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Trekken ohne Gepäck: So macht Wandern noch mehr Spaß

Wandern ohne Gepäck ist die bequemste Art, die Natur zu durchforsten. Der Thrill beginnt erst am Ende des Tages. Ein Erfahrungsbericht in deutschen Landen.

Holzbohlen über Morrlandschaft

Unbeschwertes Wandern in der Eifel: Im Rucksack nur ein Müsliriegel und etwas zum Trinken, im Auto reist der Koffer voraus zur nächsten Unterkunft. 

Eines gleich vorweg: Wandern ohne Gepäck - das klingt so lullimäßig, ich weiß. Voll schlapp. Ist es aber nicht. Es gibt härtere Varianten des Wanderns. So mit Rucksäcken in der Größe von Müllcontainern auf dem Rücken. Und dann ab über Bergketten, durch Wüsten oder durch die arktische Tundra. Da schläft man in Zelten und muss mangels Toilette bei eisigen Winden auf den Permafrostboden knattern.

Aber ich bin jetzt über 50 und muss nicht mehr den Backpacker raushängen lassen. Doch ich will mich bewegen, unterwegs sein in der Natur. Gern auch im eigenen Land. Das kennt man ja gar nicht so gut. Und darum ist "Wandern ohne Gepäck" genau das Richtige. Die Fremdenverkehrsämter vieler deutscher Ferienregionen bieten feste Routen durch die Natur an. Die Hotels werden im Voraus gebucht. Mal dauert die Tour drei Tage, mal eine Woche.

Erlebnisurlaub der anderen Art

Man parkt sein Auto am Beginn jeder Wanderung an einem Checkpoint, gibt dort sein Gepäck ab und wandert los. An jedem Zielort wartet auf dem Zimmer im Hotel bereits der Koffer, den dienstbare Geister dorthin geliefert haben. So geht es die gesamte Tour über. Stets wandert man nur mit einem leichten Rucksack, der den Proviant enthält, und der Sherpa mit dem Auto erledigt den Rest.

Meine Frau und ich haben das jetzt schon dreimal gemacht: in der Eifel, dem Sauerland und dem Osnabrücker Land. Letzteres war nicht so der Hit. Dieser Teil unserer Heimat ist größtenteils von eher schlichter Schönheit. Das Sauerland und die Eifel kommen schon cooler rüber. Wenn Sie jetzt denken: Klingt aber irgendwie voll spießig und wenig prickelnd, da so durch die deutsche Provinz zu latschen - nun, dann lassen Sie sich sagen: Ja, das stimmt. Es ist nicht spektakulär und mitnichten Adventure-Trekking.

Es gibt in der Eifel keine Bären oder indigene Völker, die mit vergifteten Pfeilen aus dem Urwalddickicht heraus auf Wanderer schießen. Dennoch hat diese Art des Erlebnisurlaubs ihren speziellen Reiz, und ich werde es bestimmt wieder tun.

Russisch Roulette bei der Unterkunft

Der größte Thrill folgt am Ende des Wandertags, wenn man nach 20 Kilometern durch die Natur urbanes Gelände erreicht und sieht, in welches Hotel es einen diesmal verschlägt. Wir haben alles erlebt: tolle Landhotels mit Wellnessbereich, halb verfallene Kaschemmen mit Norman-Bates-artigen Betreibern und funktionale 70er-Jahre-Bauten mit dem Charme von aufgegebenen Busdepots. Jedes Mal ein Erlebnis.

Auch das Essen. Wir haben allein in riesigen Festsälen gefrühstückt, in Wohnküchen mit am Tisch gesessen und abends an runden Tischen mit Sauerland-Ureinwohnern gebechert. Das Essen war zum Teil hervorragend, oft durchschnittlich, und gelegentlich schmeckte es wie Hund hinten. Wir tranken ordentlichen Wein, aber auch Rebensaft, mit dem man Möbel abbeizen könnte.


Am nächsten Morgen ging es weiter zum nächsten Abschnitt der Tour, und da konnte schon wieder ein Gourmet-Tempel für alles entschädigen. Oder eben auch nicht. No risk, no fun!

Man glaubt gar nicht, wie malerisch schön es im Sauerland, in der Eifel oder sonst wo in der Provinz sein kann, wenn man die Städte erst mal hinter sich gelassen hat. Das gilt sogar für Lemgo und Pforzheim. Man muss nicht weit wegfliegen, um in der Natur runterzukommen. Am besten mit "ohne Gepäck". 

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