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Cumbre Vieja auf La Palma Vulkanausbruch auf Kanareninsel: Spaniens Tourismusministerin hofft auf Schaulustige

Vulkanausbruch auf La Palma
Sehen Sie im Video: Vulkan auf Kanaren-Insel Palma spuckt Lava.




La Palma, Spanien: Im Süden der Kanaren-Insel ist ein Vulkan ausgebrochen. Seit Sonntag fließt Lava aus Erdspalten im Nationalpark Cumbre Vieja. Tausende Menschen werden aus der Gefahrenzone gebracht. Zuvor hat es zahlreiche Erdbeben gegeben.
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Spaniens Tourismusministerin Maroto setzt eher auf Gaffer als auf Hilfe für die Betroffenen der Vulkankatastrophe. Die sozialen Medien reagieren auf ihren Spruch über das "wunderbare Naturspektakel" mit Spott, Häme und Humor.

Der Ausbruch des Vulkans Cumbre Vieja auf der kleinen Kanareninsel La Palma hatte sich vor wenigen Wochen mit immer häufigeren Erdbeben angekündigt. Am Sonntagmittag kam es zu einem Beben der Stärke 4,1 auf der Richterskala. Dann folgten nachmittags mehrere Explosionen, der "Alte Gipfel", so die Übersetzung der Bergbezeichnung, stößt seitdem Asche, Rauch und Lava-Fontänen aus, die die Bergflanken herunterfließen.

Die Bewohner in der unmittelbaren Umgebung des Vulkans konnten rechtzeitig evakuiert werden. Bis Dienstag mussten 6000 Menschen, darunter auch viele Touristen in Ferienwohnungen, ihre Häuser verlassen. Besonders betroffen ist die kleine Gemeinde El Paso.

"Die Lava hat alles auf ihrem Weg vernichtet", sagte der Bürgermeister Sergio Rodríguez dem Sender TVE. Von der rund 1000 Grad heißen und bis zu sechs Meter hohen Lava-Walze sind bereits mehr als 160 Gebäude zerstört worden – und damit alles Hab und Gut, der dort lebenden Menschen.

Die unsensible Sozialdemokratin

Wie lange der Berg noch seine vernichtende Fracht aus dem Erdinnern zu Tal lässt und wie hoch die bereits jetzt entstandenen Schäden sind, lässt sich derzeit noch nicht ermessen.

Doch für Reyes Maroto, der spanischen Ministerin für Industrie, Handel, Wirtschaft und Tourismus, steht jetzt schon fest: Von dem "wunderbaren Naturspektakel", welches La Palma "beschert" worden sei, könnten "zahlreiche Touristen profitieren", sagte die sozialistische Politikerin im Radiosender Canal Sur.

Reyes Maroto
Reyes Maroto, die spanische Ministerin für Industrie, Handel, Wirtschaft und Tourismus
© Imago Images

Die Sozialdemokratin der Regierung von Ministerpräsidentin Pedro Sanchez zeigt als Politikerin wenig Empathie für die vom Vulkan bedrohten Insulaner. Sie setzt eher auf mehr Besucher für das Feuerspektakel auf den Kanaren. Kein Wunder, dass nach dieser Aussage die Empörung in Spanien groß ist.

"Die Lava verwüstet alles auf ihrem Weg, verschluckte mehr als hundert Häuser und Ministerin Reyes Maroto sagt, der Vulkan sei ein 'wunderbares Spektakel'", schreibt ein User auf Twitter.

Pedro Sánchez tanzt auf dem Vulkan

Für andere ist die verbale Entgleisung in den sozialen Netzwerken auch eine Steilvorlage für Hohn und Spott. So hat @mescojono gleich die Anregung der spanischen Tourismusministerin aufgegriffen und zeigt "exklusiv" in einer Fotomontage, wie der Katastrophentourismus auf der nordwestlichsten Kanarischen Insel boomt:

"Die ersten Touristen kommen nach dem Vorschlag von Ministerin Reyes Maroto", heißt es bei dem auf Twitter geposteten Selfie von zwei Touristinnen.

Noch heißer dürfte es für die Füße des Ministerpräsidenten werden. In einem Videoclip steht Pedro Sánchez auf der Lava. "Dieser Ausbruch hinterlässt Bilder und Töne, schockierend... richtig Reyes Maroto?, aber Pedro Sánchez gibt auf La Palma alles."

Nach den Protesten bis hin zu Rücktrittsforderungen und humorvollen Reaktionen im Netz, gibt sich die Ministerin inzwischen kleinlaut. Sie habe Kontakt zur örtlichen Regierung aufgenommen. "Wir bitten die Inselbewohner und Touristen, den Anweisungen der Behörden Folge zu leisten." Am Ende twittert sie versöhnlich: "Mein Herz ist auf der schönen Insel."

Eine Entschuldigung hört sich anders an.

tib

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