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Kaziranga Park in Indien: Die Wildpark-Ranger, die Menschen erschießen, um Tiere zu schützen

Die Ranger im Kaziranga Park kämpfen gegen Wilderer, die ihre Nashörner jagen. Aber sie terrorisieren auch die Menschen in der Umgebung. Im Namen des Tierschutzes haben sie eine Herrschaft des Schreckens eingeführt.

Das Indische Nashorn ist bedroht. Doch die Methoden zu seinem Schutz sind umstritten.

Das Indische Nashorn ist bedroht. Doch die Methoden zu seinem Schutz sind umstritten.

Im Kaziranga Park im indischen Bundesstaat Assam leben freie Nashörner. Aber sie sind gefährdet. Wilderer jagen sie wegen der Hörner. In Asien gelten sie als "Wunder-Heilmittel für alles" – selbst Krebs sollen sie heilen können. Für 100 Gramm werden 7000 Euro bezahlt. Die Wilderer sind Profis und schwer bewaffnet. Die Ranger des Parks aber auch. Sie sollen in den letzten Jahren 50 Wilderer zur Strecke gebracht haben.

Schießen bei Sichtkontakt

Die BBC hat Wildhüter befragt, wie weit sie gehen, um die wertvollen Tiere zu schützen. Der Ranger Avdesh sagt: "Wir haben klare Anweisungen: Wenn du einen Wilderer oder Jäger siehst, mache deine Waffen bereit und jage sie." Selbst vor gezielten Schüssen schrecken sie nicht zurück. "Ja. Wir sollen diese Typen erschießen. Immer, wenn man einen Wilderer oder irgendeine andere Person während der Nacht sieht, sind wir dazu aufgefordert, auf sie zu schießen.“

Avdesh hat in den vier Jahren, die er im Park gearbeitet hat, zwei Mal auf Personen geschossen, aber er habe niemals jemanden getötet. Doch er weiß, dass es ihn seelisch belasten würde, mit den Folgen so eines Schusses zu leben.

Strafverfolgung muss er nicht fürchten. Die Regierung hat den Rangern besondere Befugnisse gewährt – auch wenn sie Wilderer töten. Die Praxis ist bekannt, aber es ist schwer zu erfahren, wie viele Personen im Park getötet wurden. "Wir führen darüber nicht Buch", wiegelt der leitende Beamte der für die Wälder zuständigen Behörde gegenüber der BBC ab.

Der Direktor des Parks, Doktor Satyendra Singh, verteidigt die Methode. Er verrät auch, dass in den letzten drei Jahren 50 Wilderer getötet wurden. Er betont, wie gefährlich die bewaffneten Banden der Wilderer sind, und auch, dass sie Einheimische als Führer rekrutieren. "Zuerst warnen wir diese Leute: Wer bist du? Wenn sie sich aber auf uns schießen, werden wir sie töten. Zuerst versuchen wir, sie zu verhaften. So bekommen wir Informationen. Wir müssen wissen, wie ihre Verbindungen sind und wer noch zur Gang gehört." Angeblich gibt es regelmäßig gefährliche Schusswechsel. Doch in den letzten 20 Jahren wurden von den Rangern 106 Menschen getötet. Umgekehrt starb nur ein Ranger durch die Wilderer.

Einheimische im Visier

Das Problem für Singh sind nicht die fremden Wilderer, es sind die Einheimischen. Singh glaubt, dass bis zu 300 Einheimische den Fremden helfen, angelockt vom Geld. Tatsächlich aber scheinen alle Menschen, die in der Nähe des Parks leben, in Gefahr zu sein. Sie werden erschossen, während sie Feuerholz oder Pflanzen sammeln.

Der junge Goanburah wurde 2013 von den Rangern erschossen. Sein Vater glaubt, der Junge sei in den Park gelaufen, um zwei Kühe zu suchen. Die Ranger haben später ausgesagt, dass sie Goanburah erschossen haben, als er nicht auf ihre Warnung reagiert habe. Goanburah war lernbehindert. Sein Vater sagt: "Er konnte nicht einmal seine Hose anziehen oder seine Schuhe. Jeder in der Umgebung kannte ihn, weil er so behindert war."

Rechtlos für den Tierschutz 

Und er ist nicht der einzige. 2016 wurde der sieben Jahre alte Akash Orang auf einem Weg angeschossen, der direkt an der Grenze zum Park verläuft. Er erzählte der BBC, was damals passiert ist: "Ich bin grade vom Laden zurückgekommen. Die Wächter haben mich auf einmal angeschrien:  'Nashorn, Nashorn!' dann haben sie auf mich geschossen."

Der Schuss hat den Muskel seines rechten Bein zerfetzt, er hat sich davon nie wieder erholt. Vom Park erhielt der Junge 3000 Dollar als Entschädigung. Mono Bora wurde von den Rangern in einem Café gekidnappt. Sie haben ihm ins Gesicht geschlagen, im Hauptquartier des Parks wurde er gefoltert. "Sie haben einen Elektroshocker benutzt. Sie haben ihn gegen mein Knie und meinen Ellbogen und meine Leiste gehalten." Nach drei Stunden bemerkten seine Peiniger, dass sie den Falschen erwischt hatten und ließen Bora gehen. 

Bei den reichen Touristen ist der Park beliebt, bei den Einheimischen ist er nicht gut angesehen. Auch weil er sich regelmäßig vergrößern will. Auf ihre Kosten, denn sie werden aus ihren Dörfern verjagt.  Sophie Grig von der Menschenrechtsorganisation Survival International sagte der BBC: "Der Park geht mit außerordentlicher Brutalität vor. Da gibt es keine Anklagen, kein Gerichtsverfahren, keinen Schutz. Und das Schreckliche ist, dass sie die Methode "Schießen bei Sichtkontakt" in ganz Indien einführen wollen."

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Anzahl der Wilderer die im Kaziranga National Park getötet wurden

2006  = 0

2007  = 5

2008  = 2

2009  = 0

2010  = 6

2011  = 3

2012  = 1

2013  = 5

2014  = 22

2015  = 23

2016  = 5 

Anzahl der Nashörner, die im Kaziranga National Park von Wilderern getötet wurden 

2006   = 5

2007   = 16

2008   = 6

2009   = 6

2010   = 5

2011   = 3

2012   = 11

2013   = 27

2014   = 27

2015   = 17

2016   = 18


Konrad Krabbe
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