HOME

Frucht: Das Theater mit der Durian

Süß, fein, verführerisch - so denken viele Singapurianer über ihre stachelige Lieblingsfrucht. Faulig, widerlich, abstoßend - dagegen die meisten Touristen und machen einen weiten Bogen um sie.

Von Friederike Nagel

An dieser Frucht scheiden sich die Geister: Die einen schlägt sie in die Flucht; die anderen lockt ihr einzigartiger Duft magisch an. Auf den Weltmarkets, wo es nur so von Händlern mit üppig bestücken Ständen wimmelt und exotische Gerüche um die Wette wabern, stinkt die Durian zum Himmel. Hölle für die einen, himmlisch für die anderen. Alexander Willert, der am Münchner Viktualienmarkt den Spezialitätenstand Exoten Müller betreibt, sagt dazu knapp: "Entweder man liebt sie, oder man hasst sie." Die rugbyballgroße Durian ähnelt einer Ananas und wächst an Bäumen. Ein Exemplar wiegt meist um die drei Kilo und ist bis zu 30 Zentimeter lang. Unter der igeligen Schale verbirgt sich eine große Menge weiches gelbes Fruchtfleisch. Verzehrbereit ist die Frucht dann, wenn sie vom Baum fällt. Deswegen hat sie auch die pyramidenförmigen Stacheln, die dabei als Stoßdämpfer wirken.

Mischung als Knoblauch und Erbeere

Auf viele Touristen hat die in Europa nur in Spezialgeschäften erhältliche Frucht meist eine befremdliche Wirkung: Nasen werden gerümpft, das Gesicht angeekelt verzogen. Der Geruch einer Durian ist dabei schwer zu beschreiben: eine Mischung aus Erdbeere und Knoblauch oder wie ein Pudding, der mit Zwiebeln angemacht wurde, einige erinnert er auch an verrottete Gummibärchen.

Manch einer macht auch eine Kakaonote aus oder nimmt den Duft von braunem Sherry wahr, nicht selten kombiniert mit dem Geruch von altem Harzer Käse und ungewaschenen Socken. Aus diesem Grund besteht in Südostasien für öffentliche Gebäude und Hotels häufig ein Mitnahme- und Verzehrverbot. Einige öffentliche Verkehrsmittel, wie die U-Bahn in Singapur sowie fast alle Fluglinien in Südostasien, haben sogar ein Beförderungsverbot für die Durianfrucht verhängt.

Eine Liebhaberfrucht

Wer zu probieren wagt, gewinnt mit Sicherheit eine neue Geschmackserfahrung. "Wenn man sie kennt, dann ist die Durian eine Liebhaberfrucht", schwärmt Exotenhändler Alexander Willert. Gerade in der deutschen Rohkostszene gibt es vehemente Anhänger. Er habe immer wieder Vorbestellungen. Allein diese Woche hat er in München zehn Stück, geteilt in einzelne Kammern, verkauft. Willert weiß: "Hohe Nährwerte, eine Vielzahl von Vitaminen, das macht diese Frucht aus."

Reife Durians sind wegen ihres hohen Fett- und Stärkegehalts (bis zu 30 Prozent) echte Sattmacher. Auf dem Münchner Viktualienmarkt verkauft Willert nur eine bestimmte Sorte - eine, die für westliche Mägen gut aufzunehmen ist. "Die Mong Thong ist am besten bekömmlich, bei anderen Sorten hat die Verdauung schon mal zu kämpfen oder man muss aufstoßen", erklärt Willert.

Für die einen duftendes Aphrodisiakum

Besonders wichtig ist der Reifegrad bei der Königin der Früchte, wie sie in Asien gerne bezeichnet wird. Bevor eine Durian ausgereift ist, schmeckt sie ähnlich wie eine Esskastanie. Erst später erhält sie ihre einzigartige, fruchtige Charakternote. An den so genannten fruit stalls entlang der Bugis und Waterloo Road diskutieren die Singapurer über den richtigen Reifegrad. Und dafür gibt es eigentlich nur einen Weg: Sie wollen ihre Lieblingsfrucht von ganz nahem beschnuppern. Denn der Kenner entscheidet auf Grund des Duftes. Dass man eine besonders gut gereifte Frucht auswählt ist wichtig: Seit alters her gilt die sie als Aphrodisiakum.

Wer seine erste Durian gerne an einem ganz besonderen Ort probieren möchte, der kann den Nachtmarkt Pasar malam in den alten malaiischen Stadtbezirken Geylang Serai und Joo Chiat besuchen. Neben einer bunten Vielfalt an allerhand Tand - T-Shirt, CDs, Sonnenbrillen - werden hier auch nachts frische, reife Durians feilgeboten.

Sogar das Theater imitiert die Durian

Aber auch sonst lauern im Stadtstaat an fast jeder Ecke außergewöhnliche Durian-Spezialitäten: Durian-Chips, Durian-Eis, Durian-Bonbons. Es scheint, als könnte den Einheimischen ihre Lieblingsfurcht nie über werden. Das erklärt wohl, warum das im Jahre 2002 eröffnete Kulturzentrum "Esplanade - Theaters on the Bay" im Volksmund den geschmackvollen Beinamen "Durian" erhielt.

Der Grund liegt auf der Hand: Die beiden Konzert- und Theaterhallen liegen schräg nebeneinander und ihre halbrunden Dächer ähneln einer aufgeschnittenen Durian. Auf der Stahl-Glas-Konstruktion sitzen kleine eckige Aluminium-Sonnensegel, die das typische Zackenmuster vor der untergehenden Sonne am Horizont abzeichnen. Darunter finden bei Veranstaltungen jeweils an die 2000 Zuschauer Platz. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, aber Tatsache ist wohl, dass eine Frucht, die sogar Architekten inspiriert, ganz besondere Kräfte haben muss.

Durian-Fruchtparfait: Zutaten für zwei Portionen
125 ml Milch
60 g Crème double
60 g Mascarpone
3 Eigelbe
40 g Zucker
1 1/2 EL Vanillezucker
150–160 g Furianfruchtfleisch
2 EL Limettensaft
150 ml Sahne
Milch, Crème double und Mascarpone in einen Topf geben und mit einem Schneebesen verrühren. Unter weiterem Rühren erhitzen.
Die Eigelbe mit Zucker und 1 EL Vanillezucker in einer Schüssel schaumig rühren. Die heiße Milchmischung unter Rühren zufügen. Alles zurück in den Topf geben und mit einem Holzspatel bei mäßiger Temperatur rühren, bis die Masse dick wird. Sie darf auf keinen Fall kochen, sondern nur etwa bis 90 °C erhitzt werden.
Die Masse auf Eiswasser kaltrühren. Das Fruchtfleisch der Durian mit dem Limettensaft pürieren. Die Sahne mit dem restlichen Vanillezucker steif schlagen und unterziehen.
In Portionsförmchen geben und für etwa 3 Stunden in das Gefriergerät stellen. Zum Stürzen kurz in heißes Wasser tauchen oder ein mit heißem Wasser getränktes Tuch darumlegen und stürzen.
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity