HOME

Skigebiete in Osteuropa: Hohe Berge zu niedrigen Preisen

Wenn in den Skiferien die Urlaubskasse nicht wie Schnee in der Sonne schmelzen soll: In Osteuropa locken blühende Schneelandschaften für kleines Geld. stern.de zeigt die vier besten Skigebiete von Slowenien bis zur Slowakei.

Von Patrick Witte

Verschneite Bergdörfer, feinster Tiefschnee oder romantischer Hüttenzauber - das ist längst nicht mehr nur die Domäne der mondänen Alpenwelt. Auch im Osten heißt es Ski und Rodel gut. Ob Schussfahrt in der Hohen Tatra, Langlauf im Riesengebirge oder Freeriding in Slowenien: Polen & Co bieten preiswerte Alternativen zum alpinen Skizirkus.

Zakopane gilt als das St. Moritz Polens. Bereits im 19. Jahrhundert trafen sich hier die Künstler und Intellektuellen, angezogen von der grandiosen Bergkulisse. Nach der Wende lockte der verblichene Charme des Sozialismus. Als Vorreiter fuhren hippe Berlin-Mitte-Bewohner mit dem Nachtzug in die Karpatenwelt. Dass die Skilifte nur schleppend funktionierten und die Betten durchgelegen waren, störte sie nicht wirklich.

Es muss nicht immer Ischgl sein

Inzwischen leuchten auch im Osten die Westreklamen und Skianzüge, dröhnen die Technobässe. Auch sonst präsentiert man sich auf westlichem Niveau. Seit Jahren investieren die Wintersportzentren Zakopane, Spindlermühle oder Krajnska Gora Millionen in ihre Infrastruktur: Sessellifte, High-Tech Schneekanonen oder elektronische Lift-Cards - alles längst Standard. So ist Schneespaß bis weit in den April garantiert.

Wer viel Wert auf ausgedehnte Abfahrten legt, spürt die Grenzen der vergleichsweise niedrigen Berghöhen. Es gibt nur wenige wirklich lange, zusammenhängende Pisten. Kein Skigebiet in Osteuropa bietet mehr als 45 Pistenkilometer. Berücksichtigt man das Preis-Leistungsverhältnis spricht vieles für einen Abstecher in östliche Skiregionen. Während ein Sechs-Tage-Trip mit Liftpass, Ausrüstung und Übernachtung in Spindlermühle im tschechischen Riesengebirge für 500 Euro zu haben ist, kostet Vergleichbares in Österreich locker das Doppelte.

Zakopane, Polen: Warmes Bier mit Nelken

Im Sommer eine verschlafene Kleinstadt - im Winter die polnische Hauptstadt des Skisports. Dann strömen bis zu drei Millionen Touristen in das auf 900 Metern gelegene Zakopane. Und längst nicht nur Einheimische. Nach der Wende waren es vor allem Backpacker aus dem Westen, die das Dorf der Goralen, einem Volksstamm, der an der polnisch-slowakischen Grenze lebt, entdeckten.

Heute prägen mehr und mehr Russen das Stadtbild. Zu reich für ihre Heimat, aber zu arm für St. Moritz, amüsieren sie sich auf der Flaniermeile von Zakopane. Auf der Ulica Krupowki, verkaufen Großmütter zwischen Fastfood- und Souvenirläden noch ihren selbstgemachten Schafskäse.

Auf den sieben schwarzen und roten sowie zwei blauen Pisten rund um den 1987 Meter hohen Hausberg Kasprowy Wierch finden Einsteiger wie Könner ihre passende Strecke. Neben den insgesamt 25 Pistenkilometern gibt es zwei Eislaufbahnen sowie eine Sprungschanze. Für Langläufer gibt es um Zakopane herum Loipen. Nur die Snowboarder werden hier nicht glücklich.

Fazit

Obwohl Zakopane bunter und kommerzieller geworden ist, trägt es seinen Ruf als das "St. Moritz der Karpaten" zu Recht. Ob steile Pisten oder Langlauf, Schlittschuh oder Schneewandern, hier findet jeder sein eigenes Wintermärchen. Sechs-Tage Ski-Pass mit Ausrüstung kosten ungefähr 175 Euro.

