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"Jane's Journey" im deutschen Kino: Unter Schimpansen zu Hause

Schimpansenforscherin Jane Goodall reiste von Südengland über Tansanias Urwald durch die ganze Welt. Ihre Mission: Das Verhalten der Tiere zu untersuchen und für den Erhalt der Menschenaffen zu kämpfen. Nun ist ihr Leben in einer Filmdokumentation zu sehen.

Immer wieder kehrte Jane Goodall zurück in jenen südlichen Teil des afrikanischen Staates Tansania, um die unmittelbare Begegnung mit den Tieren zu suchen, die so prägend für ihren Lebensweg waren und sind. Im Gombe Nationalpark ist die 1934 in London geborene Engländerin dann ganz nahe den dort in einem ihrer letzten Reservate lebenden Schimpansen, deren Verhalten Goodall seit einem halben Jahrhundert erforscht und deren Schutz ihr so sehr am Herzen liegt wie der Schutz der Natur überhaupt.

Es sind berührende Szenen am Beginn der biografischen Filmdokumentation "Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall", die eine alte Frau in intimer Nähe zu einer wild lebenden Gruppe des nächsten menschlichen Verwandten zeigen. Und es bewegt den Betrachter besonders, wie zugleich respektvoll distanziert und doch auch liebevoll sich Goodall in dieser Begegnung mit den Schimpansen zeigt. In diesem Verhalten ist die Erfahrung eines langen Forscherlebens erkennbar, das mit dem tollkühnen Entschluss eines attraktiven jungen Mädchens begann, den Weg von der englischen Küste in den Urwald Afrikas zu wagen.

Dort fand sie in Kenia eine Anstellung am dortigen National Museum und begegnete dem Paläontologen Louis Leaky. Der berühmte Erforscher der menschlichen Ursprünge interessierte Goodall für Langzeitstudien von Menschenaffen. 1965 promovierte sie glanzvoll an der Universität von Cambridge, dennoch scheiterte ihr erster wissenschaftlicher Beitrag für die renommierte Zeitschrift "Nature" daran, dass sie die beobachteten Affen als Individuen ansah und mit Namen bezeichnete. Doch was die junge Frau fortan an verblüffend intelligenten und sozialen Verhaltensweisen der Schimpansen dokumentieren konnte, sicherte ihr rasch einen Spitzenplatz als Primaten-Wissenschaftlerin.

Zwei eifersüchtige Männer und der Zwist mit dem Sohn

Was Jane Goodall aus ihrem Weltruhm machte und macht, zeigt der deutsche Autor und Regisseur Lorenz Knauer unter Verwendung von frühen Filmdokumenten, Interviews, vor allem aber in vielen Szenen mit der Hauptfigur selbst. Knauer ist ein erfahrener Dokumentarist, der auch einen Blick auf das Privatleben der von Millionen verehrten Forscherin wirft. Von 1964 bis 1974 war Goodall mit dem inzwischen verstorbenen holländischen Tierfilmer Hugo van Lawick verheiratet. Aus dieser Ehe stammt der gemeinsame Sohn Grub. 1975 heiratete Goodall ihren Landsmann Derek Bryceson, der Direktor der Nationalparks in Tansania war, aber schon 1980 an Krebs starb.

Beide Männer, das gesteht Goodall vor der Kamera, waren ganz wichtig für ihr Leben und ihre Arbeit, beide seinen aber auch allzu eifersüchtig gewesen. Das ist deshalb nicht ganz unverständlich, weil die Engländerin auch mit nun 76 Jahren noch eine schöne Frau ist, die mit Charme und Charisma überall auf der Welt ihr Publikum für Tier- und Umweltschutz zu begeistern weiß. Die 2002 vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan zur Friedensbotschafterin der UNO ernannte Goodall reist unermüdlich an mehr als 300 Tagen im Jahr um den Globus, betreibt ein Forschungsinstitut und wirbt für eine 1991 in Tansania gegründete Aktion "Roots & Shoots" (Wurzeln und Sprösslinge).

Inzwischen gibt es an die 10.000 Gruppen dieser Aktion in über 120 Ländern, die aktiv zur Verbesserung des Lebens auf der Erde beitragen wollen. Viele Jahre war trotz all dieser öffentlichen Erfolge das Verhältnis zwischen Goodall und ihrem einzigen Sohn Grub zerrüttet. Wie sehr das die Forscherin persönlich belastet hat, verschweigt der Film nicht. Doch er zeigt auch, dass sich Mutter und Sohn wieder gefunden haben und nun gemeinsam an verschiedenen Projekten arbeiten. "Jane's Journey" macht aus Knauers kritikloser Bewunderung für die Forscherin und die Frau Jane Goodall keinen Hehl. Gleichwohl ist es ein sehenswertes Kinoporträt einer ungewöhnlichen Frau.

Wolfgang Hübner, APN / APN