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Skisprung-Horrorsturz: "Das war nicht astrein"

Der fürchterliche Sturz von Skispringer Jan Mazoch hat zu heftigen Diskusionen unter Experten, Trainern und Springern geführt. Niemand will die Verantwortung für den Wahnsinn an der Schanze in Zakopane übernehmen. Das Opfer liegt weiter im Koma.

Nach dem schweren Sturz von Jan Mazoch, der am Montag weiter im künstlichen Koma lag, hat auch Bundestrainer Peter Rohwein scharfe Kritik am Internationalen Skiverband (FIS) geäußert. "Wir Trainer turnen da oben auf unserem Stand herum und haben oft keinen Ansprechpartner. Wenn die Bedingungen schwierig werden, ist die Jury für uns nicht mehr greifbar", sagte der Coach nach seiner Rückkehr vom Skisprung-Weltcup in Zakopane.

Einen Boykott von Seiten der Teams hält Rohwein in solchen schwierigen Situationen wegen der unterschiedlichen Interessenlage für ausgeschlossen. "Es gibt keine Einigkeit unter den Trainern, weil mal der eine und mal der andere einen Springer vorne drin hat. Jeder verfolgt seine eigenen Interessen. Wenn es zu gefährlich wird, musst du deine Leute halt rausnehmen", sagte der 44-Jährige.

"Wir vergessen, wie gefährlich der Sport ist"

Den schwer unter Druck geratenen FIS-Renndirektor Walter Hofer wollte Rohwein für den Sturz des Tschechen, der sich dabei eine schwere Schädelprellung zuzog, nicht verantwortlich machen. "Wir sind eine Risiko-Sportart. Solche Dinge passieren. Man kann nicht sagen, dass die Jury den Sturz herausgefordert hat", erklärte der Bundestrainer. Hofer hatte bereits am Sonntag jegliche Verantwortung abgelehnt. "Ich habe die Winddaten von Mazoch. Die weichen nicht ab von denen der anderen Athleten ab. Wir vergessen manchmal, dass Skispringen ein gefährlicher Sport ist", meinte der Österreicher.

Der 21 Jahre alte Mazoch wurde am Montag in der neurochirurgischen Klinik in Krakau weiter medizinisch versorgt. Krankenhaussprecherin Anna Niedzwiedzka erklärte, sein Gesundheitszustand sei stabil. Mit Hilfe von Röntgenstrahl-Untersuchungen werde überprüft, in welchem Ausmaß Blutgefäße in Mazochs Kopf geschädigt wurden. Mazoch war am Samstag im Finale von einer Windböe erfasst worden und Kopf über auf den Hang gestürzt.

Heftige Kritik an Hofer

Rohwein bemängelte, dass die Verantwortlichen das Geschehen im zweiten Durchgang nicht mehr "hundertprozentig unter Kontrolle" gehabt hätten. "Das war nicht ganz astrein. Es war ein volles Haus, man wollte den Fans etwas bieten", erklärte der Allgäuer. Und vor allem das wegen des Windes durcheinander gewürfelte Ergebnis aus dem ersten Durchgang korrigieren, wie Hofer einräumte. "Wir wollten den Athleten eine Chance geben, ein faires Resultat zu erspringen", begründete er den viel zu spät erfolgten Abbruch.

Dafür hatte sich Hofer vor allem aus dem Lager der tschechischen Mannschaft heftige Kritik eingehandelt, die Rohwein bestens nachvollziehen kann. "Wenn man als Trainer in eine Situation gerät, dass es einen Athleten runter bläst, ist man sauer. Dann kommen solche emotionalen Aussagen", erklärte der Bundestrainer.

Trainer verantwortlich, ob gesprungen wird

Verständnis zeigte er auch für die Ankündigung von Tschechiens Coach Richard Schallert, seine Springer in Zukunft bei ähnlichen Bedingungen nicht starten zu lassen. "Mit unseren Fähnchen wirken wir zwar manchmal lächerlich, aber wenn ich den Springer bei grüner Ampel nicht herunter winke, wird er disqualifiziert. Ich muss als Trainer verantworten, ob ein Athlet springt oder nicht", sagte Rohwein.

DPA

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