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Mehrere Tote Waldbrände bei Antalya außer Kontrolle – Auswärtiges Amt rät Reisenden zur Vorsicht

Ein Löschfahrzeug und zwei Feuerwehrleute in einer brennenden Landschaft
Feuerwehrleute kämpfen in der Nähe der südtürkischen Stadt Manavgat gegen die Flammen
© Ilyas Akengin / AFP
Das Ausmaß der Waldbrände im Süden der Türkei ist gewaltig. Drei Menschen starben, Orte und auch Hotels mussten evakuiert werden. Die Feuerwehrleute sind am Ende ihrer Kräfte.

Im Süden der Türkei wütet derzeit eine Brandkatastrophe, die bislang nicht in den Griff zu bekommen ist und nach offiziellen Angaben bislang drei Menschen das Leben gekostet hat. Bis zum Freitag wurden die Einsätze gegen die zahlreichen Waldbrände an der Mittelmeerküste und an anderen Orten des Landes fortgesetzt. Hatte es Mitte dieser Woche noch geheißen, die Urlaubsorte in der Region seinen nicht betroffen, weil die Feuer in und um die Region Antalya etwas weiter entfernt von der Küste brannten, breitet sich das Inferno inzwischen immer weiter aus.

Das Auswärtige Amt riet angesichts der großflächigen Waldbrände insbesondere in den Provinzen Antalya, Mugla und Aydin zur Vorsicht. Reisende sollten sich vor ihrer Abreise bei den Reiseveranstaltern über die aktuelle Lage informieren und vor Ort die Anweisungen des Hotelpersonals und der Behörden befolgen.

Die Brände sind auch für die Einsatzkräfte in der Türkei wegen ihrer Massivität eine Katastrophe. Feuer, die in ihrer Zahl normalerweise über einen langen Zeitraum auftreten, seien innerhalb von zwei Tagen ausgebrochen, sagte Bekir Pakdemirli, der Minister für Land- und Forstwirtschaft. Zahlreiche Brandeinsätze müssten gleichzeitig koordiniert werden – dies komme so nur selten vor. Alle Helfer seien sehr erschöpft.

Dutzende Feuer in und um die Region Antalya

Seit Mittwoch waren zahlreiche Brände an unterschiedlichen Orten der bei Touristen beliebten Mittelmeerküste ausgebrochen. Laut Fahrettin Altun, dem Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten, loderten bis Freitagmorgen insgesamt 63 Feuer in der Region.

Die Ursache des Infernos ist weiterhin unklar. Am Donnerstag hatten die Behörden Ermittlungen wegen des Verdachts der Brandstiftung aufgenommen, nachdem die Brände am Vortag gleichzeitig an verschiedenen Stellen ausgebrochen waren, meldete die Nachrichtenagentur AFP. Betroffen waren die Orte Manavgat, Alanya, Adana, Mersin, Bodrum und Marmaris. 

Viele Regionen mussten evakuiert werden, auch Hotels in der Mittelmeerstadt Marmaris und in der Nähe von Bodrum waren betroffen. Aufnahmen im Internet und im Fernsehen zeigten am Donnerstag, wie Anwohner aus ihren Autos sprangen und im orangefarbenen Licht der Flammen durch rauchgefüllte Straßen um ihr Leben rannten. Auf den Aufnahmen waren meterhohe Flammen, dunkle Wolken und verkohlte Landschaften zu sehen. Nach Behördenangaben wurden mindestens 20 Häuser komplett zerstört. 18 Dörfer und Siedlungen in der Region Manavgat wurden evakuiert.

Mehr als Hundert Verletzte durch die Feuerkatastrophe in der Türkei

Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden mindestens 122 Menschen verletzt, 58 von ihnen waren am Donnerstag noch im Krankenhaus. Unter den Verletzten war auch ein Deutscher. Ein Waldarbeiter habe den Mann bewusstlos an einem Wegesrand in Antalya gefunden und ihn in Sicherheit gebracht, berichtete die regierungsnahe Nachrichtenagentur Demirören Haber Ajansi. Der Mann habe Brandwunden an den Händen und im Gesicht.

Eines der Todesopfer war Medienberichten zufolge ein 82-jähriger Mann, der sein Haus nicht mehr verlassen konnte, sowie ein 25-Jähriger, der die Einsatzkräfte in ihrer Arbeit unterstützen wollte. Mit seinem Motorrad habe er Löschwasser transportiert, sei in einen Verkehrsunfall geraten und getötet worden.

Wie Minister Pakdemirli berichtete, starb auch viel Vieh sowie in den Wäldern lebende Tiere in den Flammen. Nach bisheriger Schätzung kamen laut seinem Ministerium 150 Rinder und tausend Schafe um. Zudem wurden 600 Hektar Ackerland zerstört.

Die Ermittlungen zu den Brandursachen laufen derweil weiter, sagte Pakdemirli am Freitag – leider gebe es dazu viele Spekulationen im Netz. In den sozialen Medien wurden Vermutungen laut, Zahl und Ausmaß der Brände legten nahe, dass es sich um gezielte Anschläge handle. Auch diese Möglichkeit werde untersucht, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Katastrophenhelfern mangelt es an technischer Ausrüstung

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, bisher seien drei Menschen im Zusammenhang mit den verheerenden Bränden festgenommen worden. Allein in Antalya seien 42 Stadtteile von dem Brand beeinträchtigt worden, viele Haushalte seien derzeit ohne Strom. Andere Regionen ergriffen Vorsichtsmaßnahmen und verboten etwa den Zutritt zu Wäldern, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Laut Erdogan sind unter anderem fünf bis sechs Flugzeuge, 45 Helikopter und mehr als 20.000 Einsatzkräfte in den betroffenen Regionen unterwegs. Kritik wurde an der technischen Ausstattung laut. Umweltminister Murat Kurum gestand Fehler ein – man habe keine Löschflugzeuge im Inventar, der Fehler solle behoben werden. Aus Russland, der Ukraine und Aserbaidschan seien zusätzliche Flugzeuge angefordert worden, sagte Erdogan.

anb DPA AFP

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