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Indonesien: Warum wurde ein seltener Sumatra-Tiger brutal abgeschlachtet?

Dorfbewohner auf Sumatra haben einen der seltenen Insel-Tiger getötet, der sich in den Wäldern nahe des Ortes herumgeschlichen hatte. Warum hielt sich das extrem scheue Tier dort auf? Steckt die Holzmafia dahinter?

Sumatra Tiger

Dorfbewohner betrachten den Kadaver des erlegten Tigers im Dorfhaus 

Der Fall ist rätselhaft. Bewohner eines Dorfes in Nord-Sumatra haben einen Tiger mit Speeren brutal getötet und den halb ausgeweideten Körper im Dorfhaus auf einem Querbalken gebunden. Das Bild des getöteten Tigers wurde in sozialen Netzwerken vielfach geteilt. Die Frage, die sich allen stellt, lautet: Warum hatten es die Dortfbewohner auf den Tiger abgesehen, obwohl sie wissen, dass die Tiere geschützt sind? 

Die Art gilt als extrem gefährdet, ihre Zahl kann nur geschätzt werden. "Sie liegt irgendwo zwischen 350 und 1200", sagt Sunarto, Tigerexperte des World Wildlife Fund laut "Süddeutscher Zeitung". "Sumatratiger sind äußerst scheu, sie halten sich fern von Menschen, wo sie können. Es sei denn, die Verhältnisse zwingen sie, ihr Verhalten zu ändern."

Gerüchte über einen Siluman

Angefangen hatte alles mit Gerüchten, ein Siluman treibe sein Unheil in der Gegend, berichtete die "Jarkarta Post". Ein Siluman ist ein geheimnisvolles Wesen, das mal in der Gestalt eines Tigers, mal in der Gestalt eines Menschen herumgeistert. Auch die Forstbehörde hatte von den Gerüchten gehört und sich an die Bewohner gewandt, die sich offenbar fürchteten. Doch die Intervention schlug fehl. Tage später zog eine Gruppe von Männern los, um den Tiger zu jagen. Sie fanden ihn schlafend unter einem Pfahlbau und stachen ihm mit Speeren in den Bauch.

Es gibt viele offen Fragen zu dem Fall. Eine davon ist, warum die Dorfbewohner den halb ausgeweideten Kadaver im Versammlungshaus an einen Balken hängten. Sollte der "böse Geist" zur Schau gestellt werden oder wollte der Bürgermeister dadurch verhindern, dass der Kadaver komplett ausgenommen wird. Dem Tiger fehlten bereits Zähne, Klauen und einige Organe - ihnen werden magische Kräfte zugeschrieben. Man kann sie gewinnbringend verkaufen. 

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Wichtiger ist aber die Frage: Warum trieb sich das extrem scheue Tier überhaupt in der Nähe einer Menschensiedlung herum? Normalerweise meiden Tiger Menschen wie die Pest. War er vielleicht krank oder wurde er von Holzfällern aus seinem Revier vertrieben. Vielleicht sogar mit Absicht? Und wer streute die Gerüchte?

Nur Indizien, keine Beweise

Laut Recherchen der "Jakarta Post" sollen tatsächlich Holzfäller verantwortlich sein für die Gerüchte: "Wenn die Holzmafia dahintersteckt, dann war ihre Taktik sehr erfolgreich. Es wäre ein Beispiel, wie sich traditioneller Glaube manipulieren lässt", sagt Tiger-Experte Sunarto vom WWF.

Allerdings gibt es dafür nur Indizien und keine Beweise. Sicher ist nur: Die Holzfäller werden profitieren, wenn die Tiger verschwinden, weil der Druck sinkt,  die Wälder langfristig wegen ihrer einzigartigen Tierwelt zu schützen. "Bisher haben wir eher beobachtet, dass der traditionelle Glaube hilft, Tiger zu schützen", sagt Sunarto.

tis
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