Genesungswerk Kein Herz für Mütter


Beim Müttergenesungswerk hat sich das Spendenaufkommen innerhalb von drei Jahren halbiert. Deshalb müssten die Ausgaben deutlich zurückgefahren werden, so die neue Kuratoriumsvorsitzende Marlene Rupprecht am Sonntag.

Nach ihren Angaben kamen in diesem Jahr bei den Haus- und Straßensammlungen rund 700 000 Euro zusammen. 2004 seien es noch rund 950 000 Euro gewesen, im Jahr 2002 sogar rund 1,5 Millionen Euro. "Der Trend ist seit Jahren rückläufig. Nun müssen wir alle Zuwendungen reduzieren." Beim Verband seien die Einsparmöglichkeiten ausgeschöpft, betonte Rupprecht, die seit Anfang November im Amt ist.

Im Jahr 2004 unterstützte das Müttergenesungswerk Frauen während einer Kur mit rund 1,3 Millionen Euro. Diese Zuschüsse müssten heruntergefahren werden, sagte Rupprecht. "Immer mehr Mütter können das Taschengeld, das man während einer dreiwöchigen Kur braucht, nicht aufbringen. Wir brauchen dringend Spenden."

Künftig will das Müttergenesungswerk wieder öfter Schulen und Gemeinden ansprechen, um mehr Menschen für die Sammlung zu gewinnen. "Mit den klassischen Sammelbüchsen haben wir die sichersten Einnahmen erzielt", sagte Rupprecht. Grund für den Spendenrückgang ist nach ihrer Einschätzung unter anderem die Konkurrenz anderer Sammelaktionen zum Beispiel für die Opfer des Tsunami oder des Erdbebens in Pakistan. Außerdem würden immer mehr Stiftungen und Verbände professionell um Spenden werben, während viele Menschen weniger Geld ausgeben könnten.

Lage der Mütter verschlechtert sich

Die Situation der Mütter in Deutschland hat sich nach Meinung von Rupprecht verschlechtert. "Immer mehr Firmen versuchen, Mütter loszuwerden." Für viele Frauen sei es schwierig, bei zunehmenden Anforderungen an die Mobilität ihre Rolle zwischen Kindererziehung und Arbeit zu finden. Dadurch stiegen die Belastungen.

Kassen lehnen Kur-Anträge häufig ab

Gleichzeitig lehnten aber die Krankenkassen viele Anträge auf Kuren ab. "Die Entwicklung ist alarmierend. Im ersten Halbjahr 2005 wurden 34 Prozent der Anträge nicht genehmigt." Allerdings habe die Hälfte der Widersprüche Erfolg, sagte Rupprecht. Nach ihrer Ansicht sieht das so aus, als ob es die Krankenkassen erst einmal mit einer Ablehnung versuchten. "Es gibt heftige Auseinandersetzungen mit den Krankenkassen." Hoffnung setzt sie auf eine Auskunftspflicht. "Die Kassen müssen bis Jahresende einen Bericht vorlegen, wie sich die Ausgaben in diesem Bereich entwickelt haben. Diese Zahlen können nicht rosig aussehen." Danach seien Gespräche in den Ministerien geplant, sagte Rupprecht, die auch SPD-Bundestagsabgeordnete ist.

Das Deutsche Müttergenesungswerk wurde 1950 von Elly Heuss-Knapp gegründet, der Frau des ersten Bundespräsidenten. Es finanziert sich aus dem Stiftungsvermögen und durch Spenden und steht unter der Schirmherrschaft der Frau des jeweiligen Bundespräsidenten.

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, Konto 8855504, BLZ 70020500, Kennwort "Mütter"


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