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Weinbaugebiet Darling: Ein Toast auf die Öko-Allianz

Sie produzieren Spitzenweine mit besonderem Label: Knapp 80 südafrikanische Winzer wollen gemeinsam mit Naturschützern den Fynbos erhalten. Die Buschvegetation der Kapregion ist Heimat von fast 10.000 Pflanzenarten.

Von Helge Bendl

Für die einen ist es eine Erfolgsstory: Während man in Europa Wein schon seit tausenden von Jahren anbaut, pflanzte Jan van Riebeeck erst vor 350 Jahren einige Rebstöcke an die Hänge des Kapstadter Tafelbergs. Heute ist Südafrika einer der zehn größten Weinproduzenten der Welt, mit mehr als 100.000 Hektar Anbaufläche und mehr als 800 verschiedenen Abfüllern. Was Arbeitsplätze schafft, die Wirtschaft ankurbelt und Weinliebhaber freut, macht anderen Sorgen: Naturschützern fürchten, dass durch den Boom noch mehr der ursprünglichen Kap-Vegetation verloren geht.

Denn das meiste Land, das heute für den Anbau von Weizen, für Obstplantagen und Weinberge genutzt wird, war früher mit Fynbos bewachsen. Fast 10.000 verschiedene Pflanzenarten gibt es in diesem Buschland, tausende von auf diese Umgebung angepassten endemischen Insekten, die also nur dort und nirgendwo sonst vorkommen. 80 Prozent des Landverlusts passierte in der Vergangenheit auf privatem Grund und Boden, hat jüngst besorgt die Botanische Gesellschaft Südafrikas errechnet. Wer also weiteren Verlust von einzigartigen Ökosystemen verhindern will, muss die Besitzer einbinden. Am Ende können nämlich beide Seiten profitieren - wenn das Marketing stimmt.

Erfolg der Öko-Allianz

"Seit der Gründung der Allianz im Jahr 2004 haben wir 78 Mitglieder gewonnen, die schon 45 Prozent der Weinanbaufläche am Kap repräsentieren", sagt Inge Kotze, Vertreterin der "Biodiversity and Wine Initiative" (BWI). Weinindustrie und Naturschutzorganisationen haben sich zusammengeschlossen, um die Naturvielfalt Südafrikas zu erhalten. Zwar sind der Großteil der Weingüter derzeit nur einfache Mitglieder, was relativ wenige Verpflichtungen mit sich bringt. Eine Mitgliedschaft bedeutet auch nicht, dass Öko-Wein produziert wird - die meisten Weinbauern setzen weiterhin Pestizide und Insektizide ein, die bei Öko-Weinen nicht erlaubt sind. Vier so genannte "BWI-Champions" setzen sich aber von der Mannschaft ab und lassen sich ihr Bemühen um Natur- und Artenschutz von unabhängigen Experten bestätigen. Sie gelten als Vorreiter - viele weitere sollen folgen und die Öko-Allianz zum Erfolg führen.

"Eine Aufgabe für viele Jahre"

Zwei der vier Weingüter haben ihre Zertifizierung im Dezember vergangenen Jahres erhalten. Peter Duckitt, Manager der Weingüter Cloof und Burgherspost unweit des Städtchens Darling nördlich von Kapstadt, hat schon im Vorfeld eine junge Naturschützerin eingestellt, um die Biodiversität des Areals zu erhalten und die Einhaltung der selbst auferlegten Vorschriften zu garantieren. Es gilt, Wasservorräte verantwortlich zu managen und eingewanderte Pflanzen zurückzudrängen. "Das ist eine Aufgabe für viele Jahre", sagt Johmandie Gilomee. Sie hat ein Team von zehn Arbeitern unter sich, die außer während der Weinlese das ganze Jahr über mit dem Herausreißen von Bäumen beschäftigt sind, die vor vielen Jahren in Südafrika eingeführt worden sind, sich heute rasend schnell verbreiten und den Fynbos überwuchern. Neue Reben, sagt sie, sollten möglichst nur auf bereits früher gerodeten Flächen angepflanzt werden.

Selbst die teuerste Auslese findet ihre Abnehmer

Naturschutz kostet allerdings. "Wir wollen in Zukunft aber mehr und mehr Führungen auf dem Weingut anbieten und den Artenreichtum zeigen, mit dem wir gesegnet sind. Das wird sicherlich neue Kunden locken", meint Johmandie Gilomee. Für zusätzlichen Weinabsatz könnte ein Sticker mit dem Prädikat "Nature Friendly" sorgen, das die Biodiversity and Wine Initiative für die als Champions ausgezeichneten Mitglieder vorbereitet. Wobei das Weingut Cloof nicht nur den Fynbos vorbildlich schützt, sondern auch guten Wein gut verkauft. Selbst die teuerste Auslese findet ihre Abnehmer. Etwa 30 Euro kostet eine Flasche des mehrfach international ausgezeichneten "Crucible Shiraz". Einer gut situierten Dame aus München schmeckte er so gut, dass sie gleich 100 Kisten davon orderte.

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