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Polizei ermittelt Rassistische Botschaft nach dem Brexit: Nachbarn sollen Englisch sprechen – oder das Land verlassen


Nach dem Brexit sind in einem Häuserblock in Norwich Zettel aufgetaucht, die gegen ausländische Bewohner hetzen. Die Nachbarn reagieren mit Solidarität.

Jetzt lässt es sich nicht mehr rückgängig machen: Der Brexit ist vollzogen. Der Austritt Großbritanniens aus der EU spaltet nach wie vor die Bevölkerung auf der Insel. Welche Folgen der Brexit im Alltag hat, wird sich nun zeigen. Ein Bewohner eines Hauses in Norwich hat der EU-Austritt zu einer Aktion veranlasst, die viele Menschen als rassistisch empfinden.

In den sozialen Netzwerken verbreitet sich gerade das Bild eines Zettels, den jemand in einem 15-stöckigen Haus in der Stadt im Osten Englands angebracht hat. "Happy Brexit Day" lautet die Überschrift. In dem Text werden die Bewohner des Hauses aufgefordert, in Zukunft nur noch Englisch zu sprechen: "Wir tolerieren es nicht, dass Menschen andere Sprachen als Englisch in den Wohnungen sprechen. Wir sind jetzt wieder unser eigenes Land und das Englisch der Königin ist die Sprache, die hier gesprochen wird."

"Sie haben diese Insel infiziert"

Den Bewohnern des Hauses, die sich nicht daran halten wollen, wird nahegelegt, das Land zu verlassen, damit "britische Menschen hier leben können". Das sei "normal" gewesen, "bevor Sie diese einst so große Insel infiziert haben". Der Text endet mit einer Drohung: Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Regierung Gesetze erlassen würde, die Großbritannien an die erste Stelle setzen. Dem solle man sich anpassen oder gehen.

Ausfertigungen des Textes wurden nach englischen Medienberichten auf den Fluren in allen 15 Etagen des Hauses aufgehängt. In dem Haus leben viele Familien aus Osteuropa. Sie sollten offenbar eingeschüchtert werden. Wer die Zettel verteilt hat, ist nicht bekannt, doch der Inhalt hat nun sogar die lokale Polizei auf den Plan gerufen. Die Polizei spricht von einem "rassistisch motivierten Vorfall", der jetzt untersucht werden soll – dazu wurden die Zettel forensisch untersucht und das Material der Überwachungskameras im Gebäude gesichtet.

Bei Nacht sind nur die Konturen der Klippen von Dover zu sehen. Darauf die Projektion eines alten Mannes im Anzug

Nachbarn zeigen ihre Solidarität

"In unserer Gesellschaft gibt es keinen Platz für Hass und Intoleranz. Niemand sollte eingeschüchtert werden aufgrund dessen, wer er ist, und es ist wichtiger denn je, dass wir gegen diese Feindseligkeit zusammen stehen", sagte eine Polizeisprecherin dem "Guardian".

Die Stadt Norwich, der das Gebäude gehört, sprach sich auf Twitter ebenfalls klar gegen Rassismus aus. Norwich sei eine offene Stadt: "Wir werden dieses Verhalten nicht tolerieren." Und auch von ihren Nachbarn bekamen die angefeindeten ausländischen Familien viel Solidarität. Die Bewohner des Hauses hielten eine kleine Kundgebung ab, mit der sie ihre Unterstützung zeigten. Die rassistischen Zettel sind mittlerweile abgehängt, stattdessen hängen neue Poster in dem Häuserblock: Auf ihnen steht "In Norwich sind alle willkommen", viele Bewohner haben darauf unterschrieben.

Quellen:Simon Price auf Twitter / "Guardian" / Norwich City Council auf Twitter

epp

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