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Skifahren in Savoyen: Preiswert auf die Piste

All inclusive geht auch im Winterurlaub. In den französischen Alpen sind Unterkunft, Skipass, Verleih und Kurs im Reisepreis bereits enthalten. Dafür steigt man im Appartement ab und schläft in Etagenbetten. Après-Ski findet nicht an der Hotelbar statt, sondern auf dem Zimmer oder Balkon.

Von Marina Kramper

Dichte Schneeflocken fallen auf Häuser, Strassen und Bäume. Es ist Ende März und in anderen Alpenregionen klappen die Wintersportorte schon die Bürgersteige hoch. Nicht in Savoyen, dem französischen Teil der Alpen. Hier liegt der Schnee noch bis Ende April. Und wenn man Schnee sagt, dann heißt das reiner, schöner Pulverschnee.

In Savoyen sind die Täler rau und schroff, die Berge nähern sich der Viertausender-Grenze. Von einigen Berggipfeln blickt man in das Montblanc-Massiv mit dem höchsten Berg der Alpen. In den gewachsenen Ortschaften am Talgrund weist nur wenig auf die Nähe zu den schneesicheren Skigebieten hin. Häuser und Strassen wirken eher ein bisschen abgerissen, wie die Kulisse aus einem frühen Film noir.

Keine Ferien im Alpenglühen

Im Außenpool des "La Turra" toben Kinder und Jugendliche, sie fangen die dichten Flocken mit dem Mund. "Kinder, raus aus dem Wasser, wir sind mit Sauna dran!" Eine resolute Mutti schiebt ihren Nachwuchs vom Pool ins Schwitzbad. 15 Minuten stehen sie in der Saunaschlange und warten brav, bis ihre Zeit gekommen ist.

Sauna und Außenpool gehören zu "La Turra", einer Appartementanlage in Valfrejus. Die Wintersportsiedlung auf 1550 Meter Höhe zu den schneesicheren Wintersportgebieten in Savoyen. 80 Appartements auf sechs Stockwerken beherbergen Wohnungen für vier bis acht Personen. Die Räume sind gemütlich aber nicht großzügig. Daher sollte man mit vier Personen mindestens zwei Betten mehr buchen.

Industrieller Tourismus in Frankreich

Die Anlage gehört keiner Hoteliersfamilie, sie wird von einer Managerin betreut. Savoyen ist für deutsche Skitouristen, die sich sonst in den deutschsprachigen Alpenländern zu Hause fühlen, eine eher unbekannte Gegend. Diese Ecke in den französischen Alpen gehört wegen der industriellen Struktur für moderne "Neckermänner" zu den günstigsten Skiorten. Wo vor ein paar Jahren nur Franzosen zum Wintersport fuhren, treffen sich jetzt Holländer, Deutsche, Engländer, Tschechen, Slowaken und Polen. Französischkenntnisse aus Schulzeiten können ohne Peinlichkeiten angewendet werden. Amtssprache beim Skiverleih und im Supermarkt ist ein einfaches, lockeres Englisch.

Preiswerter Familienurlaub

Anna Grün, Kai Kahrmann und Eva Bettag sind aus Ludwigshafen nach Valfrejus angereist. Per Bus mit dem Veranstalter "Snowtrex". Nachts um eins hielt er in Mannheim und brachte die Drei am nächsten Mittag in ihr Appartement im Chalet d'Arrondaz. Eva konnte sowohl Skier wie auch Snowboard in den Bus verladen. Annas Mama ist über den Bertelsmann Club auf die Reise aufmerksam geworden, alles Übrige haben die Jugendlichen selbstständig organisiert. "Natürlich war der Preis das Hauptargument", meint Kai, "aber es gefällt uns wirklich gut hier." Anna hat sich die Reise im Baukastensystem zusammengesetzt. Sie zahlte für eine Woche Valfrejus mit Busfahrt, Unterkunft, Skiverleih, Skipass und Skikurs 500 Euro. Und das bei einer absoluten Schneegarantie.

