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Verhaltensforschung: Vogel-Oma hilft beim Nachwuchs

Die Kinder in die Obhut der Oma geben - das machen nicht nur Menschenmütter, sondern auch Vögel. Zumindest bei den Seychellen-Rohrsängern haben Forscher beobachtet, dass zuweilen die Großmutter hilft, wenn es um die Aufzucht der Enkel geht.

Zum ersten Mal haben Wissenschaftler die großmütterliche Fürsorge nun als Verhaltensweise bei Vögeln beobachtet, berichtet die Universität East Anglia in Norwich. In jahrzehntelangen Beobachtungen fand das Team um David Richardson heraus, dass ältere Rohrsänger, die keinen Nachwuchs mehr bekommen, ihren Kindern bei der Aufzucht helfen. Während einige der nicht mehr brütenden weiblichen Vögel die Kolonie verlassen, kümmert sich ein anderer Teil von ihnen um den Nachwuchs der nächsten Generation - häufig um den der Tochter. Ein ähnliches Verhalten sei vereinzelt auch bei wenigen Säugetierarten wie Affen und Grindwalen entdeckt worden, allerdings gebe es kaum dokumentierte Beweise, berichten die Wissenschaftler.

"Für Vögel, die sich wegen fehlenden Lebensraumes nicht vermehren, ist dies eine effektive Strategie", sagt Richardson. Sie verhelfen damit ihren Verwandten zu mehr Nachwuchs und verbreiten so auch ihre eigenen Gene stärker. "Dies ist noch nie bei Vögeln beobachtet worden." Das Forscherteam will seine Arbeit fortsetzen. "Wir wollen klären, warum manche weiblichen Vögel weiter Nachwuchs bekommen, während andere als Großmutter helfen", sagt Richardson. Das Verhalten habe evolutionäre Bedeutung, weil es ein weiterer Weg zur gemeinsamen Aufzucht von Nachwuchs ist.

Verwandtschaftliche Hilfe bei der Versorgung des Nachwuchses ist bei Vögeln, Säugetieren und einigen Fischen nicht unüblich. Normalerweise kommt sie aber von der Kindergeneration, die ihre Eltern bei der Aufzucht weiterer Jungtiere unterstützt.

DPA

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