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Love Parade: Raver haben weniger Geld

Die Konsumflaute bekommen offenbar auch die Veranstalter der Love Parade zu spüren: Am Samstag werden zum Techno-Spektakel in Berlin noch weniger Besucher als im Vorjahr erwartet.

Vor zwei Jahren waren noch rund eine Million Raver zu Techno-Musik durch Berlin getanzt. 2002 kamen wegen Berichten über einen angeblich geplanten Anschlag und eines Sturms am Vortag noch rund 700.000. Zur diesjährigen Love Parade werden nur noch zwischen 500.000 und 750.000 Leute erwartet. "Traurig wären wir deshalb nicht", sagte eine Sprecherin der Loveparade Berlin GmbH. "Wenn weniger kommen, macht es mehr Spaß." Als Grund für die Besucher-Flaute wird nicht Feier-Müdigkeit, sondern die Wirtschaftskrise ausgemacht. Viele könnten sich die Kosten für Anfahrt, Unterkunft und Eintritt für Partys nicht mehr leisten.

Bauzaun schützt den Tiergarten

"Love rules" lautet das diesjährige Motto der Freiluft- Party, bei der zum 15. Mal Techno-Fans aus aller Welt im Namen der Liebe durch Berlin tanzen. Dabei sollen die Raver erstmals nicht mehr im Unterholz des Innenstadt-Parks Tiergarten und in der Nachbarschaft der Paradestrecke campieren. Ein 4600 Meter langer Bauzaun und Halteverbotschilder sollen sie daran hindern. Der Zaun rund um den Park soll nach Angaben der Polizei zudem die Müllbelastung reduzieren und verhindern, dass Schwarzhändler große Getränkedepots anlegen.

35 Sonderzüge nach Berlin

Die Bahn will 35 Sonderzüge einsetzen, um die Techno-Fans in die Hauptstadt zu bringen. Das wären 15 Züge weniger als 2002. Allerdings stehen nach Angaben der Bahn Reservezüge bereit. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass sich viele Besucher sehr kurzfristig für die Fahrt zur Loveparade entschieden.

Sponsoren bleiben aus

Auch die Zahl der bei dem Umzug mitfahrenden Lastwagen könnte in diesem Jahr geringer ausfallen. So nimmt etwa die Berliner Discothek Matrix erstmals seit Jahren nicht teil, weil sie nach eigenen Angaben keinen Sponsor gefunden hat. Mindestens 25.000 Euro kostet ein solcher Tanzwagen. "Die Musikbranche kann sich die Promotion nicht mehr leisten", sagte Lenz. Zudem spricht der Geschäftsführer von einer Normalisierung. Der Techno-Boom und die hohen Besucherzahlen Mitte bis Ende der 90er Jahre seien eine "Anomalie" gewesen.Auch das Label "Urban" des Branchenriesen Universal Music ist diesmal nicht mit einem eigenen Wagen dabei. Interessanter als der Umzug selbst seien für viele Plattenfirmen die Parties und Veranstaltungen im Umfeld der Loveparade, sagte Urban-Sprecher Markus Meyer. Wegen dieses Umfelds sei die Loveparade für Hersteller von elektronischer Musik noch immer eine der drei wichtigsten Veranstaltungen weltweit.

Protest gegen Kommerzialisierung

Rund 30.000 Anhänger elektronischer Musik würden am Wochenende eigens nach Berlin kommen, um an Konkurrenz- Veranstaltungen teilzunehmen, schätzt Meyer. "Aus Protest gegen die Party gehen Leute auf andere Partys." Kritiker hatten in den vergangenen Jahren wiederholt erklärt, die Loveparade sei zu kommerziell geworden.

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