Verhaltensforschung Sexuelle Nötigung bei Schimpansen


Wissenschaftler haben beobachtet, dass Schimpansenmännchen Weibchen, die gerade fruchtbar sind, häufig schlagen, um sich dann mit ihnen zu paaren. Für die Wissenschaftler ein klarer Fall von sexueller Nötigung.

Bei Schimpansen gehen Gewalt gegen Weibchen und sexuelle Anziehungskraft Hand in Hand, haben amerikanische Biologen beobachtet: Die Männchen schlagen, treten und beißen nicht nur am häufigsten die Weibchen, die sich gerade in ihrer fruchtbaren Phase befinden - sie paaren sich auch am häufigsten mit ihnen. Das zeigt nach Ansicht der Forscher, dass es sich bei den Misshandlungen eindeutig um eine Art der sexuellen Nötigung handelt. Ob diese Gewaltausbrüche jedoch dazu dienen, die Weibchen gefügig zu machen oder ob sie sie von der Paarung mit anderen Männchen abhalten sollen, können Martin Muller von der Universität Boston und seine Kollegen noch nicht sagen. Sie stellen ihre Studie in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" vor (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2006.0206).

Weibchen werden sehr häufig misshandelt

Um den Zusammenhang zwischen Gewalt und Sexualität zu untersuchen, beobachteten Muller und sein Team ein Jahr lang eine Gruppe freilebender Schimpansen im Kibale-Nationalpark in Uganda. Außerdem werteten sie Daten aus zehn Jahren aus, in denen die Menschenaffen jeden Tag vom Erwachen bis zum Schlafengehen überwacht worden waren. Besonderes Augenmerk legten die Biologen dabei auf gewalttätige Szenen und Kopulationen zwischen Männchen und Weibchen.

Misshandlungen der Weibchen waren insgesamt sehr häufig, ergab die Auswertung: Im Schnitt wurde ein Weibchen, das in einer Gruppe von fünf Männchen lebte, einmal am Tag Opfer eines Gewaltausbruchs. Diese reichten von Drohgebärden wie dem Schütteln von Ästen über Hiebe und Schubsen bis hin zu Bissen und heftigem Prügeln. Besonders häufig richtete sich die Gewalt der Männchen dabei gegen die Weibchen, die bereits Junge hatten und gerade eine starke Schwellung am Hinterteil zeigten - ein Zeichen dafür, dass sie sich in ihrer fruchtbaren Phase befanden. Am wenigsten erdulden mussten dagegen Weibchen ohne Junge, die nicht empfängnisbereit waren.

Keine zufälligen Gewalttaten

Diese Vorliebe spiegelte sich auch in der Häufigkeit der sexuellen Kontakte wider: Die Männchen paarten sich am häufigsten mit genau den Weibchen, denen sie am meisten Gewalt angetan hatten. Es handele sich daher definitiv nicht um zufällige Gewalttaten und auch nicht um Konkurrenzkämpfe um Futter, schließen die Forscher. Möglicherweise sei die Gewalt eine Strategie der Männchen, die sie der Promiskuität der Weibchen entgegensetzen: Ein Weibchen, das mit Schlägen unterworfen und kontrolliert wird, wird sich weniger bereitwillig mit einem anderen Männchen paaren, so dass die Wahrscheinlichkeit für eigenen Nachwuchs steigt. Ob das jedoch tatsächlich der Grund für die Gewalt unter den Schimpansen ist, sollen nun weitere Untersuchungen zeigen.

DDP DDP

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