Wunschzettel Meister Lampe wohnt in Ostereistedt


Auch der Osterhase hat eine Heimat. Und eine Postadresse. Briefe von Kindern aus aller Welt erreichen Meister Lampe im niedersächsischen Ostereistedt. Dort beantworten fleißige Helfer die Postmassen der kleinen Schreiber.

Die Wände sind über und über mit Gedichten, selbst gemalten Bildern und Fotos tapeziert. Auf dem Schreibtisch stapeln sich bergeweise Briefe und Karten. Hinter dem Schreibtisch sitzt Hans-Hermann Dunker. Klingelt in diesen Tagen sein Telefon, meldet sich der 68 Jahre alte pensionierte Postbeamte mit den Worten: "Osterhasenbüro der Deutschen Post in Zeven". Im Zevener Postamt gehen die Briefe ein, die Kinder aus der ganzen Welt zu Ostern an Hanni Hase im niedersächsischen Ostereistedt bei Rotenburg/Wümme schicken. "Im vergangenen Jahr waren es über 31.000", sagt Dunker.

Meist wünschten sich die überwiegend jungen Briefeschreiber Schokoladeneier und Spielsachen wie beispielsweise der fünfjährige Julian. "Der kleine Junge hat einen Roller gemalt und Bilder eines Hubschraubers sowie eines Geländewagens mit Anhänger dazugelegt", erzählt "Osterhasensekretär" Dunker. In einem anderen Brief fand er den Lageplan eines Spielwarengeschäfts. "Darauf ist der Weg in die einzelnen Abteilungen eingezeichnet." Und damit der Osterhase auch das Richtige in den Warenkorb legt, haben Bibi und ihre Freunde die Spielekonsolen und Barbie-Puppen sicherheitshalber angekreuzt.

Jeder Brief wird gelesen und beantwortet. Dafür stehen Dunker in diesem Jahr bis zu zwölf fleißige Helfer zur Seite. Fast alle sind ehemalige Postler. Neben einem Standardschreiben aus der "Osterwerkstatt" bekommen die Kinder einen Bastelvorschlag für eine Osterhasengirlande sowie zwei Ostereier-Malkarten. Die Kinderbriefmarke auf dem bunten Umschlag trägt den Sonderstempel des "Osterhasenbüros" in Ostereistedt.

Dankespost aus Japan

"Lieber Osterhase, ich liebe dich", hat Maxi geschrieben und ihre Liebeserklärung noch mit dem Abziehbild einer Hasenfrau verziert. "Dabei wird einem ganz warm ums Herz", sagt der 68-Jährige. Auch über das Foto einer kleinen Japanerin hat er sich sehr gefreut. "Der deutsche Großvater hatte uns gebeten, dem Kind zu schreiben. So haben wir Dankespost aus Japan bekommen." Geschmunzelt haben die "alten Hasen" über ein Säckchen Möhren, dass ihnen zugeschickt wurde.

Manchmal fungiert das "Osterhasenbüro" auch als Kummerkasten. Dunker empfindet das als große Verantwortung. "Was sage ich einem Kind, das schreibt: Ich möchte, dass Oma und Opa wiederkommen?" Andere wünschten sich, dass sich die Eltern wieder vertragen oder dass der Bruder aus dem Krankenhaus kommt. In diesen Fällen versucht Dunker alias Hanni Hase trotz der Briefflut mit ein paar persönlichen Zeilen Trost zu spenden.

Geld aus der Kaffeekasse

"Früher haben wir die Antwortbriefe selbst geschrieben", erinnert sich Wilhelm Fitschen an die Anfänge. "Da wurde die ganze Familie eingespannt." Früher, das war vor 25 Jahren. Damals erreichten den Osterhasen 30 bis 40 Briefe. "Mit Geld aus unserer Kaffeekasse haben wir Schokolade gekauft, die wir in die Briefe gelegt haben", sagt der 76 Jahre alte pensionierte Postbeamte.

Kinder, die dem Osterhasen schreiben möchten, müssen sich beeilen. "Bei Briefen, die nach dem 2. April eingehen, könnte es mit der Antwort knapp werden", heißt es im Büro des Osterhasen. Die Adresse lautet: Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt

Manuela Ellmers/DPA DPA

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