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Schwerins Sozialdezernent: Rücktritt wegen Fall Lea-Sophie

Nach dem Hungertod der kleinen Lea-Sophie war in Schwerin ein heftiger Streit über die Verantwortung der Behörden entbrannt. Nun hat der Sozialdezernent Hans Junghans (CDU) seinen Rücktritt eingereicht. Er zieht so die Konsequenzen aus der heftigen Kritik an seiner Person.

Gut zwei Monate nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie in Schwerin hat der städtische Sozialdezernent Hermann Junghans (CDU) Konsequenzen aus der heftigen Kritik an seiner Amtsführung gezogen. In einem Brief an die Mitglieder der Schweriner CDU-Fraktion kündigte er seinen Rückzug an. Bereits vor eineinhalb Wochen hatte er die Leitung des Jugendamtes abgeben müssen.

Junghans hatte wiederholt betont, im Jugendamt seien im Fall Lea- Sophie keine Fehler gemacht worden. Diese Äußerungen waren in der Öffentlichkeit und in der Stadtvertretung auf scharfe Kritik gestoßen. Außer der CDU würden alle Fraktionen die Abwahl von Junghans am 28. Januar erwägen, hatte die "Schweriner Volkszeitung" berichtet.

"Vertrauensverhältnis irreparabel gestört"

In einem Brief an die Mitglieder der Schweriner CDU-Fraktion schrieb er, dass er Verständnis dafür habe, wenn sich die Fraktion entscheide, seiner Abberufung zuzustimmen. "Die derzeitige Situation ist nicht nur für mich, sondern auch für die CDU Schwerin und ihre Stadtvertretungs-Fraktion außerordentlich schwierig." Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) betonte, das Vertrauensverhältnis zwischen einigen Fraktionen der Schweriner Stadtvertretung und Junghans sei irreparabel gestört. Mit großem Respekt habe er die persönliche Entscheidung zur Kenntnis genommen.

Umstrittene Hinweise vom Großvater

Die Stadtverwaltung räumte unterdessen erstmals Fehler des Jugendamts ein. Dezernent Wolfram Friedersdorff (Linke) sagte: "An bestimmten Punkten hätte man anders handeln können und müssen". So hätten die Mitarbeiter des Jugendamtes nach Hinweisen des Großvaters zu möglichen Entwicklungsrückständen des Mädchens zu Ende ermitteln müssen. Das sei unterblieben. Lea-Sophie war am 20. November in Schwerin verhungert. Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft.

Der Großvater hatte das Jugendamt ein Jahr zuvor um Hilfe gebeten. Mitarbeiter des Amtes schrieben Friedersdorff zufolge Briefe an die Eltern und unterbreiteten Hilfsangebote. Jedoch habe es darauf keine Reaktion gegeben und das Amt habe es damit bewenden lassen, sagte Friedersdorff. Er gab allerdings zu bedenken, dass eine solche Prüfung vielleicht auch ergeben hätte, dass Lea-Sophies Wohl zu dem Zeitpunkt nicht akut gefährdet war. "Die akute Kindswohlgefährdung trat nach meiner Einschätzung wohl nach der Geburt des zweiten Kindes ein", sagte Friedersdorff. Lea-Sophies kleiner Bruder wurde wenige Wochen vor ihrem Tod geboren.

DPA/AP / AP / DPA
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