Interview "Wir müssen den Täter sofort kriegen"


Wie können sich Autofahrer vor von Autobahnbrücken herabgeworfenen Gegenständen schützen? In einem Interview äußert sich Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft (GdP) der Polizei, zu möglichen Maßnahmen.

Herr Freiberg, hat das Werfen von Gegenständen von Autobahnbrücken zugenommen? Das Phänomen kennen wir leider schon lange und es passiert immer wieder. Ob es zugenommen hat, lässt sich nicht sagen. Es gibt keine deutschlandweite Statistik über solche Zwischenfälle.

Kann man sich als Autofahrer davor schützen? Nein, als Autofahrer ist man hilflos. Es gibt keinen absoluten Schutz vor Leuten, die von Brücken Gegenstände auf fahrende Autos werfen. Es ist ein Lebensrisiko, das wir alle tragen.

Was halten Sie von Videokameras auf Autobahnbrücken? Videoüberwachung kann in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen. Wir können nicht Zehntausende von Brücken über Autobahnen, Schnellstraßen oder Eisenbahntrassen flächendeckend und rund um die Uhr überwachen. Zudem würde es die eigentliche Tat nicht verhindern, höchstens später bei der Fahndung helfen.

Lässt sich also gar nichts machen? Man kann über bauliche Veränderungen nachdenken, etwa die Geländer etwas höher zu machen. Wichtiger ist aber, in der Öffentlichkeit vorbeugend die Wirkung einer so furchtbaren Tat aufzuzeigen. Ich kann mir vorstellen, dass der Täter gar nicht die Konsequenzen seines Handelns bedacht hat.

Nun ist es aber geschehen... ... deshalb müssen sich unbedingt alle Leute, die etwas beobachtet haben, bei der Polizei melden. Der beste Schutz vor einem erneuten Zuschlagen des Täters ist, wenn wir ihn sofort kriegen. Auch werden mögliche Nachahmer dadurch abgeschreckt.

Vielleicht kam der Täter von einem Osterfeuer? Dort wird auch Alkohol getrunken. Tatsache ist, dass es oft Jugendliche sind, die Gegenstände von Autobahnbrücken werfen, und zumeist ist Alkohol im Spiel. Es wäre aber unrealistisch, Veranstalter von Volksfesten mit derartigen Taten in Verbindung zu bringen. Eine Verantwortlichkeit lässt sich dort nicht festmachen.

Interview: Olaf Reichert

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