Infos

Übernachtung

Selbstversorger übernachten in den urigen Holzhäuser: rustikale Einrichtung, oft mit offenem Kamin. 20 bis 25 Euro pro Person und Nacht. Online-Buchung unter www.discoverzakopane.com
Seit Jahren beliebt: das Hotel Giewont, mitten im Zentrum, Doppelzimmer mit Frühstück ab 55 Euro, www.giewont.net.pl
Essen und Trinken
Das Pistengetränk in Zakopane ist warmes Bier mit Nelken - getrunken mit dem Strohhalm. Geheimtipp: Krupnik -polnischer Wodka mit Honig. Im Restaurant Nosalowy Dwór brutzeln deftige Würste oder Rippchen auf dem Rost. Après-Ski feiert man im Szene-Club Va Va Voom, ruhiger und gediegener ist das Café Piano.
Touristen-Information

Kranjska Gora, Slowenien: Kein Tanz auf dem Tisch

Das Skizentrum Sloweniens ist für die meisten Deutschen noch Terra incognita - obwohl es fast vor ihrer Haustür liegt.

Mächtige Gipfel, dichte Wälder, grandioser Ausblick bis zur Adria, wenn das Wetter mitspielt. Das 1500-Seelen-Dorf liegt zu Füßen der Julischen Alpen, direkt umgeben von Italien und Österreich. Diese Top-Lage im Dreiländereck hat ihren Preis: Im osteuropäischen Vergleich ist Kranjska Gora das teuerste Skigebiet. Man gibt sich mondän: Hüttenzauber à la DJ Ötzi mit Tanz auf den Tischen entspricht weniger dem Stil der Slowenen. Die Natur lockt. Rund um den fast 3000 Meter hohen Berg Dreikopf warten zehn überwiegend blau eingestufte Pisten, Gesamtlänge 30 Kilometer, auf Ski-Einsteiger und Familien. Nur eine Piste ist wirklich geeignet für Profis - die FIS-Weltcup-Rennstrecke im Nachbarort Podkoren.

Weiterhin gibt es 40 Kilometer Loipen für Langläufer. Alle Strecken sind bestens angebunden durch mehr als zwanzig Skilifte. Dazu kommen Rodelbahnen und wer will, kann auf den zugefrorenen Bergseen Schlittschuh fahren. Besonders romantisch: die regelmäßigen Skifeste im Fackelschein.

Fazit

Tolle Landschaft, internationaler Flair und freundliche Gastgeber. Kranjska Gora entwickelt sich zur Ski-Perle des Ostens. Der 6-Tage Skipass mit Ausrüstung kostet für Erwachsene ungefähr 250 Euro

Infos

Übernachtung

Seit Jahren beliebt ist das Vier-Sterne-Hotel Kotnik mit grandiosem Panoramablick auf die Berge. Doppelzimmer mit Frühstück ab 39 Euro pro Person, www.hotel-kotnik.si
Backpacker übernachten in einem über einhundert Jahre alten Bauernhaus mit handbemalten Wänden und Decken, direkt am Triglav-Nationalpark. Betten ab 13 Euro pro Person, www.prtatko.com
Essen und Trinken
Bograc, die slowenische Gulasch-Variante, schmeckt immer noch am besten im Gostilla Primartino, einem Restaurant im ortstypischen Bauernstil. Dazu gibt´s Travarica, einen Selbstgebrannten mit Büffelgras. Zum Après-Ski gehts direkt nach der Abfahrt an die Ski-Bar vor dem Hotel Larix. Getanzt wird im Papa Joe zu Diskosound im Hotel Razor.
Touristen-Information
Kranjska Gora

Spindlermühle, Tschechien: Auf der Piste mit Rübezahl

Im tschechischen Zentrum des Wintersports tummeln sich vor allem Deutsche. Kein Wunder: Zu DDR-Zeiten war Tschechien das Skiparadies Nummer Eins der Bürger. Von den 700.000 Touristen der Wintersaison stammen die meisten aus dem Nachbarland. Vom Zeitungsverkäufer bis zum Kellner - man spricht deutsch. Der Ortsname verrät die deutschen Wurzeln des ehemaligen Hüttendorfes. Und während früher Wanderer wie Goethe oder Caspar David Friedrich von der Mühle der Familie Spindler aus in die Berge zogen, strömen heute Skifans ins märchenhafte Riesengebirge.

Spindlermühle versucht Pistenparty und Tradition zu verbinden. Neben Familien und Youngstern wedelt daher ab und an ein alter Kauz mit wildem Bart die Pisten hinab - Rübezahl! Vor dem Berggeist gibt es hier kein Entrinnen. Was dem Schwarzwald die Kuckucksuhr, ist dem Riesengebirge diese uralte Sagengestalt.

