Städtereisen auf Inlineskates Wenn Paris ins Rollen kommt


Eiffelturm, Champs-Élysées, Sacré Coeur - in Paris mangelt es nicht an Attraktionen. Doch man kann die Metropole aus einer anderen Perspektive erkunden: Einmal in der Woche haben Inlineskater auf den Avenuen Vorfahrt.
Von Lisa Louis, Paris

Es ist Freitagabend, kurz vor zehn Uhr. Auf dem Platz Montparnasse im Herzen von Paris tummeln sich Hunderte von Menschen. Alle haben sie mindestens acht Rollen unter den Füßen. Und alle warten sie auf das Startsignal: Denn in wenigen Minuten wird sie losgehen, die Randonnée de Roller, kurz Rando, die Nacht der Skater von Paris. Drei Stunden düsen Inlineskater - ein paar Hundert im Winter, mehrere Tausend im Sommer - durch die Straßen von Frankreichs Hauptstadt.

Und nicht nur einheimische Skater, auch Skate-Touristen rollen mit: Aus Holland, England und Deutschland kommen die Inlinefans extra für die Rando angereist, erleben so einen Paris-Tourismus der anderen Art.

Mit Inlinern im Gepäck

Eine der deutschen Skaterinnen ist Conny Beeking aus Münster. Sie besucht über das Wochenende eine Freundin in Paris. Ihre Inliner durften auf keinen Fall im Koffer fehlen: "Meine Freundin hatte mich schon am Telefon für die Rando begeistert", sagt die Psychotherapeutin mit leuchtenden Augen. Auch die Tatsache, dass ihre Freundin schließlich keine Zeit für die Rando hatte, konnte Conny Beeking nicht vom Rollen abhalten.

Der Startschuss ist gefallen, der Skater-Pulk setzt sich in Bewegung: Vom Place Bienvenue über den Boulevard Montparnasse geht es vorbei am Port Royal und am Jardin du Luxembourg, bis rechts das Panthéon zu sehen ist. Auf den Bürgersteigen bleiben die Fußgänger stehen und winken, die wartenden Autos hupen den Randonneurs zu.

Auch Conny Beeking ist begeistert: "Es macht wirklich Spaß, durch die Straßen von Paris zu sausen, mit all den Lichtern, an den großen Boulevards vorbei", schwärmt sie. Was sie am Freitagabend von der Stadt nicht errollt, wird Beeking am Rest des Wochenendes erlaufen: "So lerne ich die Stadt aus verschiedenen Perspektiven kennen", meint sie.

"Stimmung wie beim Ausgehen"

Dass die Rando international begeistert, kann Cédric Raoubelina gut verstehen: "Paris kann man wirklich perfekt auf Rollen erkunden", meint der Informatiker, den man schon von weitem an den grünen Lichtern an Kleidung und Skates erkennt. Seit 2002 fährt er bei der Skatenight mit: "Im Gegensatz zu Restaurants oder Diskos ist die Rando umsonst. Und die Stimmung hier ist genauso gut wie beim Ausgehen", erklärt er seine Begeisterung.

Für Touristen sei die Rando außerdem die perfekte Alternative zum Pauschalurlaub: "So vereinen sie Urlaub und Fitness", sagt er, "gleichzeitig kommen sie in Kontakt mit Einheimischen." Und über diesen Kontakt freut sich Raoubelina: "Die Deutschen verbreiten immer gute Stimmung. Ich finde es toll, dass Menschen von so weit her kommen, um dieses Erlebnis mit uns zu teilen."

Polizisten auf acht Rollen

Seit zehn Jahren findet die Rando Woche für Woche statt. Nur bei Regen fällt sie aus - bei glitschigem Boden ist die Sturzgefahr zu hoch. Die Route ist jedes Mal eine andere, ausgeklügelt wird sie von den Mitgliedern des Vereins "Pari Roller", abgesegnet und angeführt von durchtrainierten Polizisten auf Rollen.

Rund zehn dieser Flics Roulants fahren jede Woche mit, sorgen zusammen mit den Vereinsmitgliedern für freie Fahrt auf den Straßen. Sie kümmern sich um Skater, die gestürzt sind, und halten Fußgänger vom Überqueren der Straßen ab. "Einen schöneren Job kann ich mir gar nicht vorstellen", sagt einer von ihnen. "Ich mache meinen Lieblingssport, bin draußen, und außerdem herrscht gute Stimmung."

Begeistert von der Rando ist auch Mark Davies aus London. "Skater's Paradise", das Paradies für Inlineskater, nennt er Paris. Mit seinen Schülern ist der Rollerblade-Lehrer so schon zum dritten Mal in der Stadt der Liebe. "Wir machen den Ausflug zweimal pro Jahr - und jedes Mal freue ich mich wieder darauf!" Drei Tage bleibt Davies mit der Gruppe von 10 bis 15 Skatern in Frankreichs Hauptstadt. Und diese drei Tage verbringt die Gruppe fast komplett auf Rollen: "Für morgen habe ich eine Sightseeing-Tour vorbereitet, und auch Sonntag werden wir rollen", sagt er mit einem zufriedenen Grinsen.

Fester Bestandteil des Wochenendprogramms

Romy Krüger aus Berlin muss zum Skaten nicht extra anreisen. Seit drei Jahren wohnt sie in Paris, ist ursprünglich zum Studieren nach Frankreich gekommen - und will jetzt gar nicht mehr weg. "Die Rando ist ein fester Bestandteil meines Wochenendprogramms geworden", sagt sie begeistert. "Hier habe ich viele Leute kennen gelernt. Gleichzeitig kann ich den Stress der Woche abbauen und sehe Ecken der Stadt, in denen ich noch nie war."

Ist die Rando also eine Paris-Fahrt wert? "Klar", findet Romy Krüger, die schon die meisten ihrer Studienkollegen zum Inlinern animiert hat. "Man sieht Paris mal mit anderen Augen."

Infos
Treffpunkt ist jeden Freitag, um 21.30 Uhr

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