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Air Berlin: "Benvingut, senyor Hunold!"

Die Katalanen schäumen, weil der Air-Berlin-Chef im Bordmagazin der Fluglinie über ihre Sprache witzelt. Nun gibt es die ersten Boykottaufrufe.

Von Ute Müller, Madrid

Spaniens Sprachen sind ein heikles Thema. Insgesamt vier Idiome werden im Land gesprochen, und immer wieder kommt es deswegen zwischen den Regionen und der Hauptstadt zu heftigen Reibereien. Niemand weiß das besser als Spaniens Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero, der die linguistische Vielfalt vehement verteidigt - auch weil sich damit ordentlich Wählerstimmen in der Peripherie einsammeln lassen. "Alle unsere Landessprachen haben ihre Daseinsberechtigung und bereichern unsere Kultur", lautet die Devise des Regierungschefs.

Das hätte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold bedenken sollen, als er sich im Bordmagazin der Fluggesellschaft über den Vormarsch des Katalanischen mokierte. "Mittelalterliche Kleinstaaterei" sei das Ansinnen der balearischen Landesregierung, dass es auf Flügen nach Mallorca bitte schön auch Durchsagen auf Catalán zu geben habe, wetterte Hunold dort. Womöglich müsse er bald Flugbegleiter einstellen, die neben der offiziellen Staatssprache Kastilisch auch noch Baskisch und Galicisch beherrschen. Überhaupt sei es doch "ziemlich gewöhnungsbedürftig", wenn der Strand von Palma - Platja de Palma - auf Katalanisch "Platscha" ausgesprochen werde.

Hunold ist bekannt dafür, im Editorial seiner Hauspostille nicht gerade zimperlich zu sein. An den Stammtischen in Madrid, wo der Vormarsch der Regionalsprachen misstrauisch beäugt wird, dürfte dem Manager nun auch kräftig applaudiert werden. Groß ist dagegen die Entrüstung unter den zehn Millionen Bewohnern Kataloniens und der Balearen - ist doch Catalán offizielle Landessprache der Inselgruppe. "Ich bin sehr enttäuscht über die unglücklichen Äußerungen, die in Ihrem Magazin zu lesen waren", klagte Juan Puig i Cordón, ehemaliger Abgeordneter der republikanischen Linken Kataloniens, in einem Brief an Hunold. Sein Idiom sei unter Diktator Franco jahrzehntelang unterdrückt worden, daher sei es selbstverständlich, dass die Katalanen nun ihre Sprache pflegen wollten. In seinem Internetblog versah Puig das Logo der Fluglinie gar mit einem Hakenkreuz und rief zum Boykott gegen die "Nazis von Air Berlin" auf.

Die Katalanen haben inzwischen ihre inoffizielle Botschaft in Berlin eingeschaltet. Und der balearische Ministerpräsident Francesc Antich will in Kürze beim Spanienchef von Air Berlin vorsprechen. Auch andere internationale Unternehmen wie Microsoft verwendeten die Landessprache bei Geschäften vor Ort, so das Argument der Regionalpolitiker.

Vielleicht ringt sich Hunold ja doch noch ein katalanisches "Benvinguts" ("Willkommen") an Bord ab. Denn seine Airline fliegt nicht nur die Balearen, sondern auch die Regionalhauptstadt Barcelona regelmäßig an. Und die Katalanen gelten eigentlich als sehr reiselustig.

FTD

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