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Tipps für Zuwanderer und Einheimische: Das ist der bessere Flüchtlings-Knigge

Der "Flüchtlings-Knigge" aus dem Odenwald-Städtchen Hardheim ist vielen sauer aufgestoßen. Dass es auch anders geht, zeigt der Ratgeber "Wir schaffen das". 99 Tipps sollen Zuwanderern und Einheimischen helfen, mehr Verständnis füreinander zu entwickeln.

Der Kommunikationswissenschaftler Nikolaus von Wolff hat Tipps für Flüchtlinge und Einheimische herausgegeben

Der Kommunikationswissenschaftler Nikolaus von Wolff hat mit Armeen Alkutainy Tipps für Flüchtlinge und Einheimische herausgegeben.

Müll gehört in Mülltonnen, für die Toilettenspülung wird Wasser verwendet, die Ware im Supermarkt öffnet man erst, nachdem man sie bezahlt hat - diese und andere "Tipps" gab der Bürgermeister des baden-württembergischen Städtchens Hardheim Flüchtlingen in einem Brief. Viele hielten diese Benimm-Regeln für unangemessen. 

Einen Integrations-Leitfaden mit wesentlich mehr Respekt und Verständnis hat Kommunikationswissenschaftler Nikolaus von Wolff entwickelt. "Wir schaffen das. 99 Tipps und Fakten für Zuwanderer und Einheimische" richtet sich an all jene, die neu in Deutschland ankommen - aber auch, wie dem Titel zu entnehmen, an alle Deutsche, die Flüchtlinge besser verstehen wollen.

 "Wir möchten das Gespräch in Gang bringen", sagt von Wolff im Interview mit "Focus Online". Mit dem Buch sollten Flüchtlinge und Einheimische gegenseitiges Verständnis erlernen. Wolff betont: "Interkulturelle Kompetenz oder wechselseitiges Verständnis sind nicht Erfahrungssache, sondern Lernsache."

Deutsch-syrisches Expertenteam

Damit das gelingt, ist der Text in drei Sprachen verfasst: Deutsch, Arabisch und Englisch. Von Wolff arbeitete mit dem syrischen Wirtschaftswissenschaftler Ameen Alkutainy zusammen. Gemeinsam entwickelten sie die Inhalte nach intensiver Diskussion verschiedener Themen. 

 Die Tipps sind sachlich und optimistisch verfasst. So heißt es etwa: "Ein neuer Anfang in einem anderen Land ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Er beginnt bei jedem selbst." Ein anderer Punkt lautet: "In Deutschland herrscht Religionsfreiheit. Religiöse Gruppen respektieren sich gegenseitig in friedlicher Weise." Oder auch: "Wir wünschen Ihnen, Rachegedanken und Hass aus Konflikten in Ihrem Heimatland hinter sich lassen zu können."

Über den "Flüchtlings-Knigge" aus zeigte sich von Wolff wenig erfreut. Es entstehe der Eindruck, "als seien Flüchtlinge quasi kulturell bedingt kriminell, asozial und unsauber", sagte er zu "Focus Online". "Das ist vollkommen inakzeptabel."

kis
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Kommentare (1)

  • Default Author
    Stern-Moderation

    Falls Sie bereits mit Flüchtlingen mehr als nur in den Nachrichten zu tun hatten - welche Hinweise sind Ihres Erachtens nach wichtig und hilfreich?

  • Iblis
    Iblis
    Ehrlich gesagt wäre ich im Ausland unabhängig von der Ausdrucksweise leicht irritiert, wenn man mich in dieser Form über so grundsätzliche Dinge wie das Verhältnis zwischen den Glaubensgemeinschaften, den Umgang mit Gewalt oder das Auftreten gegenüber Frauen aufklären würde.

    Außerdem ist es so, dass auch jemand, der all diese Dinge völlig anders gelernt hat, schon kurz nach seiner Ankunft genau weiß, wie es damit in Deutschland aussieht. Wenn er gegen die Grundregeln verstößt, tut er das bewusst. Dann bedarf es einer klaren Ansage und keiner höflichen Belehrung.

    Der Rest braucht gar keinen Knigge, sondern höchstens ein paar nützliche Tipps.