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Mallorca-Urlaub in Gefahr: Spaniens Fluglotsen beschließen Streik

Im August sind in Spanien zwölf Millionen Reisende mit dem Flugzeug unterwegs. Mitten in der Hauptreisezeit wollen die spanischen Fluglotsen in einen mehrtägigen Streik treten. Das Chaos ist vorprogrammiert.

Von Till Bartels

Nach dem Streik der Fluglotsen in Frankreich und Griechenland im vergangenen Monat müssen ab Mitte August auch Urlauber, die zu den Ferienzielen auf dem spanischen Festland und in Richtung Balearen und Kanaren unterwegs sind, mit erheblichen Behinderungen bei ihrer Ab- oder Anreise rechnen.

Ausgerechnet in die touristische Hochsaison fällt die angekündigte Arbeitsniederlegung der spanischen Fluglotsen. Bei einer Urabstimmung stimmten 98 Prozent der Fluglotsen für den Arbeitskampf, wie die Union Sindical de Controladores Aereos (USCA) mitteilte. Die fast 2000 spanischen Fluglotsen gelten als gut organisiert. 92 Prozent von ihnen sind Mitglied der Lotsengewerkschaft. Allerdings kann nach einer gesetzlichen Regelung der Aufstand frühestens am 15. August beginnen.

Noch muss die Gewerkschaftsführung darüber entscheiden, ab wann und wie lange gestreikt wird. Wie spanische Medien berichten, ist von drei Tagen die Rede. Mit einem Streikbeginn gleich am 15. August sei aufgrund des traditionell sehr hohen Fluggastaufkommens an jenem Augustwochenende nicht zu rechnen. Eher könnte der Arbeitskampf am 18. August beginnen.

Spanische Hoteliers in Sorge

Hintergrund des Arbeitskonflikts, der auf dem Rücken Tausender Urlauber und Geschäftsreisender ausgetragen werden soll, ist ein seit Monaten schwelender Konflikt zwischen den Fluglotsen und der spanischen Regierung. Seit Februar diesen Jahres verdienen spanische Fluglotsen bis zu 40 Prozent weniger, weil ihre Überstunden nicht mehr mit dreifachen Lohnaufschlag honoriert, sondern nur noch wie reguläre Arbeitsstunden bezahlt werden. Mit dem Streik will die USCA gegen die neue Regelung der Überstunden und der Ruhezeiten protestieren. Dagegen argumentiert die spanische Regierung, dass die Lotsen in Spanien erheblich besser bezahlt seien als in anderen EU-Ländern. In den letzten Monaten häuften sich die Krankmeldungen spanischer Fluglotsen, weil sich die Arbeitsbelastungen und die Überstunden erhöht haben. Die Regierung interpretiert dieses Verhalten der Fluglotsen als verdeckten Streik.

Für die spanische Tourismuswirtschaft kommt der angekündigte Streik zur falschen Zeit. Der Verband der Fluglinien (ALA) warnte davor, dass bei einem Streik viele Urlauber Spanien den Rücken kehren und ihre Ferien in anderen Mittelmeerländern verbringen würden. Ramón Cottrell, der Generalsekretär des Hoteliersverbandes Cehat, ist über die Streikankündigung "empört" und fordert in der Tageszeitung "El Pais" die spanische Regierung auf, dafür zu sorgen, dass kein "Chaos" entstehe und der Flugverkehr in Spanien nicht zusammenbreche. Der spanische Verkehrsminister José Blanco López verlagt von den Fluglotsen, dass während der Streiktage ein Mindestbetrieb aufrecht erhalten wird.

Noch bleibt Zeit für Verhandlungen. Sowohl die Lotsengewerkschaft als auch die staatliche Betreibergesellschaft aller spanischer Flughäfen, die Aeropuertos Españoles y Navegación Aérea (AENA), signalisierten am Mittwoch Gesprächsbereitschaft.

mit DPA

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