HOME

Segeltörn: Buchten-Hopping durch die Ägäis

Die südliche Küste der Ägäis ist fast noch ein Geheimtipp. Von hier aus startet die "Mavi Yolculuk", die Blaue Reise: Mit Segelschiffen schippert man gemütlich von Bucht zu Bucht. stern.de ist mit an Bord gegangen.

Von Angelika Dehmel

Mitte Juni fraßen sich noch Waldbrände durch den Südwesten der Türkei. Auch an der Ägäisküste in der Nähe von Bodrum wütenden die Flammen, sodass viele Touristen evakuiert werden mussten. Mittlerweile erholt sich die Natur wieder und ein Besuch in die Gegend lohnt sich - vor allem, wenn man sich die Küste auf einem Schiff vom Wasser aus anschaut.

Im Yachthafen von Bodrum, dem antiken Halikarnassos, findet jeder genau das richtige Schiff für seine Reise. Wer sich nicht erholen, sondern lieber feiern will, heuert bei den großen Partyschiffen an. An Bord gibt es vor allem junge Leute und laute Technomusik. Traditionsbewusste buchen da lieber kleine romantische Holzboote, auch "Gület" genannt. Auch die Dauer der Reise ist variabel - vom Tagesausflug bis zum Zwei-Wochen-Tripp ist alles möglich. Manche Hotels haben sogar gleich ihr eigenes Schiff. Das Hotel "The Marmara Bodrum", das sich hoch über der Stadt Bodrum an die Berghänge schmiegt, bietet seinen Gästen einen Ausflug auf der hoteleigenen Holzsegelyacht an. Zehn Passagiere passen maximal auf das kleine Segelschiff.

Sonnenbaden und den Wellen lauschen

Heute ist Steve mit an Bord, ein Engländer, der aber "in Norwegen lebt und mit einer Inderin verheiratet ist", wie der schmächtige Mann mit Schnauzer erklärt, während er vorsichtig auf einem wackelnden Steg ins Boot klettert. Steve lässt sich von zwei einheimischen Freunden, die es sich gerade auf den dunklen Holzbänken an Deck gemütlich machen, die Umgebung von Bodrum zeigen. "Mavi Yolculuk", die Blaue Reise, gehört mittlerweile zu den beliebtesten Urlaubsformen an der türkischen Südküste. Man kreuzt von einer Bucht in die nächste und macht dort halt, wo das Wasser zum Reinspringen lockt. Sonnenbaden an Deck, Schwimmen im tiefblauen Meer und nichts hören, als das Plätschern der Wellen, die leise an den Rumpf aufschlagen. Schon nach einer halben Stunde Fahrt geht das Boot in einer kleinen namenlosen Bucht vor Anker. Der Skipper lässt die Treppe herunter und zeigt freundlich auf das Wasser: Reinspringen, bitte! Steve lässt sich das nicht zweimal sagen, zieht schnell seine Sachen aus und springt mit einem mehr oder weniger eleganten Kopfsprung ins Wasser. Doch kaum ist er wieder an Bord, kommen schon die nächsten Schiffe. Laute Bässe und Technomusik dröhnen schon von weitem und kommen immer näher: Eines der Partyschiffe hat die "Marmara"-Yacht eingeholt.

Urlauber mussten evakuiert werden

Der Skipper startet den Motor, und steuert das Schiff in einem großen Boden um die schwimmende Party herum - und schon ist die Yacht wieder unterwegs, um eine ruhigere Bucht zu finden. Steve holt eine Landkarte hervor und lässt sich vom Skipper die Tour zeigen. Von Bodrum aus haben wir die griechische Insel Kos rechts hinter uns gelassen und halten uns nun nahe an der türkischen Küste. Auf einmal zeigt Steve aufgeregt ans Ufer: Die Erde dort ist zum größten Teil verbrannt, nur noch ein paar verkohlte Baumskelette ragen daraus hervor. "Im Juli wütete hier eine große Feuersbrunst", erzählt der Skipper. Hunderte von Urlaubern hatten deswegen in Sicherheit gebracht werden müssen, und die Küstenstraße nach Bodrum sei vorübergehend gesperrt gewesen, erklärt er mit sorgenvollem Blick. und zeigt auf die Küste, wo die verkohlte Erde bis wenige hundert Meter vor einem riesigen Hotelkomplex reicht.

Als wir weiterfahren, lassen wir den schwarzen Küstenstreifen bald hinter uns und verdösen den Rest des Tages auf dem Sonnendeck. Erst auf dem Rückweg kommt die "Marmara" wieder an der dieser Stelle vorbei, doch im Abendlicht sieht alles auf einmal viel freundlicher aus. Am Ende des Tages erreicht das Boot wieder den Bodrumer Yachthafen - gerade noch rechtzeitig, um einem kitschig-romantischen Sonnenuntergang mitzuerleben.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity