, wie dem CT-Scan und digitalen Animationsmethoden. So bestimmten sie den Aufbau des Schädels und die verschiedenen Dicken und Stärken seiner Knochen. In einer Animation ließen sie den Kopf verschiedene Bewegungen ausführen. Das Programm zeigte dabei an, welche Belastung das für die Knochen und Gelenke bedeutet. Vergleiche mit den Eigenschaften der Schädel vom Steinadler und dem Seriema, einem Kranichvogel, der als nächster Verwandter der Terrorvögel gilt, ergänzten die Animationen. Dazu testeten die Forscher die Beißkraft der modernen Vögel und sammelten Daten zu deren Knochenaufbau. Die Forscher konnten so ermitteln, wie stark der Urvogel wohl beißen konnte.

Der animierte Schädel zeigte vogeluntypische Eigenschaften. "Vögel haben meist Köpfe mit sehr beweglichen Knochen. Das macht sie leicht und trotzdem stark", sagt Lawrence Witmer, von der Universität Ohio. "Wir haben aber herausgefunden, dass Andalgalornis diese mobilen Verbindungen durch starre Brücken ersetzt hat. Der Bursche hatte einen starken Schädel, vor allem in der Vorwärtsbewegung." Die seitliche Bewegung des Kopfes, um beispielsweise Beutetiere zu schütteln bis ihr Genick brach, hätte dem Vogel allerdings selber einen Genickbruch beschert, erklärt Stephen Wroe, der das Animationsprogramm erstellte. Wahrscheinlich konnte der Vogel sich einen solch schweren Kopf leisten, weil er das Fliegen aufgab und enorm groß war.

"Wenn wir verstehen wollen, wie sich das ungewöhnliche Ökosystem Südamerikas über die vergangenen 60 Millionen Jahre entwickelt hat, müssen wir herausfinden, welche ökologische Rolle diese erstaunlichen Vögel gespielt haben.", sagt der Hauptautor der Studie, Federico Degrange. Der gefiederte Räuber fraß kleine und große Säugetiere, die genauso wie er selbst lange ausgestorben sind. Er konnte sich lange als gefährlichstes Raubtier in seiner Umwelt halten. Südamerika war zu dieser Zeit noch eine isolierte Insel, bevor es sich mit Nordamerika verband. Ein naher Verwandter aus der Gattung der Terrorvögel erreichte Nordamerika vor ungefähr zwei oder drei Millionen Jahren, kurz danach starb die Rasse jedoch aus.

Von Ina Vollmer
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