Insgesamt trumpft Spindlermühle mit fünf Skigebieten auf. Sie reichen bis in eine Höhe von 1300 Metern und werden von fünf Sessel- und elf Schleppliften versorgt - die Wartezeiten sind selbst zu Stoßzeiten erträglich. Die insgesamt siebzehn Pisten, mit einer Gesamtlänge von 25 Kilometern, schätzen sowohl Anfänger als auch Profis - und dass weit bis in den April hinein. Notfalls helfen modernste Schneekanonen. Für Langläufer gibt´s über 100 Kilometer präparierte Loipen, auch auf den Bergkämmen. Snowboarder finden neben Strecken zum Free- und Backriding eine Halfpipe sowie einen riesigen Fun-Park.

Fazit

Spindlermühle - das ist vor allem ideal für einen Wochenendtrip. Zwar finden Abfahrt-Fans hier keine alpinen Pisten, alle anderen Schneefreunde erreichen dafür umso schneller ihr Ziel. Der Sechs-Tage Skipass samt Ausrüstung kostet circa 220 Euro.

Infos

Übernachtung

Das Familienhotel Bedriska liegt im dem Zentrum von Spindlermühle, mit Sauna, Pool und tollem Bergpanorama. Doppelzimmer ab 45 Euro pro Person/Nacht. Der hoteleigene Bus fährt kostenlos in die umliegenden Skiareale, www.bedriska.cz

Essen und Trinken

In Böhmen gibt´s natürlich Gulasch mit Knödel. Dazu ein echtes Budvar-Pils. Ideal dafür: Das Bergrestaurant Spindlerovka Bouda, gelegen auf 1208 Meter Höhe. Alle halbe Stunde fährt ein Bus vom Busbahnhof im Zentrum zum Lokal. Der angesagteste Club in Spindlermühle für Après Ski ist das Silver Rock samt Go-Go-Girls, Lasershow und deutscher Schlagermusik.
Touristen-Information
Skiareal Spindleruv Mlyn, 543 51 Spindleruv Mlyn, Tel. +420-499-467 102, www.czech.cz und www.spindl.com

Jasna, Slowakei: Die Mini-Alpen

Nur zwei Autostunden entfernt vom schillernden Zakopane und der Hohen Tatra liegt Jasna in der Niederen Tatra. Zwar sind die Gipfel hier genauso hoch wie beim polnischen Nachbarn, ansonsten aber zeigt sich dem Skifreund ein ganz anderes Bild. Statt bunt und laut geht es ruhig und beschaulich zu.

Das allerdings vor grandioser Kulisse: Wie die Alpen im Kleinformat gibt sich die Gegend um Jasna. Besonders der Nordhang des über 2000 Meter hohen Chopok zieht die Bretterfreunde magisch an. Zwar sind die Liftanlagen etwas veraltet, so wie Jasnas gesamte Infrastruktur dem westlichen Standard ein wenig hinterherhinkt, dennoch genießt man die Abfahrt auf einer der zwölf Strecken (drei schwarze, sechs rote und drei blaue) mit insgesamt 42 Kilometern Länge.

Ein schrilles Nachtleben sucht man vergeblich. Manchen gilt schon das Nachtskifahren als Höhepunkt, tagsüber jedoch hat Jasna allerhand zu bieten: von Snowrafting und Paragliding bis zur Eisbahn und Kiten. Dazu kommt ein großer Snowboardpark sowie Langlaufloipen mit über elf Kilometern Länge.

Fazit

Jasnas Vorteile liegen auf der Hand - grandiose Natur, entspanntes Publikum und nach wie vor günstige Preise: Der Skipass für sechs Tage mit Ausrüstung kostet 180 Euro.

Infos

Übernachtung

Das Hotel Druzba mit Kaminfeuer, Sauna und kleinem Pool liegt direkt am Skilift. Doppelzimmer für 50 Euro pro Person/Nacht, www.druzbahotel.sk
Essen und Trinken
Im Slovenska Koliba sitzt man umgeben von Schaffellen inmitten der Berge. Dazu gibt´s Bryndzove Halusky: Mehlklöße, mit Kraut, Quark oder Eiern. Zum Après-Ski geht man entweder an die Bars der vier Hotels im Ort oder besser gleich in den Nachbarort Lieptovsky Mikulas. Dort wartet der szenige B-Club-Senior mit Elektro-Pop.
Touristen-Information
Informačné centrum Mesta Liptovský Mikuláš, Námestie mieru 1, 031 01LiptovskýMikuláš, Tel. +421 44 16 186, www.slowakei.com und www.skijasna.sk

Wissenscommunity