Verbraucherschutz EU verbietet Lockangebote für Flugtickets


Wer online oder andernorts ein Flugticket kaufen will, muss bislang besonders aufs Kleingedruckte achten. Denn viele Anbieter verstecken Aufpreise für Gepäck oder Versicherungen sehr geschickt. Jetzt durchkreuzt die EU die Strategie der Billigflieger.

Fluggäste in der Europäischen Union können die Preise für Flugtickets bald besser vergleichen. Das EU-Parlament stimmte am Mittwoch für ein Verbot irreführender Lockangebote. Das in Kürze in Kraft tretende Gesetz verlangt korrekte Preisangaben. Passagiere müssen bereits bei der Buchung, auch im Internet, über die tatsächlichen Preise und anfallenden Kosten wie Steuern, Flughafen- oder Buchungsgebühren umfassend informiert werden. Betroffen sind vor allem Billigflieger mit günstigen Werbeangeboten, die sich bei der Buchung oft als viel teurer herausstellen

Das Verbot gilt für alle Anbieter in der Europäischen Union. Es darf auch keine sogenannte Paketangebote mehr im Internet geben, die etwa Reiseversicherungen enthalten. Die Verbraucher sollen die Möglichkeit haben, Zusatzleistungen dem Ticket hinzuzufügen. Für die Mitnahme zusätzlicher Gepäckstücke dürfen die Airlines allerdings einen Aufpreis verlangen. Laut einer im Mai von der EU-Kommission vorgestellten Studie warb noch Anfang dieses Jahres jeder dritte Anbieter von Flugtickets im Internet mit irreführenden Preisen.

Breites Lob von Politikern und Verbänden

"Mit dem heutigen Beschluss haben wir endgültig Klarheit und ein hohes Maß an Verbraucherschutz geschaffen. Damit ist dieser Sommerurlaub der letzte, in dem man bei Ticketpreisen lieber zweimal hinschauen sollte", sagte der SPD-Verkehrsexperte Ulrich Stockmann. "Die Trickserei mit Lockangeboten muss ein Ende haben", begrüßte die CDU-Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle den Beschluss. "Die Preisgestaltung muss klar und transparent sein". Jeggle empfiehlt dennoch eine sorgfältige Prüfung der Preise, denn Anbieter aus Drittstaaten ohne Sitz in der EU dürfen im Internet weiterhin mit irreführenden Angeboten werben. Auch die Schlichtungsstelle Mobilität beim Verkehrsclub Deutschland lobte die Vorschriften: "Endlich ist damit Preis-Transparenz für Flugreisen hergestellt", sagte die leitende Juristin Birgit Zandke-Schaffhäuser.

Zwar haben sich nach Angaben der EU-Kommission bereits eine Reihe von Fluggesellschaften den Vorgaben angepasst, immer noch wird aber jeder dritte Verbraucher, der online ein Ticket buchen will, über den Flugpreis falsch informiert. Die EU-Kommission will ihre Untersuchung der Internetangebote bis Mai 2009 abschließen. Sollte es dann noch immer Probleme geben, will die Kommission eingreifen.

Die Fluggesellschaften nahmen die Entscheidung gelassen zur Kenntnis: Air Berlin teilte lediglich mit, das Unternehmen müsse nichts an den Preisangaben ändern, da es den Vorschriften schon heute nachkomme. Die Airline locke Kunden nicht mit irreführenden Angeboten, sagte eine Sprecherin. Auch Konkurrent Germanwings gab an, sich bereits weitgehend an die neuen Regelungen zu halten. Ein Sprecher räumte allerdings ein, dass das Unternehmen auf der Internetseite voreingestellte Häkchen bei der Auswahl einer Versicherung entfernen müsse.

Auch Europas größter Billigflieger Ryanair zeigt sich nicht sonderlich betroffen: In sämtlichen Anzeigen und im Internet werbe die irische Airline mit dem vollen Preis, inklusive Steuern und Gebühren, sagte Anja Seugling, Vertriebsmanagerin für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Zumindest für die deutschsprachige Website von Ryanair traf dies am Mittwoch allerdings noch nicht zu: Für einen Flug von Frankfurt-Hahn ins portugiesische Faro am 3. September 2008 wurde im ersten Buchungsschritt nur der Grundpreis von 59,99 Euro angegeben - mit dem Hinweis, über Steuern und Gebühren werde später informiert. Auf der folgenden Seite wurde dann deren Höhe genannt, erst in einem weiteren Buchungsschritt ein Aufschlag für die Aufgabe von Gepäckstücken.

Werbung muss komplett umgestellt werden

Änderungsbedarf gebe es bei Ryanair zudem bei der Reiserücktrittversicherung, sagt Seugling: Bei der Buchung im Internet müssen die Kunden - wie beim Wettbewerber Germanwings - bislang das vorhandene Häkchen entfernen. Die EU schreibt aber vor, dass die Verbraucher die Wahlleistungen selbst auswählen müssen. Die Preise für Extras wie zusätzliches Gepäck oder einen Sitzplatz vor dem Notausgang mit mehr Platz für die Beine müssen ebenfalls im Angebot genannt werden.

Unklar ist, wie die neue Preisgestaltung in der Werbung dargestellt werden kann. So wäre es möglich, dass der niedrige Basispreis in großen Zahlen angezeigt und die hinzukommenden Kosten in einer Fußnote nur sehr klein aufgeführt werden. Doch die EU-Kommission hat die Verbraucherrechte von Flugpassagieren genau im Blick und würde vermutlich erneut eingreifen, falls die Airlines hier zu Tricks greifen sollten.

FTD

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