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Internationaler Badetag: "Big Jump" in die Flüsse Europas

Baden ist nun vielerorts wieder möglich. Die Flüsse sind sauber. Zehntausende werden am Wochenende den 1. europäischen Flussbadetag feiern.

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang war Baden in den großen Flüssen Europas fast ein Tabu. Giftfrachten aus industrieller Produktion verschmutzten Rhein und Ruhr, Elbe und Werra, Loire, Themse und Ebro. Betriebsstilllegungen - vor allem im Osten - sowie der konsequente Einsatz von Abwasserbehandlungsanlagen sorgen seit mehr als zehn Jahren dafür, dass die Wasserqualität der Flüsse deutlich besser geworden ist."Für viele der untersuchten Schadstoffe ist ein erfreulicher Rückgang zu verzeichnen", sagt Roberto Epple vom European Rivers Network. Problematisch seien dagegen weiterhin Gülle und Kunstdünger aus der Landwirtschaft, vor allem Nitrate. Es gebe also weiterhin Handlungsbedarf, "damit die Flüsse wirklich sauber werden". Besonders gut ist nach seinen Worten inzwischen die Wasserqualität von Rhein und Elbe, wo es inzwischen wieder mehr als 100 Fischarten gibt.

Gute Wasserqualität

Ein Sprung ins kühle Nass ist nur noch in wenigen Flüssen gesundheitsgefährdend. Zu den "Sorgenkindern" gehört die durch Thüringen und Hessen fließende Werra, die nach einer Studie der Universität Kassel zu den am stärksten belasteten Flüssen Mitteleuropas zählt. Das Ökosystem in dem von der Kaliindustrie salzbelasteten Fluss sei tiefgreifend gestört, betonen die Wissenschaftler.Ganz anders ist die Situation der Elbe, wo im Sommer 2002 der erste länderübergreifende "Badetag" gefeiert wurde. An diesem Sonntag (17.7.) findet der zweite internationale Elbebadetag statt. "An mehr als 50 Orten in Deutschland und Tschechien sollen die Menschen ihren Fluss feiern und die gute Wasserqualität zum Baden nutzen", meint die Verlegerin Angelika Jahr, Schirmherrin des Projekts. Zeitgleich sind unter anderem an der Loire, an der Themse, an der Seine, am Ebro und am Rhein viele weitere Badefeste geplant. "Beim ersten europäischen Flussbadetag "Big Jump" werden Zehntausende die Flüsse für die Freizeit zurück erobern", hoffen die Initiatoren vom Rivers Network.

Das sei möglich, weil das Wasser vielerorts bereits wieder "Badequalität" habe. So hat nach Untersuchungen der Wassergütestelle Elbe die Belastung des Flusses mit hochgiftigem Quecksilber besonders abgenommen. Nachdem 1985 noch 28.000 Kilogramm des Schwermetalls die Elbe hinabflossen, sank diese Fracht im Jahr 2004 auf nur noch 1.000 Kilogramm. Weniger zufrieden stellend ist in diesen Tagen allerdings der Sauerstoffgehalt des Flusses, der schon seit Wochen den für Fische kritischen Wert von drei Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser unterschritten hat. "Für Menschen, die in der Elbe baden wollen, ist das aber kein Problem", erklärt Epple.Die Wasserwege bergen aber auch andere Gefahren, wie starke Strömung oder Schiffsverkehr. Die Lebensretter der DLRG empfehlen daher nur wirklich guten Schwimmern ein Bad im Fluss. So war erst in der vergangenen Woche ein 48-jähriger Familienvater in der Elbe ertrunken. Nach 25 Metern verließen ihn offenbar die Kräfte, die Strömung riss ihn elbabwärts.

Große Strandbäder

Auf große Strandbäder an ihren Flüssen werden die Menschen nach Einschätzung der Fachleute daher wohl auch künftig verzichten müssen. Das war um die Jahrhundertwende noch ganz anders. So tummelten sich die Hamburger damals vielerorts in Badeanstalten an der Elbe. An schönen Sommertagen kamen mehr als 10.000 Gäste ins Wittenberger Strandbad kurz hinter Blankenese. Für 20 Pfennig Eintritt konnten sich die Menschen hier - züchtig verhüllt - in die Fluten stürzen.

Maja Abu Saman / DPA / DPA

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