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Meerespark Iroise: Ein Date mit Delfinen in der Bretagne

An der Westküste der Bretagne werden Delfine durch den Marine Naturpark d'Iroise geschützt. Urlauber können draußen auf dem Meer die Tiere beobachten. Eine Bootstour zu den Tümmlern.

Am liebsten hinterherspringen: Delfine umkreisen das Schlauchboot vor der Küste der Bretagne.

Am liebsten hinterherspringen: Delfine umkreisen das Schlauchboot vor der Küste der Bretagne.

Das da könnte eine Schaumkrone sein. Oder ein Stück Holz. Oder etwa doch...? Minutenlang schon wandern ungeduldige Blicke über das Meer, sie reiten die Wellen auf und ab, pflügen durch tiefes Blau. Bis eben noch ist das Schnellboot über das Wasser gejagt. Rasant hat es Wellen zerschnitten und Gischt aufgespritzt. Die elf Touristen an Bord triefen vor Salzwasser.

Mitten auf See hat Bootsführer Hervé Thomas den Motor abgestellt. Das Zodiac schaukelt umher, gut zehn Seemeilen vor der Küste der . In der Ferne glitzert der Leuchtturm von Pointe Saint-Mathieu in der Sonne, ein weißer Strich mit roter Haube. "Da" ruft ein Urlauber aufgeregt, "Flipper!" Dann sehen es alle: Zwei Rückenflossen tauchen zwischen den Wellen auf und ab. Auf und Ab. Auf und Ab. Sie steuern direkt auf das Boot zu: Delfine.

Ganz im Westen der Bretagne steht der Leuchtturm Saint-Mathieu vor den Ruinen einer verfallenen Abtei.

Ganz im Westen der Bretagne steht der Leuchtturm Saint-Mathieu vor den Ruinen einer verfallenen Abtei.

Ruhig sollten die Insassen des Schlauchbootes eigentlich sein, doch das Erstaunen muss raus. "Aaaah" und "Ooooh" - so tönt es über das Wasser, Finger zeigen auf Finnen, Handys klicken. Zwei Tiere sind aufregend nahe. "Sie kommen uns begrüßen", sagt Hervé. Eine silberne Schnauze ist zu sehen, ein Rücken, eine Fluke - und weg. "Wo ist er hin?", fragt eine Urlauberin und schaut und schaut. Auf der anderen Seite springt ein Delfin in die Luft. Er ist so verspielt, dass man hinterherspringen möchte in den zwölf Grad kalten . Er ist so schnell, dass viele Fotos später bloß bewegtes Wasser zeigen.

Kindliche Freude über die Delfine

Was kindliche Freude auslöst, ist in der Bretagne viel leichter möglich als anderswo in Nord- oder Mitteleuropa. Die Tümmler leben am Tor zum Ärmelkanal, der Iroise. Sie kennen die Boote und kommen fast immer, wenn Hervé neue Besucher bringt. "Die mögen uns."

Auf zum Ausflug: zu den Delfinen im Zodiac

Auf zum Ausflug: zu den Delfinen im Zodiac

Die Tiere profitieren vom Naturschutz. Der Atlantik hier ist rau, der Tidenhub enorm. Ebbe und Flut bewegen Wassermassen. Durch die Inseln und Meeresengen sind starke Strömungen entstanden, Riffe lauern allerorten. Am Meeresgrund liegen etliche Wracks, in den 70er Jahren havarierten gleich mehrere Frachter vor der Bretagne.

Der Tanker Amoco Cadiz verursachte 1978 die bis dato schwerste Ölpest Europas. Schwarze Teppiche schwappten an die Strände. Kein Frachter darf seither mehr die Passage du Fromveur nutzen. Das ist die Rinne zwischen der bretonischen Insel Ouessant weit draußen und dem Festland. 2007 schließlich gründete die Bretagne den Meeresnaturpark Iroise. "Wir wollen Umweltschutz und Fischerei in Einklang bringen", hat Parkdirektor Fabien Boileau vor dem Ausflug erzählt. 

Auf See tauchen weitere Delfine auf, ein Pärchen. "Das Männchen heißt Cyrano", sagt Hervé. Der Wind verschluckt seine üppige Erklärung. Hervé ruft bei jedem Delfin einen neuen Namen. Ob er sie wirklich alle erkennt? Irgendwie sehen die Tiere ziemlich gleich aus. Früher war Hervé, gegerbtes Gesicht, schwarzer Pferdeschwanz, Gitarrist, mit der Band durch Clubs getingelt. Heute tingelt der 53-Jährige mit Touristen auf dem Atlantik. Er zeigt ihnen , Felsen mit Kormoranen und Riffe mit Robben.

Robben liegen auf den Riffen im Atlantik vor der bretonischen Westküste

Robben liegen auf den Riffen im Atlantik vor der bretonischen Westküste

Mit hoher, heiserer Stimme erzählt er energisch gegen den Wind an. Denn wie viele Bretonen liebt er schöne Geschichten: "Wusstet Ihr schon, dass Delfine immer nur mit der einen Hälfte ihres Gehirns schlafen?" 

60 große Tümmler rund um Molène in der Bretagne

Für den Park seien diese Ausflüge in Ordnung, hatte Direktor Boileau gesagt. Hervé und seine Kollegen achteten gut auf die Delfine. Die Touren starten vormittags in der Küstenstadt Le Conquet - aber nur, wenn es nicht stürmt oder gießt. Häufig fällt der Trip aus. Oberhalb des Hafens erhebt sich das Institut der Parkschützer. Im Büro von Boileau liegt ein Fernglas. Auch er spottet gerne Delfine.

Mehr als 60 große Tümmler leben in den Archipel rund um die Insel Molene, sagt er. Weil es keine Frachter mehr gibt - und weil die meisten Algenfischer vertrieben wurden. Sie waren zu laut für den Park. Früher hätten die Fischer mit riesigen Rechen das Meer nach Algen durchkämmt, der Lärm sei für die Meeressäuger mit dem fantastischen Gehörsinn unerträglich gewesen. "Das war viel zu laut."

"Höllen" nennen die Franzosen solche Leuchttürme mitten auf hoher See, wie hier den Phare de Pierres Noires.

"Höllen" nennen die Franzosen solche Leuchttürme mitten auf hoher See, wie hier den Phare de Pierres Noires.

Um das Zodiac schwimmen und hüpfen noch immer Delfine, doch Hervé wirft den Motor an. Zeit für die Heimkehr. Es könnte sein letzter Ausflug in diesem Spätsommer gewesen sein, doch das ist schwer zu sagen. Denn der Atlantik bestimmt über die Ausflüge. Das Meer ist kapriziös.


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