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Vom Aussterben bedroht: Hoffnung für die Geier

Der asiatische Geier ist akut vom Aussterben bedroht. Der Grund: regelmäßig vergiften sich die Tiere an ihrer Beute, die vorher mit Schmerzmitteln behandelt wurde. Zwei südafrikanische Forscher glauben, die Lösung für das Problem gefunden zu haben.

Hoffnungsschimmer für die vom Aussterben bedrohten asiatischen Geier: Eine Entdeckung südafrikanischer Forscher könnte das Massensterben der Aasfresser auf dem indischen Subkontinent beenden. Das Wissenschaftlerteam präsentiert im Fachblatt "PLoS Biology" (DOI: 10.1371/journal.pbio.0040066) eine lang gesuchte Alternative zum Tiermedikament Diclofenac, das für den dramatischen Rückgang der Geier-Bestände verantwortlich gemacht wird. Die Aasfresser vergiften sich mit dem Mittel, wenn sie verendete Nutztiere verspeisen, die kurz zuvor mit dem Präparat behandelt wurden. Die Folge: In den vergangenen 10 bis 15 Jahren schrumpften die Geier-Bestände auf dem indischen Subkontinent um 97 Prozent.

Keine negative Wirkungen durch Meloxicam

Die indische Regierung hatte im März 2005 ein Diclofenac-Verbot in der Tierhaltung angekündigt, aber bisher keinen Ersatz für das Mittel gefunden. Die Experten um Gerry Swan von der Universität Pretoria stellen nun den Wirkstoff Meloxicam als geierfreundliche Alternative vor. Das Medikament gehört zur selben Arzneiklasse wie Diclofenac, ist für die Geier jedoch offensichtlich ungefährlich. Bei 35 gefangenen Geiern, denen das Mittel verabreicht wurde, zeigte Meloxicam jedenfalls keinerlei negative Wirkung, wie die Forscher berichten.

Anlässlich einer am Dienstag in Indien eröffneten zweitägigen Fachkonferenz zum Thema sprechen sich die Experten dafür aus, Diclofenac umgehend durch Meloxicam abzulösen. Zudem sollten aus dem verbleibenden Bestand der gefährdeten Vögel in der Zwischenzeit einige Exemplare in Aufzuchtstationen gebracht werden. Indien verfügt bereits über zwei derartige Stationen, in Pinjore (Hayana) sowie im westbengalischen Tiger-Naturpark Buxa.

Wilde Hunde übernehmen die Aufgaben der Geier

Die Schmalschnabel- (Gyps tenuirostris), Bengalen- (Gyps bengalensis) und Indischen Geier (Gyps indicus) lebten vor dem Massensterben in zweistelliger Millionenzahl zwischen Nepal, Indien, Pakistan, Myanmar, Bangladesch, Bhutan und Kambodscha. Den Aasfressern kommt bei der ökologischen Hygiene eine wichtige Rolle zu, die nun zunehmend von wilden oder streunenden Hunden übernommen wird. Die Vermehrung der Hunde erhöht jedoch für den Menschen die Tollwutgefahr durch Hundebisse.

Geier haben in Indien zudem für die Religionsgemeinschaft der Parsen besonderen Wert: Diese bestatten ihre Toten in speziellen Türmen unter freiem Himmel, wo die Leichen dann von den Geiern verzehrt werden. Mit dem Geiersterben ist diese Begräbnistradition gefährdet.

Die britische Wissenschaftlerin Lindsay Oaks hatte vor zwei Jahren erstmals gezeigt, dass das Medikament Diclofenac die Ursache für das Massensterben der Geier ist. Untersuchungen hatten ergeben, dass die Aasfresser infolge einer Entzündung der Eingeweide sterben, die durch das Medikament verursacht wird. (Internet: Originalstudie in "PLoS Biology": www.plos.org/press/plbi-04-03-green.pdf)

DPA

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