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Schwere Sicherheitsvorwürfe Pilotenvereinigung attackiert Ryanair


Drei Notlandungen an einem Tag: Hat Billigflieger Ryanair aus Kostengründen beim Kerosin gespart und damit die Sicherheit der Passagiere gefährdet? Der heikle Verdacht steht im Raum.
Von Birgit Jennen, Madrid

Ryanair ist in Spanien, einem der wichtigsten touristischen Märkte, ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Das spanische Verkehrsministerium hat eine Untersuchung gegen die Billigfluggesellschaft eingeleitet, nachdem an einem Tag gleich drei Ryanair-Maschinen notlanden mussten. Die Behörde will Vorwürfe prüfen, die Flugzeuge seien wegen Treibstoffmangels notgelandet. "Wenn eine Fluglinie an einem Tag dreimal wegen Kerosinmangels notlanden muss, dann stimmt etwas im System nicht", kommentierte der Sprecher der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, die Vorfälle gegenüber der "Financial Times Deutschland".

Der Verdacht, die Sicherheit der Passagiere gefährdet zu haben, ist für jede Fluggesellschaft heikel. Ryanair wirbt jedoch offensiv mit dem Image als Billigfluglinie - und um dem immer wieder aufkeimenden Verdacht zu begegnen, dass solche Low-Cost-Anbieter auf Kosten der Sicherheit sparen, hat Ryanair-Chef Michael O'Leary in den vergangenen Jahren verstärkt investiert. "Alle drei Maschinen landeten normal und mit ausreichenden Kerosinvorräten", wies ein Sprecher die Vorwürfe zurück.

Ryanair: Sicherheitsvorschriften erfüllt

Die Notlandungen, die sich schon am 26. Juli ereigneten, haben daher das Potenzial, das Image von Ryanair stark zu beschädigen. Im Auftrag des Verkehrsministeriums untersucht nun die spanische Flugsicherheitsbehörde (AESA) unter anderem, ob die Maschinen möglichst knapp betankt wurden. Damit sind die Flugzeuge leichter - und somit billiger zu betreiben.

Wegen eines Gewitters mussten am 26. Juli zahlreiche Flüge nach Madrid auf den Flughafen Valencia umgeleitet werden, der eine Stunde entfernt liegt. Dort hatte sich jedoch bereits eine Warteschleife gebildet. "Nachdem drei Maschinen 50, 68 und 69 Minuten nach der geplanten Landezeit in Madrid noch über Valencia kreisten, beantragten die drei Ryanair-Maschinen eine sofortige Landung, da die Kerosinmengen an Bord ein Minimum erreicht hatten", erklärte Ryanair den dreifachen Notruf. Zum Zeitpunkt der Landung sei noch Treibstoff für rund 30 Minuten Flugzeit im Tank gewesen, womit Ryanair die Sicherheitsvorschriften erfüllt habe. Der spanische Verbraucherverband Ceaccu hingegen sah die Sicherheit der Passagiere "schwer" gefährdet.

Druck auf Piloten ausgeübt?

In der Branche wird nun diskutiert, ob das Vorgehen von Ryanair System hat. "Ryanair setzt die Piloten unter Druck, nicht zu viel Treibstoff zu tanken", monierte Kapitän Handwerg. Die Zeitung "Irish Independent" berichtet von einem internen Schreiben an die Piloten von Ryanair, wonach das Management den "exzessiven" Kerosinverbrauch moniert habe, weil dies den Effizienzzielen widerspreche. Ryanair nimmt hierzu keine Stellung. Der Sprecher erklärte nur, jede Fluglinie verfolge eine auf Flugdaten beruhende Treibstoffpolitik, womit sich Ryanair im rechtlichen Rahmen bewege.

Um auf unvorhersehbare Vorfälle wie Gewitter oder längere Warteschleifen reagieren zu können, müssten Piloten die Tankfüllung in Eigenregie bestimmen können, so Handwerg. Ein Versuch des Managements, den Kerosinverbrauch zu beschränken, sei "grob fahrlässig".

FTD

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