Die sportliche Eva fährt seit ihrem dritten Lebensjahr Ski. Bisher immer nur in Österreich. "Ich war einfach mal neugierig auf Frankreich", bekennt sie. Alle sind sich einig, dass Ihre Erwartungen sogar übertroffen wurden. Abends treffen sie sich im Appartement zum Kochen. Anna, die mit Skilaufen erst hier begonnen hat, meint: "Ich bin dann sowieso zu müde, um noch aus dem Haus zu gehen." Die skierfahrene Eva vermisst das Nachtleben schon eher, eine Bar mit Musik, wie sie es aus Österreich kennt, gibt es hier nicht. Der Kontakt bleibt innerhalb der Gruppe.

Obwohl das Wort es anders vermuten lässt, ist "Apres Ski" eine österreichische Erfindung. Die Franzosen reisen in die winterlichen Berge, um Ski zu fahren. Abends ein Glas Wein zum Essen und gut ist. Der erlebnisgesättigte Mehrwert, den Österreich mit Wellness und Apres Ski gut vermarktet, gibt es hier schlichtweg nicht. Ohnehin ist der Alkohol teuer, und wer billig reist, wird sich das Budget nicht durcheinander bringen lassen wollen. So schleppen die jungen Männer die Sixpacks in ihre Snowboardhöhlen und stapeln sie zum Kühlhalten auf dem Balkon, neben den Snowboards, Skier und Skiklamotten.

Appartements statt Hotels

Der Ferienort besteht aus mehrstöckigen Appartementanlagen. Wer hier anreist, verpflegt sich selbst, denn es existieren nur wenige Restaurants. "Sherpa", der Supermarkt am zentralen Platz des Ortes, versorgt Familien und angereiste Gruppen wie Anna, Kai und Eva, die hier Frühstück und Abendessen einkaufen. Der Platz am Lifthaus der „Telecabine“ versprüht den Charme einer Ferienanlage. Ein bisschen "Malle im Schnee". Statt Ballermann organisiert der hiesige Tourismusverband drei puschelige Eichhörnchen in Lebensgröße, die den Müttern und Kindern bei der Skigymnastik helfen. Coole Snowboarder registrieren das liebevoll amüsiert.

Die Liftanlagen sind nicht mehr auf dem neusten Stand, aber sie werden permanent gewartet und bei Schneefall entsprechend verantwortungsvoll gehandhabt. Den liegen gebliebenen Nachtschnee muss man sich morgens allerdings noch selbst von den Sitzen wischen, der Kontakt zu dem Liftpersonal ist eher unpersönlich. Aber bei 150 Euro für eine Woche Unterkunft inklusive Skipass nimmt man einen vorübergehend nassen Hosenboden gerne in Kauf.

Auf Neuschnee nach Valfrejus

Snowboarder und Skiläufer fahren ihre Wintersportgeräte im dichten Schnee bis direkt vor die Tür ihrer Appartements: Im Supermarkt des Ortes haben Schneeketten Hochkonjunktur und die geparkten Autos verschwinden unter meterdicken Federdecken. Der Schnee überdeckt alles, auch die Risse in den Gehwegen und die Müllcontainer am Straßenrand. Valfrejus sieht aus wie eingezuckert.

Oben an der Mittelstation werden die Snowboards neu erfunden. Auf dem Hintern oder auf den Knien wird mit ihnen am Anfängerhang gerodelt. Die Sicht ist bei so dichtem Schneetreiben nicht gerade überwältigend. Alle triefen von den dicht fallenden Flocken vor sich hin, aber die Gesichter mit roten Wangen strahlen. Solche Schneemassen hat man selten, und das verbindet die europäischen Ski- und Snowboardfahrer. Auf den gestern noch ramponierten Pisten liegt jetzt ein frisches, weiches Flockenbett. Gerade hinstellen und die Skispitzen frei geben, heißt es bei Neuschnee. Und schon saust man weich gepuffert hinab ins Tal.

Weitere Infos
La Turra Residence: Rue de Cheval Blanc, F-3500 Valfrejus, Tel. +33 (0)321 30 79 88, E-Mail: reservation@la-turra.com, www.la-turra.com
Snow-Trex Reisen GmbH: Gottesweg 56-62, 50969 Köln, Tel. DE: 0221/ 33 60 60, CH: 044/700 50 60, AT: 01/58 11 300, E-Mail: info@snowtrex.com, www.snowtrex.de

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