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15. Love Parade: Tanz im Technorausch

Kurz nach 14.00 Uhr drehten die Lautsprecherwagen am Brandenburger Tor die Verstärker auf: Startschuss zur 15. Love Parade für rund 500 000 Raver. Erstmals wurde der Tiergarten mit einem Bauzaun abgesperrt.

Trillerpfeifen, wummernde Techno-Bässe und viel nackte Haut: Mehrere hunderttausend Raver sind am Samstag bei der 15. Love Parade friedlich durch Berlin gezogen. Unter dem Motto "Love rules" ("Liebe regiert") tanzten die Techno-Fans auf der Straße des 17. Juni durch den Tiergarten bis zur Siegessäule. Erstmals waren neben Ravern aus ganz Deutschland auch viele Jugendliche aus den osteuropäischen Nachbarländern dabei.

Veranstalter: Mehr als 500 000 Teilnehmer

Die Veranstalter selbst zählten bereits kurz nach Beginn der Love Parade mehr als 500 000 Teilnehmer. Damit habe es im Vergleich zum Vorjahr keinen Besuchereinbruch gegeben, sagte Love-Parade-Sprecher Ralf Regitz. Die Polizei sprach von mehreren hunderttausend Technofans. Andere Beobachter gingen allerdings davon aus, dass die Besucherzahl möglicherweise erneut zurückgegangen ist. Bei der größten Love Parade 1999 waren in Berlin 1,5 Millionen Leute unterwegs.

Es sei fraglich, ob die Marke von einer halben Million Technofans geknackt wird, sagte ein Sprecher des Bundesgrenzschutzes. Von der magischen Zahl von einer halben Million hatten die Love-Parade-Macher im Vorfeld die Zukunft des Techno-Umzugs abhängig gemacht.

Mit rund einer Million Watt zur Siegessäule

Mit rund einer Million Watt beschallten die Parade-Wagen die Raver auf dem Weg zur Siegessäule. Punkt 14.00 Uhr waren die "Lovetrucks" mit den riesigen Lautsprechern am Ernst-Reuter-Platz und am Brandenburger Tor gestartet. DJs aus Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Italien, Spanien und den Niederlanden heizten der Menge ein.Bei Temperaturen um 24 Grad fielen bei vielen Ravern die Hüllen, zahlreiche Mädchen mit den obligatorischen Sonnenblumen im Haar tanzten barbusig. Jugendliche aus aller Welt - darunter viele Raver aus Polen, Russland, Lettland und Litauen - zeigten sich in fantasievoller Aufmachung: vom Schottenrock zu pink und knallgrün gefärbten Haaren über Plüschanzüge bis zu schwarzen Sado-Maso-Outfits samt Atem beraubend hohen Absätzen. Über den Köpfen der Feiernden wurden Nationalflaggen von Polen und Russland geschwenkt.

Kreislaufkollaps und kleinere Verletzungen

Der Malteser Hilfsdienst behandelte bis zum Nachmittag 102 erschöpfte und verletzte Raver, 20 von ihnen wurden wegen Kreislaufkollaps oder kleinerer Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. "Dieses Mal ist eher der Alkohol das Problem, als andere Drogen", sagte ein Malteser-Sprecher. Die Helfer waren mit insgesamt 950 Sanitätern, Ärzten und Notfallseelsorgern im Einsatz.Bereits in der Nacht vor der größten Technoparty der Welt wurde in den Clubs und auf den Straßen der Stadt ausgiebig gefeiert. In rund 100 Clubs gab es am Love-Parade-Wochenende größere Raves. Wer sich kein Hotelzimmer leisten wollte, übernachtete in Jugendherbergen, auf Campingplätzen, im Auto oder einfach unter freiem Himmel.

34 Sonderzüge für rund 125 000 Technojünger

Die Bahn brachte in 34 Sonderzügen rund 125 000 Technojünger in die Hauptstadt, im vergangenen Jahr rollten noch 50 Sonderzüge nach Berlin. Die Züge seien zu 80 Prozent ausgelastet gewesen, sagte ein Bahnsprecher. Von den Bahnhöfen brachte die S-Bahn die Raver im Fünf-Minuten-Takt zur Parade-Strecke. Viele Raver wollten bereits am Abend, nach der traditionellen musikalischen Abschlusskundgebung mit Love-Parade-Gründer Dr. Motte an der Siegessäule, wieder nach Hause fahren.

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